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Von der Schule in die Schule

Rund um's Studium

Schluss, aus, vorbei. Der allerletzte Unterrichtstag in deinem Schülerleben ist passé und wahrscheinlich bist du froh, nun deinen eigenen Weg gehen zu können. Doch so mancher Schüler hat während seiner Schulzeit Gefallen gefunden am Job des Lehrers – und möchte nun selbst einer werden. Das ist gut so, schließlich werden gerade bei uns in der Lausitz junge Lehrer händeringend gesucht!

PLANBAR im Interview mit Tobias Fischer (20), Lehramtsstudent im 4. Semester für Anglistik und Geografie an der Humboldt Universität Berlin.

  1. Was war der ausschlaggebende Punkt für dich, dass du Lehrer werden wolltest? War das schon immer dein Traumberuf?

Zu Beginn hatte ich natürlich auch die klassischen Traumberufe im Kopf. Ich wollte Pilot, Fluglotse oder auch ein Fußballstar werden. Aber mir ist dann klar geworden, dass diese Berufe nicht ganz meine Stärke sind. In der Oberstufe habe ich dann gemerkt, dass ich gern vor anderen spreche und dass mir der Ablauf der Unterrichtsstunden sehr viel Spaß gemacht hat. Auch im Zuge der Abiturvorbereitungen ist mir mein Berufswunsch klar geworden. Ich habe Lerngruppen organisiert, um meine Mitschüler auf das Abitur vorzubereiten. Und da dachte ich: „Hey, da gibt’s doch einen Job, wo man diese Stärke einsetzten kann.“

  1. Welche Unterrichtsfächer studierst du? Was für ein Lehrer wirst du?

Ich werde auf jeden Fall ein cooler Lehrer. Ich studiere Anglistik und Geografie.

  1. Musst du auch noch andere Nebenfächer belegen? Wie ist das Studium aufgebaut?

Man studiert zuallererst mit den Leuten, die auch die Hauptfächer belegt haben.  Bei Anglistik habe ich gemerkt, dass es sehr wissenschaftlich geprägt ist, vor allem durch die Sprach- und Literaturwissenschaft. Ich studiere auch noch Erziehungswissenschaften. Ein Modul darin heißt zum Beispiel „Grundfragen von Bildung.“ Da lernt man den historischen Hintergrund der heutigen Bildungslandschaft besser kennen.  Außerdem belegt man Deutsch als Zweitsprache. Dabei bekommt man ein Gefühl, wie es für Menschen ist, die Deutsch nicht als Muttersprache lernen. Das Gute ist, dass ich zusätzlich Module belegen kann, die meinen eigenen Interessen entsprechen. Da habe ich mich jetzt für Sportmedizin entschieden.

  1. Welche Voraussetzungen braucht man, um ein guter Lehrer zu werden?

Wichtig ist, dass man sich für das Fach begeistern kann, weil man es sonst schon im Studium sehr schwer hat. Man hört ja oft diesen abgedroschenen Ausdruck, „Wenn es mir selber schon keinen Spaß macht und ich nicht weiß, warum Schüler sowas lernen sollten, wie soll ich es dann später 30 Schülern, die 7 Fächer pro Tag haben und vielleicht in der 6. Schulstunde bei 30 Grad in der Schule schwitzen beibringen und ihnen vermitteln, dass es eine gute Sache ist?“. Man muss dahinter stehen und dies auch den Schülern vermitteln können. Persönliche Fähigkeiten spielen natürlich auch eine Rolle - man sollte keine Scheu haben auf andere zuzugehen. Man muss natürlich auch gut erklären können. Ein Tipp von mir: Gebt euren Freunden Nachhilfestunden oder gründet eine Lerngruppe. Wenn man dann schon merkt, dass man Wissen gut vermitteln kann, ist das sicherlich schon mal eine gute Voraussetzung. Ich durfte bei meinem Geografie-Lehrer in der Schule mal eine Stunde unterrichten, da habe ich dann gemerkt: Es macht mir Spaß! Und das war auch eine Bestätigung für mich selbst.

  1. Gab es in der Schule einen Lehrer, der dich besonders beeindruckt hat oder bei dem der Unterricht besonders viel Spaß gemacht hat?

