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Weltweite Weihnacht!

Afterwork

„Last Christmas“ von Wham! dröhnt durch die Radiolautsprecher, Michael Bublés wird wieder aufgetaut und Verkäufer und Verkäuferinnen in allen Großeinkaufszentren stehen kurz vor dem Burnout: Die Vorweihnachtszeit ist im vollen Gange und lässt sich dabei von niemandem verdrängen!

Zu dieser  kann man nun stehen wie man möchte. Während der eine sich im Paradies aus Zimtgeruch,  Plätzchen und Weihnachtsschmuck  suhlt, machen andere einen großen Bogen um alles, was nur im entferntesten nach „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und Weihnachtsliedern klingt. Aber Deutschland ist ja bestimmt nicht der einzige Fleck auf der Erde, auf dem die besinnlichste Zeit des Jahres so ausgiebig zelebriert wird, oder?

 

USA

 

Wenn man die ganzen amerikanischen Weihnachtsfilme kennt, kann man sich zumindest ein ungefähres Bild davon machen, wie es zum Fest der Liebe in den Staaten zugeht. In Deutschland reichen ein paar Lichterketten und Schwibbögen meist schon als Deko, während dort das Glanz und Gloria in den Vorgärten und an den Hausfassaden kaum zu überbieten ist. Mit den Stromkosten wird dort auf jeden Fall nicht gegeizt. Das Top-Weihnachtsgericht in Deutschland sind natürlich Enten- oder Gänsebraten oder Wiener mit Kartoffelsalat. In den USA schlägt man sich allerdings (ähnlich wie an Thanksgiving) mit Truthahn die Bäuche voll. „Gobble Gobble“ sag ich da!

Last but not least natürlich noch der wichtigste Punkt: Santa Claus aka der Weihnachtsmann. Da es ja viel zu primitiv und offensichtlich wäre, am Abend durch die Tür ins Haus gelassen zu werden, rutscht Santa einfach in der Nacht zum 25. Dezember, wenn alle schlafen, durch den Kaminschacht und hinterlässt Geschenke unter dem reich geschmückten Weihnachtsbaum oder in den aufgehängten Socken. Meist gönnt er sich dabei noch Milch und Kekse die von den Kindern für ihn hinterlassen wurden. Auf Dauer bestimmt kein besonders nahrhafter Obolus. Am nächsten Morgen wird sich dann über die gebrachten Gaben hergemacht!

 

AUSTRALIEN

 

Egal ob Einkaufszentren oder Privathaushalt – Lichter blinken, Grün-Rote Girlanden hängen und die (Plastik-)Tannen werden hergerichtet. Am Abend gibt’s Truthahn zu futtern und auch hier kommt Santa in der Nacht durch den Kamin und bringt Geschenke. Also sehr ähnlich zum amerikanischen Fest. Allerdings gibt es einen ganz markanten Unterschied. Falls man das frostige Winterambiente gewöhnt ist und die Weihnachtstage in Down Under verbringen möchte, könnte man glatt einen Kulturschock erleben … oder einen Hitzeschlag. Zur Weihnachtszeit ist in Australien nämlich Hochsommer! Hier heißt es Sonne, Strand und Hitze! Am 1. Weihnachtsfeiertag wird in geselliger, familiärer Runde gefeiert. Nicht wie bei uns im Wohnzimmer oder bei einem Winterspaziergang, sondern am weißen Sandstrand oder bei einem Grillfest im Garten. Kaum steht aber der 26. Dezember vor der Tür, sind die Einkaufshallen voll! Der zweite Feiertag wird nämlich auch als „Boxing Day“ bezeichnet und dieser definiert sich durch Shoppen, Shoppen, Shoppen. Auch wenn es die besinnlichste Zeit des Jahres ist, darf der Kapitalismus natürlich nicht zu kurz kommen!

 

FRANKREICH

 

Wer braucht schon den 2. Weihnachtsfeiertag? Die Franzosen jedenfalls nicht. Gibt ja schon Heiligabend und den 25. Dezember. Diese 2 Tage werden allerdings ausreichend genossen, denn eine Sache steht besonders im Mittelpunkt: DAS FUTTERN! Hier können die Traditionen von  Haushalt zu Haushalt unterschiedlich ausfallen. Das Abendessen am Heiligabend (réveillon de Noёl) beginnt im kleinen Kreise der Familie mit einem Aperitif bestehend aus z.B. Weißwein oder Champagner mit foie gras (Gänseleberpastete)  oder geräuchertem Lachs. Danach folgen meist Austern, Muscheln und anderes Meergetier. Wie in Deutschland essen auch die Franzosen gern Geflügel als Weihnachtsmahl, aber auch Wild oder Hummer sind sehr beliebt! Natürlich darf die obligatorische Käseplatte nicht fehlen! Als Dessert kann es die verschiedensten Köstlichkeiten geben: Von „bûche de Noёl“, einem baumähnlichen Kuchen, über Fruchtpudding zu Schokoladendesserts und Eis. Und das ist allein nur das Essen für Heiligabend! Die Geschenke werden entweder noch am 24. Dezember unter den Familienmitgliedern verteilt und ausgepackt oder liegen am nächsten Tag für die Kinder bereit unter dem Christbaum. Der Weihnachtsfeiertag startet außerdem mit Brunch im Stil eines weiteren Vier- oder Fünf-Gänge-Menüs, diesmal aber im großen Kreise der Verwandtschaft. Schmecken lassen!

