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Kein Job für schwache Nerven – der Tatortreiniger

Ausbildungsfinder

Der Tod kennt keine Gnade....

Das gilt vor allem dann, wenn Blut, Maden und ein beißender Gestank die eigenen vier Wände verschandeln. Für solch spezielle Fälle hilft nur noch die Flucht, oder besser, man ruft Christian Heistermann. Er ist Tatortreiniger und  immer dann gefragt wenn ein Menschenleben abrupt endet. Das PLANBAR-Team hat sich mit dem bekanntesten Tatortreiniger Deutschlands getroffen und ihn zu seinem blutigen Beruf befragt.

Welche Schwerpunkte gibt es in diesem Beruf – sowohl schulisch als auch praktisch?
Die Schwerpunkte in der Ausbildung liegen in der Sonderreinigung. Das betrifft vor allem die Fassaden-, Glas- und  Teppichreinigung oder Graffiti Beseitigung. Man hat die Möglichkeit, überall herein zu schnuppern. Von der Gebäudereiniger-Innung wird zusätzlich noch ab dem zweiten Lehrjahr die Fachschule angeboten. Dort wird man von der Innung nochmal überbetrieblich und ganz spezifisch, praktisch und theoretisch geschult.

Fotolia_11427360Wird man denn im Beruf sehr stark belastet?
Der Beruf hat es, von der Arbeitsbelastung her, in sich. Man sollte also körperlich fit sein. Auch sollte man sich im Klaren sein, wie stark man psychische Belastungen aushält, gerade wenn man sich für die Tatortreinigung entscheidet. Es sind keine schönen Bilder. Man sollte sich bereits im Vorfeld damit auseinander gesetzt haben. Bei mir muss man die Tatortreinigung nicht durchführen, wenn man sich bewirbt oder arbeitet. Es ist eine von mehreren Dienstleistungen, wo nur die Leute hingeschickt werden, die auch dafür in Frage kommen.

Gibt es bei dem Beruf der Reinigungskraft auch andere Tätigkeiten, die nichts mit Reinigung zu tun haben?
Die klassische Lehre heißt Glas-und Gebäudereiniger/in, die man als erstes lernen muss. Es wird heutzutage mehr oder weniger mit Gebäude-„Diensten“ in Verbindung gebracht. Man macht eine 3-jährige Ausbildung im Dualen System und kann sich dementsprechend auch den Ausbildungsbetrieb aussuchen, der die gewünschten  Schwerpunkte anbietet. Es geht nicht nur darum, den Boden zu wischen oder zu putzen, es geht natürlich um Inhalte, die „speziell“ sind. Das ist unter anderem die Tatortreinigung, welche bei mir im Betrieb als gesonderter Ausbildungspart im Rahmenplan steht.
Man hat sowohl die Möglichkeit, sich mehr in die theoretische oder, wem das mehr liegt, in die handwerkliche Richtung zu entwickeln. Die Branche braucht dringend Leute, die sich in diesem Beruf qualifizieren. Dafür reicht oft für den Einstieg schon ein einfacher Hauptschulabschluss.
Wir bilden hauptsächlich für uns aus und sind natürlich auch glücklich, wenn die Auszubildenden nach der Ausbildung bei uns bleiben.

Gab es einen besonders interessanten Fall, von dem Sie uns erzählen können?
Jeder Fall ist auf seine eigene Art besonders. Es gibt immer wieder das ein oder andere Bild, das im Gedächtnis hängen bleibt. Zum Beispiel von Tatorten, bei denen Menschen vereinsamt sind, durch übermäßigen Alkoholkonsum zugrunde gegangen oder elendig allein in einer Ecke an Drogen gestorben sind. Das sind meist Fälle, von denen keiner etwas mitkriegt. Die Leichen liegen manchmal mehrere Monate in einem Raum. Wir sehen auch unter welchen Umständen die Menschen in ihrer Wohnung gelebt haben. Ich war in der Wohnung eines Mannes, der sich in den Tod getrunken hat – überall lagen hunderte von Flaschen. Die Leiche selber hat sich nahezu aufgelöst und ist in die Matratze eingegangen. Da wird einem manchmal richtig schlecht. Ohne den Menschen einen Vorwurf zu machen, denn die meisten, denen es so ergeht, haben eine ernste Krankheit.

Kommen Ihre Azubis mit dem Gesehenen klar oder gibt es auch welche, die die Ausbildung abbrechen?
Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Azubis, welche die Ausbildung abbrechen  oder nach der Probezeit nicht übernommen werden. Das liegt auch oft daran, dass der Beruf immer wieder unterschätzt wird. Man muss relativ früh aufstehen und pünktlich sein, zuverlässig, kontinuierlich arbeiten und vor allen Dingen teamfähig sein. Das sind die Grundvoraussetzungen. Wie bei vielen anderen Berufsrichtungen sollte man sich auch beim Gebäudereiniger vorher gut überlegen, ob es das ist, was man machen will und ob man die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt.

Wie reagieren die Leute, denen Sie erzählen, dass Sie Tatortreiniger sind? Ist das eine eher ablehnende Haltung gegenüber diesen Berufes, die vorherrscht?
Das hängt ein bisschen davon ab, welchen Status man sich erarbeitet hat. Früher kam ich mir als Gebäudereiniger ziemlich schäbig vor, da ich gemerkt habe, dass der Kunde einen als Gebäudereiniger nicht unbedingt akzeptiert hat. Das liegt aber auch daran, dass die Branche durch unqualifizierte Arbeitskräfte in Mitleidenschaft gezogen wurde, was nachträglich dem Ruf geschadet hat. Erst mit der Zeit haben die Leute gemerkt, dass die Arbeit und die Leistung, die wir erbringen, nicht weniger wert sind, als andere Dienstleistungen. Mittlerweile bin ich der bekannteste Tatortreiniger Deutschlands. Dadurch eröffnen sich mir  neue Horizonte. Ich habe schon Leute kennengelernt, wie den Schauspieler Bjarne Mädel aus der Serie „Der Tatortreiniger“ oder Anna Loos am Filmset von der Verfilmung des Romans „Zeugin der Toten“ von Elisabeth Herrmann.