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Wenn das Studium zur Belastung wird

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Jonas Neubert ist der Leiter der Studienberatung der BTU Cottbus. Er berät auch Studenten, die sich im Studium überfordert fühlen. Die Ursachen hierfür können zahlreich sein.

Falsche Lern- und Arbeitstechniken, Prüfungsangst oder einfach nur die Aufgaben vor sich herschieben – Arbeitsstörungen im Studium können zahlreiche Gründe haben. „Etwa die Hälfte der Studierenden fühlt sich überlastet“, schätzt Jonas Neubert, der Leiter der Studienberatung der BTU Cottbus. Der studierte Psychologe berät Studenten, die Probleme im Studium haben. „Es handelt sich dabei vor allem um Studierende, die zu mir kommen und sagen: Ich bin sehr ineffizient“, so Neubert. Aber auch für andere psychische Probleme kann Jonas Neubert die erste Anlaufstelle sein.

Er unterteilt grob drei Hauptproblemfelder. Neben den Arbeitsstörungen kommen auch Studenten mit psychischen Erkrankungen oder Problemen aus dem privaten Umfeld, wie etwa Todesfällen oder Trennungen zu ihm. „Das geht häufig darüber hinaus, was man in einer Beratung machen kann“, so Neubert. Diese Studenten therapiert er zwar nicht – wohl bietet er ihnen aber eine Anlaufstelle und begleitet sie bis eine passende Therapie gefunden wurde.

Dabei sind es auch die Rahmenbedingungen, die die Studenten zunehmendem Stress aussetzen: „In den letzten Jahren hat es eine unglaubliche Wissensexpansion gegeben“, erklärt Neubert. Hinzu komme, dass das Studium heute viel stärker strukturiert sei. Viele kleine Inhalte werden für sich genommen bewertet. „Früher waren die Noten im Vordiplom egal“, so Neubert. Die universitäre Lehre sieht er aber nicht in der Pflicht: „In 99 Prozent der Fälle reagiert die Lehre auf die Veränderung sehr gut“, findet Neubert. Nur fehlen den Studenten zunehmend die Grundlagen. Als Beispiel nennt er Maschinenbau: Nur noch wenige Studenten seien so richtige Tüftler.

Ganz sauber trennen lassen sich die drei Problemfelder nicht: Der Zeit- und Leistungsdruck schlägt laut dem Barmer Arztreport von 2018 auch bei den psychischen Problemen zu Buche. Hinzu kommen auch finanzielle Sorgen und Zukunftsängste. Insgesamt verzeichnet der Report einen Anstieg von psychischen Problemen unter jungen Erwachsenen. Gerade auch bei Studenten, die in dieser Hinsicht bisher immer als relativ gesund galten. Jeder sechste Studierende sei von einer psychischen Diagnose betroffen. Besonders häufig sind dabei Depressionen, Angststörungen und Panikattacken.

Bei Studenten mit Arbeitsstörungen hilft es häufig, sich die Arbeitsstruktur oder das Zeitmanagement genauer anzuschauen. „Viele schieben die Arbeit wie ein Riesenpaket vor sich her“, so Neubert. Da helfe es, den Studenten Strategien zu zeigen, wie sie dieses Paket klein kriegen können. Und auch der Zeitrahmen muss realistisch eingeschätzt werden: „Eventuell ist es das Beste eine Abschlussarbeit erst mal abzumelden“, sagt Neubert. Dann ist es wichtig das Problem zu definieren und die nächsten denkbaren Schritte festzulegen.

Auch wer die falschen Lern- und Arbeitstechniken anwendet, kommt auf diese Weise weiter. „Hier sollte überlegt werden: Wann fange ich an? Ist vielleicht mein Lernverhalten Mist? Wie lerne ich eigentlich gut?“, sagt Neubert. Etwas komplexer ist das Problem Prüfungsangst. „Da gibt es drei Dinge, die man sich anschauen kann“, erklärt Neubert. Das eine sei die Vorbereitung und das Lernverhalten. Funktioniert das, kann geübt werden, wie der Student sich direkt vor den Prüfungen verhalten sollte.

Und das durchaus ganz praktische: „Wie gehe ich dahin? Wie setze ich mich hin?“, sind laut Neubert wesentliche Punkte, über die der Student sich Gedanken machen kann. Dann gibt es noch Prüfungsangst, die erst bei der Bearbeitung der Klausur zum Tragen kommt. Hier sei es wichtig Rituale zu entwickeln, die den Studenten von seiner Angst ablenken, damit er sich wieder auf die Prüfung konzentrieren kann.

 

Sophie-Marie Erxmeyer