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Ein Tag als Schornsteinfeger

Ausbildungsbetrieb finden

Warum bringen Schornsteinfeger eigentlich Glück? Der Glaube reicht bis ins Mittelalter zurück. Damals haben die Schornsteinfeger mit ihrem Handwerk fatalen Hausbränden vorgebeugt – ein ziemliches Glück also, wenn man einen Schornsteinfeger im Haus – oder besser – auf dem Dach hatte! Das ist auch heute noch so.

Schornsteinfeger Lars Tschendel (l.) mit seiner Auszubildenden Marisa (r.) Foto: Lena Burkhardt

Dem Glück auf der Spur

Wir machen uns früh morgens auf den Weg nach Welzow, wo Schornsteinfegermeister Lars Tschendel seinen Unternehmenssitz hat. Herr Tschendel begrüßt uns herzlich und zeigt uns sein Büro, wo uns auch schon seine Auszubildende anstrahlt. Fix eine schnelle Vorstellrunde! Marisa (21), Ziehmama von zwei Eseln, trifft uns mit ihrer Art direkt ins Herz. Sie ist angehende Schornsteinfegerin im dritten Lehrjahr und sehr glücklich mit ihrem Ausbildungsberuf (woran das wohl liegt). Sie erzählt uns von ihrer Arbeit und der Berufsschule – sie ist das einzige Mädchen im Jahrgang!

Schon jetzt merken wir, dass Marisa bereits eine richtige Expertin auf ihrem Gebiet ist und das wird sie uns später auch beweisen. Es geht los! Wir fahren zu verschiedenen Kunden und Marisa zeigt uns den Arbeitsalltag eines Schornsteinfegers (m/w/d).

Foto: Lena Burkhardt

Das Handwerk im Wandel

Die Aufgabenfelder in diesem Handwerk haben sich mit der Zeit in vielen Bereichen geändert und auch erweitert. Klar, der Schornstein wird immer noch gereinigt und überprüft, aber besonders in Sachen Umweltschutz gibt es wichtige Aufgaben zu erfüllen, wie z. B. das Überprüfen der Abluftanlage, des Abgasausstoßes und das Beraten der Eigentümer, damit der Energieverlust so gering wie möglich gehalten wird. Wir merken schnell, dass Schornsteinfeger bei ihrem Besuch das ganze Haus zu sehen bekommen. Erst in den Heizungskeller die Gasheizung prüfen und Werte nehmen, dann hoch auf’s Dach und den Schornstein reinigen. Kein Job für Couchpotatoes. Marisa ist zum Glück topfit und wird es bei dieser Arbeit bestimmt auch noch sehr lange bleiben.

Haben es Frauen in dem Beruf schwerer?

Marisa ist eine echte Power-Auszubildende Foto: Lena Burkhardt

Marisa erklärt uns, dass es heutzutage absolut unproblematisch ist, als Mädchen Schornsteinfeger zu werden. Klar, es ist körperliche Arbeit, aber nichts, was Frau nicht mit dem richtigen Werkzeug hinbekommt. Die Einstellung finden wir super. Weg mit den verstaubten Vorurteilen und ran an den Schornstein! Am besten man testet sich in einem Praktikum, dann merkt man selbst, ob einem der Beruf liegt.

Wichtige Voraussetzung in dem Job: Schwindelfrei sein. Foto: Lena Burkhardt

Ein Job mit Aussicht

Es ist soweit, wir dürfen mit Marisa und Herrn Tschendel auf das erste Dach steigen. Nichts für Leute mit Höhenangst! Wir sind alle schwindelfrei und können unbesorgt die wunderbare Sicht über den Dächern genießen – ein Arbeitsplatz wie kein anderer. Ich bin schon etwas neidisch. Marisa hat so gut wie jeden Tag diese Aussicht.

Unsere Tour geht weiter. Haus für Haus prüfen wir, ob die Feuerstätten, Heizungen, etc. betriebs- und brandsicher sind und freuen uns natürlich auch immer über einen kurzen Plausch mit den Kunden. „Marisa ist ein echter Türöffner“, sagt Herr Tschendel. Die Leute freuen sich jedes Mal, wenn eine Schornsteinfegerin vor der Tür steht. Reinigen – Messen – Prüfen – Beraten und Überwachen, das sind die Hauptaufgaben, die zu erledigen sind. Ein verantwortungsvoller Beruf, der die Sicherheit und Aufklärung der Menschen und auch den Schutz der Natur gewährleisten soll. Wir ziehen unseren Hut vor allen Schornsteinfegern und können bestätigen, dass einem in diesem Handwerk alle Dachluken offen stehen.

Unser Tag als Schornsteinfeger war einer der glücklichsten Arbeitstage überhaupt. Ob es nun am häufig beschworenen Glück der Schornsteinfeger lag, oder an Marisa’s unglaublich herzlicher Art können wir gar nicht konkret sagen. Wahrscheinlich ist es das Zusammenspiel von beidem. Ich hatte jedenfalls den kompletten Tag ein breites Grinsen im Gesicht, dass mir keiner nehmen konnte.

 

Weitere Hanwerksberufe findet ihr bei der HWK.

 

 

 

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