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Was will ich eigentlich (nicht)? – Entdecke deine Möglichkeiten mithilfe der Berufsberatung!

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Du kennst es sicherlich: Für deine Berufswahl werden viele Maßnahmen bereits in der Schule diskutiert, Dokumente vorbereitet und Bewerbungsschreiben geübt. Oft wird dabei auch die „Berufsberatung“ erwähnt. Manchmal hast du es vielleicht schon so oft durchgekaut, dass du etwas angenervt sein könntest. Warum dieses Thema aber gar nicht so unwichtig ist und wie das eigentlich so abläuft, hat PLANBAR für dich mal bei einem Berufsberater der Agentur für Arbeit in Cottbus recherchiert.

Was sollte ich vor meinem ersten Beratungsgespräch wissen/ vorbereiten?

Herr Poppel ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Cottbus.Foto: Agentur für Arbeit Cottbus

Was muss der Berufsberater alles über mich wissen?

"So viel, wie du über dich preisgeben möchtest. Wir wollen dich schließlich individuell beraten, also was dich wirklich interessiert, welche Hobbys oder Talente du hast bzw. welche Voraussetzungen du mitbringst."

Brauche ich Unterlagen wie Zeugnisse oder Praktikumsbescheinigungen?

"Es wäre schön, wenn die Zeugnisunterlagen vorhanden bzw. die Zensuren bekannt wären. Diese sind schließlich bei bestimmten Berufen eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung. Die Zeugnisse und Praktikumsberichte gehören unter anderem auch in den Berufswahlpass, damit auch der Berufsberater dich besser einschätzen und deinen bisherigen Werdegang besser nachvollziehen kann."

Und diesen Berufswahlpass besitze ich bereits oder verteilen Sie diese? Wie läuft das ab?

"Jeder Schüler erhält bereits in der 7. Klasse den sog. „Berufswahlpass“ von der Agentur für Arbeit. Er ist dazu gedacht, wichtige Dokumente und Unterlagen im Prozess deiner Berufsorientierung zu sammeln und später für Deine Bewerbung zu nutzen."

Welche Fragen wird der Berufsberater mir stellen bzw. welche Themen werden besprochen?

"Eigentlich alles. Wir unterstützen dich dabei herauszufinden, was du später machen möchtest. Dafür sind alle Informationen hilfreich, um den richtigen Beruf und einen passenden Ausbildungs- oder (dualen) Studienplatz für dich zu finden. Bei über 360 Ausbildungsberufen hat man natürlich eine riesige Auswahl, die wir in der Beratung hoffentlich bestmöglich eingrenzen können."

Und wenn die Informationen gesammelt wurden, wird dann auch ein Berufstest durchgeführt?

"Meist empfehlen wir, einfach mal einen Berufswahltest durchzuführen. Das wird auch oft gemacht. Es gibt dabei verschiedene Möglichkeiten und auch verschiedene Tests. Natürlich nutzen wir alle Möglichkeiten, die den Jugendlichen helfen, den richtigen Beruf zu finden."

Ist die Berufsberatung Pflicht?

"Nein, um Gottes Willen *lacht*. Also es besteht keine Pflicht, die Berufsberatung zu nutzen und wenn du zu einer Beratung gehst, dann ist diese natürlich auch kostenfrei. Es ist freiwillig und wenn du keine Unterstützung möchtest, ist das auch völlig in Ordnung. Nicht nur bei jüngeren Schülern ist es sinnvoll, auch mal links und rechts über den Tellerrand zu schauen. Es ist ein riesiges Feld mit unzähligen Möglichkeiten und ein wenig Unterstützung seitens der Berufsberatung kann dabei nicht schaden. Auch wir, die das beruflich machen, müssen uns ständig über Neuerungen informieren. Also empfehlen wir, eine Berufsberatung wenigstens einmal in Anspruch zu nehmen. Am Ende gehen die meisten Jugendlichen zufrieden raus und sagen 'Okay, es hat mir geholfen'. Auch, wenn du danach sagst 'Ich weiß, was ich nicht machen möchte', ist das auch ein Fortschritt! Das wird leider sehr oft unterschätzt."

Wie arbeitet ein Berufsberater?

