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Meine große Liebe. Bücher.

Afterwork

Bücher sind das Tor zu einer anderen Welt. Unsere PLANBAR-Redakteurin Sarah weiß das am aller besten. Sie erzählt euch von ihrer Bücher-Sammel-Sucht.

Meine Liebe zu Büchern ist unerklärlich und für viele unverständlich, besonders für meine Familie.

Ich lese nie das, was auf der Bestseller-Liste steht und auch weltberühmte Literatur fand nie wirklich einen Platz in meinem Herzen. Auch lass ich mir von niemanden auf der Welt Bücher empfehlen, sondern gehe auf die stundenlange Suche in der Buchhandlung nach diesem einem Buch, was ich unbedingt brauche, aber gar nicht kenne, aber ich weiß es ist da und ich werde es finden. Ja, es ist komisch, aber so bin ich nun mal.

Mittlerweile haben es zumindest sehr berühmte Bücher auch zu mir geschafft. Mit stolzen 19 Jahren entdeckte ich Harry Potter für mich und liebe es seitdem wie kaum ein anderes Werk und auch Jane Austen ist mittlerweile fester Bestandteil meines Bücherregals. Doch die Liebe zu Büchern reicht nicht aus, ich sammle sie exzessiv und ich kaufe mir lieber ein Buch als den neuesten Pullover. Ob ich sie lese sei mal dahingestellt, aber ich habe sie und das zählt. Ein Gang vorbei an einer Buchhandlung ist so gut wie unmöglich. Daher bin ich meist alleine in der Stadt, um in Ruhe von Buchhandlung zu Buchhandlung zu gehen, denn jeder andere wäre genervt davon und den Stress kann ich nicht ab, wenn jemand nervös hinter mir herumtigert, bis ich endlich nach 2 Stunden dieses eine Buch gefunden habe, was ich dann innerhalb von einem Tag lese, um dann enttäuscht am nächsten Tag wieder in die Buchhandlung zu gehen und mir ein neues Buch zu kaufen. Ja, ich bin eindeutig süchtig.

 

Es ist schon so weit, dass ich an 3 Orten im Umkreis von 50 km meine geliebten Bücher lagern muss. Ob es meine Märchenbücher aus Kindheitstagen sind, die in meinem alten Kinderzimmer verstauben oder die vielen Sachbücher zum Thema „Reiten“, die sich über so viele Jahre angesammelt haben. Überall sind sie verteilt.  Und wenn meine Familie fragt, ob sie mal welche aussortieren können, rutscht mir das Herz in die Hose. Meine Bücher fasst keiner an! Sie bleiben, wo sie sind, bis ich den nötigen Raum für sie habe.

Man könnte sagen: ich habe Bibliomanie, die Sucht Bücher zu sammeln. Mir geht es aber einfach nur darum, kein Buch digital auf irgendeinem Tablet zu haben und zu vergessen, sondern sie jeden Tag zu sehen und unabhängig von Ladezeiten meines ebook-Readers sie nehmen zu können und zu lesen. Trotzdem hege ich den Traum meiner kleinen aber feinen Privatbibiliothek, wenn ich älter bin. In einem kleinen Raum bis zur Decke in Regalen aller Art gestellt. In einer Ecke ein dunkelgrüner Ohrensessel, daneben eine wunderschöne aus holzgefertigte Stehlampe.  Mittlerweile bin ich schließlich auch bei stolzen über 300 Büchern angekommen, die mir gehören, obwohl ich erst seit 4 Jahren wirklich Bücher kaufe und nicht nur wenn ich mal zum Geburtstag einen Gutschein bekommen habe für den kleinen Bücherladen in Lübben. Davor war ich immer in Bibliotheken. Das erschreckende an den 300 Büchern ist jedoch, dass ich grob geschätzt nur 10 nicht gelesen habe und das sind die, die in der Buchhandlung als Mängelexemplare verkauft wurden und ich meiner Sucht nicht widerstehen konnte. Diese Bücher, die man wirklich nicht braucht, wo man schon beim Auflegen seiner EC-Karte weiß, dass sie einen nicht interessieren werden und das man sie nie lesen wird.

 

Viele Bücher haben gelitten, wurden in der Schultasche von a nach b geschleppt, geliebt und gelesen, haben Tränen und Leid abbekommen und viele haben mich zum Nachdenken angeregt. Manche sind leichte Lektüre, andere wiederum hochkomplizierte Wirtschaftsbücher.

Viele Bücher begleiten mich seit Jahren, wie zum Beispiel das Märchenbuch meiner Mama von 1975, welches einen alten braunen Lederumschlag besitzt und die Seiten schon so vergilbt sind, dass man manch eine Geschichte nicht mehr richtig lesen kann. Andere sind gerade erst eingezogen und auch meinen Freund konnte ich mit der Leselust, zumindest ein bisschen anstecken, obwohl er immer noch von meinen gehorteten Büchern genervt ist. Lesen ist kostbar und nicht jeder findet einen Weg in diese ganz andere Welt voller Buchstabenberge, die auf einen hinab fallen, wenn man erstmal ein Buch gefunden hat, welches einem gefällt. Und die Sucht schleicht sich von hinten an. Fesselt einen bis man nachts um 3 Uhr immer noch im Bett liest und nicht aufhören kann. Die Decke über den Kopf gezogen, kaum Luft zum Atmen, mit wenig Licht aber mit dem Herzen dabei.

 

Diese Liebe erlischt hin und wieder, aber irgendwann schafft es ein einziges Buch einen wieder zu motivieren und man kann nicht mehr aufhören. Auch bei mir war das so. Die Besuche in der Bibliothek wurden weniger. Der Gang in die Buchhandlung nicht mehr zum wöchentlichen TO DO, sondern eine Seltenheit. Aber irgendwann kommt die Neugierde zurück, auch so bei mir.

 

Ich habe jahrelang kein Buch wirklich zu Ende gelesen, die Schule hat es mir schwer gemacht mich zwischen Goethe, Fontane und Juli Zeh selber hinzusetzen, um ein gutes Buch zu lesen, welches mein Interesse weckt. Die Romane, die Wirtschaftsbücher und die Reiseberichte, die mich ohne großen Aufwand nach Island, Kanada oder Schweden bringen. Seitdem ich mich aber regelmäßig in Leipzig aufhalte, sieht das anders aus. Ich liebe es dort in die verschiedenen Buchhandlungen zu gehen. Zu schauen, wie sie aufgebaut sind, um dann in die nächste zu schlendern. Von der kleinen Buchhandlung der Familie… bis hin zu deutschlandweiten Buchhandelsketten, alles findet man und das was man sucht, findet man auch. Ich liebe es.

 

Buchhandlungen haben für mich etwas Magisches. Wenn man sie betritt wird man ruhiger. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz leise zu sein und mit einer Gelassenheit durch die Gänge zu schlendern. Hier und da ein Buch den Rücken zu zudrehen, um ein anderes zu finden. Ich könnte Stunden damit zubringen, dort rumzulaufen und zu entdecken. Am liebsten bin ich alleine und hoffe, dass mich ja keiner stört, wenn ich versunken bin zwischen abertausenden Büchern, die so wundervoll angeordnet sind, die darauf warten in ein neues zuhause zu ziehen. Ja ich klinge verrückt, aber ich meine es ernst: ich liebe Bücher.