Navigation öffnen

Momente die ein Dorfkind kennt und liebt.

Blog

4 Jahre sind vergangen, seitdem ich meinem kleinen nahezu winzigen Heimatort in der Märkischen Heide den Rücken gekehrt habe und nach Cottbus zog. Immer wollte ich weg in die große Welt nach Kanada auf einer Pferderanch arbeiten oder in Neuseeland Kiwis pflücken.

 

Naja so ganz geklappt hat das nicht, denn jetzt sitze ich immer noch in Cottbus habe nix davon gemacht. Obwohl ich mir das immer so fest vorgenommen habe. Ich bin glücklich, denn ich bin in der Nähe meines Heimatortes und kann so oft und so viel ich will dorthin fahren. 

Trotz der anfänglichen Freude über gute Öffentliche Verkehrsmittel, Partys ohne weite Wege und das  „relative Unbekannt“ sein in der Stadt, trauere ich immer wieder meiner alten Heimat nach und bin zu jedem Fest zu Hause um mit Familie und Bekannten zu feiern. Denn nix ist besser als ein gutes Dorffest.

Besonders bewusst, werden mir meine „dörfischen“ Wurzeln, wenn ich mit Freunden unterwegs bin, die Ihr Leben lang in der Stadt gewohnt haben.  Viele Problematiken, Erlebnisse und Freuden meiner Kindheit und Jugend verstehen sie nicht.

Aber ich hab für euch ein paar Dinge die echte Dorfkinder bestimmt kennen:

In der Dorfkneipe hast Du das Bier für nen Euro nicht bezahlt. Du hast anschreiben lassen. Der Kneiper ist ein guter Bekannter und weiß, dass du am nächsten Tag sowieso kommst und es bezahlst. In der Stadt musst du sofort die 4,80 Euro für dein Bier bezahlen. Lächerlich!

Wenn du im Winter anstatt auf einem Schlitten auf einem Traktorreifen den Berg runter gerodelt bist.  Oder dein Onkel euch eine riesige Metallwanne baut in der 12 Mann Platz haben - der Spaß ist vorprogrammiert.

Wenn dein Dorf aus allen möglichen Ereignissen ein Fest macht. Ob es das jährliche Glühweinfest am Rodelberg ist (ob mit Schnee oder ohne) oder aber weil jemand einen Teich gebaut hat und man Ihn gebührend einweihen muss. Egal was es ist, man findet immer einen Grund zu feiern.

Wenn ein fremdes Auto das Dorf fuhr, fragte Deine Mutter: „Wer war denn das? Denn so viele Autos kommen hier nicht. Ehrlich ich habe als Kind oft genug die vorbeifahren Autos gezählt, wenn aber nur 1 Auto pro Stunde kommt ist das echt langweilig.

Nach der Bundestagswahl wusstest Du genau, wer wen gewählt hat. Und nicht nur weil du freiwillig im Wahlbüro „geholfen“ hast.

Wenn der Busfahrer dich vor der Haustür abholt oder wartet weil du eh immer mindestens 2 Minuten zu spät bist. Danke Manni, du hast ne Medaille verdient.

Wenn man jeden schon am Auto erkennt, denn jeder kennt jeden und das meine ich wirklich ERNST.

Wenn die Freunde der Eltern für dich Tante und Onkel sind und du sie auch weiterhin so nennst, weil du es nicht anders kennst.

Wenn der Bauer dich vom Feld scheucht,  weil du wieder ein paar Sonnenblumen klaust. Ich wollte die doch eigentlich nur für Mutti pflücken, denn in der nächsten Stadt sind sie halt nicht so schön.

Wenn das Sonnenblumen klauen nicht klappt, dann werden die Geburtstagsträuße im Vorgarten gepflückt und Mama ist trotzdem stolz,  dass du Ihren Geburtstag nicht zwischen Feuerwehr, Jugendclub und Moped fahren vergessen hast.

Wenn du am Zaun stehst und ein Bierchen mit dem Nachbarn trinkst und ihr den neusten Tratsch und Klatsch austauscht. Man muss ja auf dem neusten Stand bleiben auch wenn man nicht mehr Zuhause wohnt. Das Dorfleben kann ja so aufregend sein.

Wenn du nur mal schnell etwas Mehl vom Nachbarn holst und daraus eine 3 stündige Diskussion über den Vor und Nachteil eines Rasenroboters wird.

Wenn jeder im Dorf schon früh um 9 weiß,  was du letzte Nacht gemacht hast, du aber noch im Bett liegst und seelenruhig schläfst und du wegen des viel zu langen Abends sowieso nicht mehr weißt was passiert ist.

Schon früh hast du dich mit tiefgründigen Problematiken beschäftigt  - wie,  den kulturellen Unterschieden zwischen Ober- und Unterdörflern.

Wer sind hier wohl die größeren Trinker?

Wenn du dich freust, dass einer von 3 Bussen am Tag pünktlich kommt und die Verkehrsgesellschaft überlegt auch am Samstag einen Bus fahren zu lassen.

Deine Freunde in der Stadt finden es dagegen merkwürdig, dass der nächste Mc Donalds 40 km entfernt ist, das es keinen Supermarkt gibt und das auch keine Busse am Wochenende fahren. Tja was soll man sagen: Freitag ab 1 macht jeder seins. Auch der Busfahrer.

Wenn die Bürgersteige um 18 Uhr hochgeklappt werden und du dein Leben in Ruhe genießen kannst.

Wenn es nicht unangenehm ist mit deinen Eltern auf der gleichen Party zu tanzen, weil das Alter auf dem Dorf eh niemanden interessiert und deine Eltern eigentlich auch ganz cool sein können.

 

Und und und ….

Es gibt noch so viele weitere Dinge die das Leben auf dem Dorf besonders machen. Ich liebe es und bleibe immer ein Dorfkind, auch wenn der Hahn der Nachbarn mich manchmal schon ein wenig aufregt könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als auf dem Dorf zu leben.

 

Geht es dir genauso? Oder bist du eher ein Stadtmensch?

Findet es selbst raus und schaut mal hier vorbei! Da wird das Stadtkind-Klischee ganz gut beschrieben.

 

Foto: Sarah Krannich