Ich war am Theodor-Fontane-Gymnasium in Straußberg, ich denke, das war eine ziemlich gute Schule. Ich hatte auch wirklich viele gute Lehrer. Am meisten hat mich mein Geografie-Lehrer geprägt, der auch mein Mathe-Lehrer war. Er war extrem unterhaltsam und dadurch hat er es geschafft, dass jeder aufmerksam im Unterricht war. Er war fachlich sehr kompetent und konnte sein Wissen sehr gut vermitteln. Und er hatte auch eine sehr lockere Art und es ist niemand im Unterricht eingeschlafen. Man ist gern in seinen Unterricht gegangen und ich habe mich auf seinen Unterricht gefreut. Im Abitur mochte ich meine Englisch-Lehrerin eigentlich nicht so sehr, aber mir ist im Studium aufgefallen, wie unsagbar viel wir bei ihr gelernt haben. Sie war jede Stunde wirklich sehr gut vorbereitet und auch sehr energisch. Sie war eine Vertreterin der alten Schule und hat uns nicht viel Freiraum gelassen, aber im Nachhinein habe ich gemerkt, dass mir das sehr viel gebracht hat.

  1. Spielen die Schulnoten für die Bewerbung an der Uni eine Rolle? Gibt es einen Numerus Clausus?

Das ist von Fach zu Fach verschieden. Die naturwissenschaftlichen Fächer haben nicht so einen hohen NC, da es nicht so viele Bewerber gibt. Es gibt auch Fächer, die zulassungsfrei sind, aber beliebte Fächer, auch Sport, haben einen relativ hohen NC. Manchmal muss man auch Eignungsprüfungen ablegen. Für Englisch benötigt man entweder ein Sprachzertifikat oder eine bestimmte Note im Leistungskurs.

  1. Du hast während deines Studiums schon ein 4-wöchiges Praktikum an einer Lina-Morgenstern-Gemeinschaftsschule in Kreuzberg absolviert. Wurden deine Erwartungen erfüllt oder hast du dir diese Zeit ganz anders vorgestellt?

Ich habe mir diese Schule bewusst ausgesucht, da diese Schule einen anderen Hintergrund als meine eigene Schule hat. Der Migrantenanteil an dieser Schule liegt bei weit über 90 Prozent. Das wollte ich mir anschauen. Wenn ich gemerkt hätte, dass das absolut nichts für mich wäre, hätte ich mich vielleicht noch für einen anderen Studiengang entschieden. Aber mir hat es sehr gut dort gefallen. Es war oft sehr laut in den Klassen und die Schüler können sich größtenteils nur schlecht konzentrieren und sind manchmal auch recht grob zueinander. Aber mir ist aufgefallen, dass die Kinder immer sehr ehrlich zueinander waren und wenn man sich mit ihnen beschäftigt und auch individuell auf sie eingeht, sind sie sehr offen und sehr herzlich. Ich hatte das Gefühl, dass von den Kindern sehr viel zurück kam und mir hat die Arbeit sehr viel Spaß gemacht. Ich durfte auch schon selber Unterricht geben, obwohl es innerhalb des Praktikums nicht vorgesehen war. Hier wieder ein Tipp: Bittet darum, dass ihr bei Praktika auch selber Stunden geben dürft, denn es bringt unglaublich viel. Je mehr Unterrichtsstunden, desto besser.

  1. Welche Tipps und Erfahrungswerte kannst du zukünftigen Lehrern noch geben?

Man sollte versuchen, nie die Motivation zu verlieren. Man sollte sich auf die Veranstaltungen konzentrieren, die später auch wirklich wichtig sind. Also Dinge wie Praktika oder ähnliches. Nebenbei kann man auch Projekte leiten. Ich zum Beispiel habe Nachhilfe gegeben. Dabei bekommt man ein Gefühl für die Praxis und merkt, wie die Kinder so ticken. Denn wenn man sich nur auf die Theorie beruft, entfernt man sich von der Art und Weise, wie Schüler denken.

  1. Wenn du dich mit 4 Halbsätzen beschreiben müsstest, was für ein Lehrer wirst du später?

Kooperativ, offenes Ohr für die Schüler, humorvoll, abwechslungsreicher Unterricht.

 

Ein Lehramtsstudium will gut überlegt sein, denn es ist nicht mal eben getan. In der Regel studiert man sechs Semester für den Bachelor und zusätzlich vier Semester im Master. Anschließend steht ein ein- bis zweijähriges Referendariat (Praxiszeit an einer Schule) auf dem Plan. Zum Schuljahr 2015/2016 stellt das Land Brandenburg übrigens rund 800 neue Lehrer ein.