 

ISRAEL

 

Als Zentrum der drei Weltreligionen ist die Hauptstadt Jerusalem auf jeden Fall sehr speziell, was Weihnachten betrifft, dort wird nämlich dreimal gefeiert! Einmal am 24. Dezember, dann erneut für die orthodoxen Christen am 6. Januar und dann zum dritten Mal am 18. Januar für die armenischen Christen. Das nenne ich mal Weihnachtsstimmung auf höchstem Level! Zur Vorweihnachtszeit steht der Konsum von Süßigkeiten und Alkohol ganz oben auf dem Plan! Viele Juden nehmen sogar als Gäste bei christlichen Messen teil und lassen sich von Weihnachten verzaubern, obwohl sie es eigentlich gar nicht feiern. Auch die vielen christlichen Gemeinden besuchen sich in dieser Zeit gegenseitig und zollen den unterschiedlichen Traditionen Respekt. Ansonsten schmücken Krippenspiel, Gesang, Futterbuden und verschiedenste Veranstaltungen in Bars und Kunstbühnen zu Heiligabend das Angebot an Aktivitäten. Obwohl die Christen in Israel nur zu einer religiösen Minderheit gehören, wurde zwischen Jerusalem und Tel Aviv extra ein kleines Nadelwäldchen vom Staat gepflanzt. Da diese nicht für einen ganzen Christbaum reichen, schaffen sich die Feiernden durch Basteln und Zusammenleimen der Äste einen eigenen ganz besonderen Tannenbaum. Da ist das Baumschmücken nochmal eine ganz andere Herausforderung, wenn dieser erst einmal gebaut werden muss.

 

RUSSLAND

 

Schnee und Eis sind wahrscheinlich die ersten zwei Dinge, die einem zu Russland einfallen. Sonst eher ungemütlich, passt genau das hervorragend zur russischen Weihnacht. Besonders in der Vorweihnachtszeit machen die beeindruckenden Eisskulpturen auf den verschneiten und geschmückten öffentlichen Plätzen ordentlich was her! Will man mal Weihnachten im großen, kalten Norden verbringen, sollte man auch gleich bereit sein, auf Silvester in Deutschland zu verzichten, denn beide Ereignisse fallen hier auf ein und denselben Tag. Da der christliche Glauben zu Zeiten der Sowjetunion unterdrückt wurde, ist die Geburt von Jesus Christus auch kein Feiertag. Das heißt, am Abend des 31. Dezember genießen die Familien ein Festessen mit Pelmenti (gefüllte Teigtaschen) unter dem Weihnachtbaum und um Mitternacht gibt’s ein Feuerwerk. Auch Väterchen Frost, der in Russland „Дед Мороз“ (Ded Moroz) heißt, und seine Enkelin „Снежевиночка“ (Snegurotschka) kommen in einem Pferdeschlitten und bringen den Kindern Geschenke. Sie trägt meist ein blaues Gewand und eine Krone, er einen verzierten roten, blauen oder weißen Mantel mit Mütze. So richtig christlich wird es aber eigentlich erst am 6. Januar. Da ist dann offiziell Heiligabend und die mehrstündigen Weihnachtsmessen werden besucht, um die „Erscheinung des Herrn“ zu feiern.

 

NIGERIA

 

Für uns ein Familienfest ist, für die Nigerianer ein Dorfgemeindefest. Mit Trommeln, Flöten usw. geht es musikalisch zu. Schaurige Masken, die die Bewohner tragen, sollen böse Geister vertreiben. Als Dekoration dienen Palmblätter über den Hauseingängen, die eine nette Alternative zum Christbaum abgeben und  jedem Segen bringen soll, der hindurch schreitet. Diese werden später zur Jahreswende im Dorfzentrum verbrannt um Gottes Segen zu erhalten. Abends besuchen die Menschen mehrstündige Messen, die sehr rhythmisch von statten gehen können.  Es wird gesungen, getanzt und gebetet. Fun fact: Neben jeder Krippe befindet sich Babypuder, oder auch „Weihnachtspuder. Dieses streicht man sich ins Gesicht, um zu zeigen, dass man das Jesuskind an der Krippe besucht hat. Nach der Messe gibt es dann verschiedene Reisgerichte als Weihnachtsmahl. Natürlich grenzt sich die nigerianische Geschenkübergabe sehr stark von der in Deutschland ab, da der weihnachtliche Konsumrausch nicht vorhanden ist.  Die Eltern versuchen ihren Kleinen so gut wie möglich eine Freude zu machen, weshalb viele der Kinder, wenn überhaupt, Kleinigkeiten als Geschenke erhalten, wie z.B. ein Paar gebrauchter Schuhe und Dinge dieser Art. Und trotzdem sorgt es bei den Kindern für Freude!

 

 

Hannes F. Jetschick & Alena Warmschmidt