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„Chantal, heul‘ leise!“: Lehrer werden? Auf jeden Fall!

Studium

Lange Ferien, immer früh Zuhause sein und den ganzen Tag Kaffee trinken und Schüler ärgern. Der Lehrerberuf? Auf jeden Fall entspannt! Denkt man zumindest. PLANBAR war neugierig und hat mit Marina Rockstroh gesprochen. Sie ist bereits seit 38 Jahren im Lehrerberuf tätig. In der Abiturstufe der Theodor-Fontane-Gesamtschule Cottbus begleitet sie ihre Schüler in Deutsch und Latein und bereitet sie auf ihre Abiturprüfungen vor.

Das Angebot an vielen verschiedenen Studiengängen lässt einem die Entscheidung nicht leicht fallen.  Auch für den  Beruf des Lehrers gibt es gefühlt 100 verschiedene Einstiegsmöglichkeiten. Wie Frau Rockstroh sich für den Beruf der Lehrerin entschieden hat, erklärt sie uns so:

Damals wollte ich eigentlich Soziologie studieren. Zu DDR-Zeiten war aber die Auswahl nicht all zu groß und da ich schon immer gern mit Kindern gearbeitet habe, beschloss ich Lehrerin zu werden.

Was glauben Sie macht den Lehrer-Beruf so besonders?

Man hat immer wieder neue Schüler, neue Erlebnisse und es macht einfach Spaß. Es gibt bei allem natürlich immer die guten und schlechten Seiten, aber man hat dafür täglich neue Erfahrungen. Und manchmal muss man sich einfach durchkämpfen.

Hat sich der Beruf vom Beginn Ihrer Lehrerkarriere bis heute sehr verändert? Vor allem bezogen auf die Art und Weise, wie man Wissen vermittelt, wie man mit einzelnen Schülern umgeht und wie man unterrichtet?

Ich denke, dass ein großer Teil der Grundschullehrer und Sekundarstufe-1-Lehrer (Unterstufe 7.-10. Klasse) wesentlich mehr Sonderpädagogen und Psychologen als Pädagogen sein müssen. Ich schätze, das liegt an der Struktur der Ober- und Gesamtschulen. Ich denke, dass 2/3 der Schüler einige Probleme sowohl im Elternhaus, als auch gesundheitlich oder psychisch haben und es dadurch für den Lehrer schwerer geworden ist, sich auf viele pädagogische, fachliche Dinge zu konzentrieren. Das war damals noch nicht so, denke ich.

Wird Sonderpädagogik im Grundstudium vermittelt?

Nein, eher weniger. Es gibt dafür ausgebildete Sonderpädagogen, die ein spezielles Studium absolviert haben. Man muss es sich selbst aneignen oder Kurse im Referendariat besuchen, die die sich genau darauf spezialisieren.

Der typische Lehreralltag wie Elyas M´Barek ihn im Film „Fack ju Göthe“ erlebt ist ja doch eher weniger realitätsgetreu. Wie ist denn das Arbeiten mit Ihren Schülern? So wie man sich das immer vorstellt?

Es gibt Klassen, mit denen hat man ein tolles Verhältnis und es gibt Klassen, da ist das eher nicht so. Da ist man halt der Lehrer, der vorne steht und den Unterricht bzw. sein Wissen vermittelt. Dann hängt es auch nochmal davon ab, wie lange man seine Schüler begleitet und welche Einstellung sie zur Schule haben.

Wie würden Sie den Lehrerberuf kurz und knapp beschreiben?

Es ist ein toller Beruf. (lacht)

Was ist wichtig für den Beruf und welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Heutzutage sollte man ein gewisses Selbstbewusstsein haben, eine große psychische Stärke und die Anforderungen an sich selbst, sich stets weiter zu bilden. Außerdem kommt natürlich die Liebe zum Kind dazu.

Weshalb haben Sie sich für die Oberstufe entschieden und was gibt es für Altersstufen?

Als ich mich für das Studium entschieden habe, wollte ich sowohl in die Unter-, als auch in die Oberstufe einer weiterführenden Schule. Zu DDR Zeiten waren wir Lehrer so oder so bis zur Sek2 ausgebildet und nach der Wende haben wir dafür nochmal ein Studium machen müssen. Heute kann man sich die Altersklasse, in der man unterrichten will, gleich aussuchen. Es gibt Grundschullehrer, Sek1-Lehrer oder  Sek1- und Sek2 Lehrer.

Welche Altersstufe gefällt Ihnen am besten? Sek1 oder Sek2?

Ich arbeite ja jetzt schon sehr lange in der Sek2 (Abiturstufe 11.-13. Klasse). Ich gebe allerdings auch viele Vertretungsstunden in der Sek1 also (7.-10. Klasse) und da muss ich sagen, dass die Schüler dort lebhafter sind und dadurch der Unterricht manchmal mehr Spaß macht als in der Sek2, wenn da eine träge Masse sitzt.

Heute gibt es deutlich mehr Fächer zu unterrichten als früher, aber für welche Fächer werden Lehrer gebraucht?

Tatsächlich werden Lehrer für Naturwissenschaften (Bio , Chemie, Physik und Informatik) gebraucht. Außerdem fehlen erstaunlicherweise viele Kunst- und Musiklehrer.

Problemschüler gibt es sicherlich überall. Als Lehrer braucht man auf jeden Fall ein dickes Fell. Wie gehen Sie mit Provokationen und Stichelein um?

Es ist schwierig. Junge Lehrer reagieren vielleicht schneller als ältere Lehrer, weil man mit der Zeit einfach bestimmte Dinge lernt zu überhören. Man muss schnell lernen, nicht alles persönlich zu nehmen. Und man muss lernen, ruhig zu bleiben. Erst überlegen, dann handeln.

PLANBAR liebt Tipps und Tricks. Haben Sie etwas, was Sie unseren Lesern gern mit auf den Weg geben möchten?

Nicht aufgeben und durchbeißen! Man sollte nicht nur die guten Seiten an etwas sehen. Außerdem sollte man bedenken, dass man als Lehrer ein Leben lang lernt. Man lernt nie aus.

Hand auf´s Herz.: Pro und Contra für den Beruf als Lehrers?

Pro: Der Umgang mit Menschen, mit den Kindern. Man sieht, wie sie groß werden und wie sie sich entwickeln. Und Contra kann ich jetzt so nicht sagen.

Frau Rockstroh, Klischees über Lehrer gibt es deutlich viele, aber welches mögen Sie am meisten?

Lehrer sind faul, gehen mittags nachhause und haben viele Ferien. Das ist aber gar nicht so. Die meisten Lehrer gehen nachmittags nachhause und unsere Freizeit ist auch begrenzt. Durch die vielen Korrekturen, die man besonders in der Sek2 hat. Grundschullehrer haben vielleicht weniger Stress, was das Korrigieren angeht, dafür würde ich sagen, haben sie viel mehr mit nervlichem Stress umzugehen.

 

Der Beruf des Lehrers ist vielfältiger, als er auf den ersten Blick scheint. Euch macht es nichts aus, den Unterrichtsstoff der letzten Wochen euren Klassenkameraden zu erklären? Ihr liebt die Arbeit mit Kindern und steckt schon in der Lehrerrolle als Trainer? Dann ist dieses Studium vielleicht genau das richtige für euch. Natürlich ist es hart – ganz klar. Aber mit diesem Beruf erlebt ihr sicherlich jeden Tag etwas neues, Überraschungen und was auch nicht fehlt: Spaß.