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Andrang beim ausverkauften M’era Luna

Afterwork

Mit ausverkauften Karten und 25.000 Besuchern ist am Wochenende das M'era Luna, Europas größtes Gothic-Festival, zu Ende gegangen. Zahlreiche Live-Acts und nahezu regenfreies Wetter versüßten den weit und weniger weit Gereisten das Wochenende.

Bereits um 13.00 Uhr stand eine meterlange Schlange vor der Bändchenausgabe mit dem einem Ziel: Den besten Platz für's Zelt zu erhaschen. Mit Sack und Pack steuerten die ersten Besucher ihre auserwählte Grünfläche an, um ihre Zelte in teilweise Einfamilienhausgröße aufzuschlagen. Dabei wurde natürlich mit etwas Gerstensaft oder Met auf das bevorstehende Festival angestoßen. Während den ganzen Tag immer mehr Leute anreisten pilgerten die übrigen Besucher zu den am Freitagabend stattfindenden Lesungen u.a. von Markus Heitz und Christian von Aster. Im neu gebauten "Literatur-Hangar", wie ihn Markus Heitz auf seiner Facebook-Seite nannte, waren die Sitzplätze schnell vergeben. So standen nur noch Stehplätze zur Verfügung, die bis zum Ausgang der Halle reichten. Nach den Lesungen beantworteten die Autoren geduldig Fragen, gaben Autogramme und machten ein paar Fotos mit den Fans. Wer sich mit Musik, Tanz und gute Laune auf das Wochenende einstimmen wollte, kehrte schließlich im Disko-Hangar ein oder schlenderte über den Mittelaltermarkt, auf dem Gaukler und Spielleutebis tief in die Nacht hinein die Festivalbesucher unterhielten.

Der Samstag wurde traditionell von den Gewinnern des Newcomer-Bandwettbewerb-Gewinners eröffnet. In diesem Jahr entschied sich die Mehrheit der Votenden für die Opera-Metal-Band "molllust". Die 2010 gegründete Formation konnte auch auf der Bühne überzeugen. Janikas opernhafter Gesang verband sich gut mit den modernen und klassischen Instrumenten ihrer Bandkollegen. Vor allem ihe virtuoses Klavierspiel und beeindruckende Gestik sowie Mimik waren im Einklang mit den zum Teil dramatischen Klängen. Generell klingt kein Lied wie das andere: Die Stücke von molllust dürfen gern ihre Stimmung wechseln, von anfangs ruhig bis hin zu schnell und kraftvoll. Somit sind alle Zuhörer auf ihre Kosten gekommen.

Mit "Lord of the Lost" füllte sich das Feld ein ganzes Stück auf. Laut Sänger Chris Harms, der "sprachlos" von der mitreißenden Menge war, waren an einem Samstag Vormittag noch nie so viele Besucher an der Mainstage zugegen. Kein Wunder, denn die Hamburger haben sich bei den vielen Festivals und Konzerten in der letzten Zeit einen Namen gemacht. So rockten die Massen ordentlich zu Songs wie "Black Lolita" oder "Die Tomorrow" ab.

Mit Saltatio Mortis füllte sich das Feld dann nochmal ein ganzes Stück mehr. Zum ersten Mal präsentierten sie ihr neues Stück "Wachstum über alles", dass zwar etwas gewagt sein mag aber auf jeden Fall unter die Haut ging. Schließlich machten Saltatio Mortis mit zahlreichen Facebook-Bekanntmachungen darauf aufmerksam, sodass ein Jeder sofort mitsingen konnte. Sänger Alea lies es sich auch nicht nehmen, sich von der Menge über's Feld tragen zu lassen. Als Special Guest kam schließlich auch noch Mono Inc. Sänger Martin Engler auf die Bühne und performte zusammen mit Saltatio Mortis "Spielmannsschwur". Auch Mono Inc. holten sich später bei ihrem eigenen Auftritt Verstärkung auf die Bühne: Neue deutsche Härte Legende Joachim Witt. Aus ihrem neuen Album "Nimmermehr" spielten sie gemeinsam "Kein Weg zu weit". Während des Auftritts von Mono Inc. auf der Mainstage gab es im Hangar die Modenschau von Lucardis Feist zu sehen. Wunderschöne, ausgefallene und extravagante Roben, Corsagen, Lack und Leder wurden hier von den Models vorgeführt. Sogar einige Bands wie Blutengel und Saltatio Mortis ließen sich von der Designerin ausstatten.

Doch die hartnäckigsten Fans standen wohl für den Headliner des Abends den ganzen Nachmittag vor der Bühne, nur um nach Jahren des endlosen Wartens eine Band zu sehen: HIM. Die 5 Finnen um Frontmann Ville Valo sind seit diesem Jahr mit neuem Album namens "Tears on Tape" im Gepäck auf Tour und machten auf dem M'era Luna einen Zwischenstopp. Deutlich gesünder und mit glasklarer Stimme spielten die Jungs Lieder des neuen Albums wie "All Lips Go Blue" oder "Hearts at War" aber auch ältere Klassiker wie "It's all Tears" oder "Soul on Fire". Egal, ob neue oder alte Lieder, die Fans sangen lautstark und textsicher mit. Leider verließen sie die Bühne so schnell wie sie gekommen waren, ohne eine Zugabe zu geben, was den ein oder anderen Fan sicher etwas traurig stimmte. Im Allgemeinen stand der Samstag im Stern der Werbung für neue Alben. Nahezu jede Band, die am Samstag auftrat konnte voller Stolz vom Erscheinen eines neuen Albums sprechen, sodass jeder Festivalbesucher schon mit einem Schmunzeln auf die Ankündigung reagierte. Auch die Wetterfee war gnädig und lies vom großen Regen ab, sodass alle Konzerte reibungslos ablaufen konnten.

Wer am Sonntagmorgen schon wieder fit war, ließ sich die musikalische Lesung von ASP und Kai Meyer nicht entgehen. Kurz vorher eröffneten "Schwarzer Engel" die Mainstage. Die Herren Coppelius ließen es sich nicht nehmen am frühen Morgen schon ihren Absinth von Diener Bastille und "Mädchen für Alles" Mosh Terpin reichen zu lassen und Geldscheine in Brand zu stecken. Na, ob das nicht noch die Nachwehen der nächtlichen Feiereien waren? Warum sonst hätte Max Copella wohl "Locked Out" gesungen? Kein Wunder, dass Bastille außer Rand und Band war als er sein güldenes Haar in der Luft umher wirbelte. Die Herren konnten mit ihrer Darbietung nicht nur eingefleischte Fanatiker, sondern auch Neulinge überzeugen. So auch Holger aus Senftenberg zu "Bitten, Danken, Petitieren": "Die Musik ist wirklich super und die Texte regen zum Weiterdenken an. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich wollte mir Coppelius schon oft live ansehen und heute hat es endlich einmal geklappt".

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