Was macht der Berufsberater nach dem ersten Beratungsgespräch mit all den Informationen über mich?

"Zunächst nehmen wir die Infos auf und machen uns Notizen, damit wir für das nächste Gespräch gewappnet sind. Diese werden in den Folgegesprächen abgerufen und geschaut, ob diese Infos noch aktuell und passend sind. Du entwickelst dich ja immer weiter und dementsprechend auch deine Wünsche und Vorstellungen. Auch deine Hobbys, Interessen und Talente entwickeln sich, somit verändern sich dann auch die möglichen Berufswünsche."

Wie findet er oder sie die ganzen Ausbildungsstellen, die mir vorgeschlagen werden?

"Wenn wir eine ungefähre Ahnung von deinen Vorstellungen haben, schauen wir in unserer Jobbörse nach passenden Stellen. Wenn wir in der Jobbörse kein passendes Angebot haben sollten, dann nehmen wir Kontakt mit unserem Arbeitgeberservice auf.  Dabei wird bei verschiedenen Unternehmen nach passenden Ausbildungsangeboten gesucht, die wir dann aufnehmen und dir dann vorschlagen können. Wir unterstützen dich eben auch dabei, einen für dich geeigneten Ausbildungsplatz zu finden."

Also unterstützen Sie auch die Vermittlungs- und Bewerbungsphase?

"Wir sind im gesamten Prozess dabei, von Anfang an. Es beginnt in der 7. Klasse und wir begleiten dich von der Orientierungsphase über die Bewerbungsphase bis hin zur Vermittlung von Ausbildungsstellen. Und wenn du während deiner Ausbildung auch noch Unterstützung benötigst, sind wir gern weiter für dich da. Sowohl die Bewerbung als auch der Ausbildungsstart können schwierig sein. Dafür bieten wir Maßnahmen und Förderungen an, sodass wir dich zum Beispiel mit der assistierten Ausbildung während deiner Ausbildung begleiten und Hilfestellungen anbieten können. Damit möchten wir vor allem sicherstellen, dass du deine Ausbildung auch erfolgreich abschließen kannst."

Und wie laufen solche Maßnahmen dann ab? Gibt es regelmäßige Absprachen?

"Dafür gibt es spezielle, sogenannte Maßnahmeträger, die wir beauftragen. Deren Betreuer halten stets Kontakt mit dir und unterstützen dich dort, wo du sie benötigst. Dabei versuchen sie auch auf die Ursachen der eventuellen, individuellen Probleme einzugehen. Wenn es Schwierigkeiten in bestimmten Fächern geben sollte, dann wird dir Nachhilfe angeboten und wenn es andere Probleme sind dann bekommst du andere passende Unterstützung. Die Maßnahmen sind so gestaltet, dass wir dich in jeder Phase deiner Ausbildung begleiten und fördern können. Es ist wichtig zu wissen, dass du das nicht allein durchstehen muss."

Wonach wählt der Berufsberater die Ausbildungsplätze, die er mir vorschlägt?

"Die Vorschläge, die wir äußern, sind natürlich auf die individuellen Wünsche und Vorstellungen jedes Einzelnen abgestimmt. Dafür schauen wir aber auch auf die Voraussetzungen, die du mitbringst. Wenn für eine Stelle gewisse Noten oder Abschlüsse gewünscht sind, müssen diese Kriterien selbstverständlich auch weitestgehend erfüllt werden. Wenn wir ein Beratungsgespräch durchführen und die Prioritäten abklären und wissen, in diese Richtung möchtest du gehen, dann suchen wir in dem Bereich nach passenden Ausbildungs- oder (dualen) Studienangeboten.

Sollten wir dabei allerdings feststellen, dass es dabei nicht ganz passend ist, suchen wir gemeinsam in ähnlichen Bereichen nach passenden Angeboten. Hier möchte ich erwähnen, dass allein die Agentur für Arbeit Cottbus für dieses Jahr über 3.600 Ausbildungsstellen aufgenommen hat, und das ist eine Menge. Falls wir wirklich kein passendes Angebot darunter finden sollten, gehen wir, wie gesagt, mit dem Arbeitgeberservice auf die Suche nach geeigneten Stellen, bis etwas Passendes gefunden wurde."

Können mir in der gesamten Bundesrepublik Stellen vorgeschlagen werden oder nur in der Region, für die die Agentur verantwortlich ist?

"Wie du es möchtest. Wenn du nicht in der Region bleiben möchtest, und stattdessen beispielsweise die Ost- oder Nordsee bevorzugst, dann können wir natürlich auch dort nach Angeboten suchen. Wir bleiben dann, wenn das gewünscht sein sollte, deine Ansprechpartner und beraten dich gern auch für überregionale Gesuche. Es ist aber tendenziell so, dass die meisten Jugendlichen in der Region bleiben möchten. Wir haben hier in unserer Region viel zu bieten und es gibt auch, wie gesagt, jede Menge verschiedene Stellen, die zu besetzen sind und natürlich viele berufliche Perspektiven für deine Zukunft. Grundsätzlich gilt es aber dort zu suchen, wohin du möchtest."

Führt der Berufsberater auch richtige Bewerbungstrainings durch und wenn ja, wie laufen diese ab?

"Also Bewerbungstrainings sind in der Verantwortung der Schule und werden meist in Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit durchgeführt. Jede Schule hat einen festen Berufsberater als persönlichen Ansprechpartner.

BennyJob
Auf seinem Instagram-Kanal benny.job hat er bereits über 1.000 Abonnenten überzeugt.    Foto: BennyJob

Wir haben auch den YouTube-Infokanal BennyJob. Er erklärt unter anderem die wichtigsten Inhalte einer Bewerbung wirklich ansprechend und informativ. Des Weiteren gibt er Tipps zu „Wie verhalte ich mich im Vorstellungsgespräch?“ und stellt dir Berufe und Ausbildungsbetriebe auf seine Art vor. Ist sehr zu empfehlen und unterhaltsam. Ansonsten kannst du dir auch bei der Berufsberatung Tipps einholen oder du bringst den ersten Bewerbungsentwurf einfach mal mit und dann kann der Berufsberater einmal drüber schauen und dir vielleicht noch gute Tipps für Veränderungen mitgeben."

Wie wird man eigentlich Berufsberater?

Was muss man lernen bzw. studieren, um Berufsberater zu werden?

"Es gibt das duale Studium bei der Agentur für Arbeit. Und das kann auch jeder machen, der es wirklich möchte. Wir suchen jederzeit geeignete Jugendliche, die diesen Weg einschlagen wollen. Passenderweise solltest du natürlich gern mit Menschen zusammenarbeiten, weil du in den verschiedenen Bereichen mit vielen verschiedenen Personen zu tun haben wirst. Ansonsten sind die Ausbildungs- und Studienplätze jederzeit auf unserer Webseite einsehbar. Wer sich dafür interessiert, kann sich auch einfach online bei uns bewerben, oder du meldest dich, das wäre der kürzeste Weg, einfach beim zuständigen Berufsberater!"

Kann man diese Ausbildung auch bei der Agentur für Arbeit in Cottbus absolvieren?

"Du besuchst vier Monate die Hochschule der Bundesagentur (kurz: HdBA) in Schwerin -eine sehr schöne Stadt - und anschließend gehst du für die Praxisphase in den von dir

HDBA_Schwerin
Foto: Hochschule der Bundesagentur für Arbeit

gewählten Agenturstandort, wie zum Beispiel in Cottbus. Während der Theoriephase können die Studierenden in studentischen Unterkünften auf dem Campus untergebracht werden, bei denen man die eigenen vier

Wände beziehen kann.  Es gibt dabei auch Familienzimmer oder Zimmer für Menschen mit Behinderungen. Es ist zumindest eine ernsthafte Überlegung wert."

Wir danken Herrn Poppel sehr für dieses informative Interview und empfehlen euch als zukünftige Azubis oder Studis, schaut mal beim Kanal von BennyJob vorbei und schaut auch mal auf die freien Ausbildungs- oder Studienplätze der Agentur für Arbeit in eurer Nähe. Wir wünschen euch viel Erfolg in eurer Bewerbungsphase!

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text verallgemeinernd das generische Maskulinum verwendet. Diese Formulierungen umfassen gleichermaßen Personen jedes Geschlechts; alle sind damit selbstverständlich gleichberechtigt angesprochen und mitgemeint.