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Aus Medizinstudent werde Musikproduzent! – Lewins Karriereplan B

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Ein 1,0-er Abi machen, zu Hause ausziehen, Medizin studieren und Arzt werden. So ungefähr sieht oft der Schlachtplan der Jahrgangsbesten aus, für die meist schon früh feststeht, dass Doktor werden mit dem sehr guten Abitur einhergeht.
Für den 20-jährigen Lewin Weber-Karpinski gestaltete sich dieser Plan jedoch etwas anders, als anfangs erhofft. Wie er von der Medizin zur Musikproduktion gelangt, erklärte er PLANBAR in einem Interview.

Alles perfekt!

Lewin stammt selbst aus einem Ärzte-Elternhaus, liebt Sport und ist leidenschaftlicher Musiker. Im Juli 2018 schaffte auch er sein Abitur mit einem Schnitt von 1,0 und zog kurz danach in die Dresdner Neustadt. Seinem Studienplatz stand also eigentlich nichts mehr im Weg.

„Mein Plan war es eigentlich an der TU Dresden Medizin zu studieren, wahrscheinlich nebenbei zu arbeiten und die Musik weiterhin als Hobby zu erhalten. […] Als ich im Sommer nach dem Abitur auch Pflegepraktika im Krankenhaus gemacht habe, die auch Voraussetzung für das Studium sind, habe ich zwei Dinge festgestellt: Zum einem war ich dem Krankenhaus als Arbeitsort an sich eher abgeneigt, zum anderen fand ich die Praxis des Arztberufs danach aber sehr ansprechend. […] Natürlich haben mich Naturwissenschaften auch schon immer interessiert und dazu hab ich natürlich viel aus dem Elternhaus mitgekriegt.“

Eine bittere Pille

Trotz der besten Voraussetzungen für den Studiengang ging der Wunsch nicht in Erfüllung. Warum und welche Alternative er fand, erklärt uns der junge Dresdner:

„Es gibt ja eine Bestenquote, über die man sich bewerben kann, wobei ich mit meinem Schnitt leider auf Platz 42 von 40 war. Ich bin also nicht reingekommen, trotz des guten Abiturs und musste damit zum Auswahlverfahren der Universität selbst. Das ist wie eine Art Ranking, über das circa 60 % der Leute in das Medizinstudium gelangen. Die Abiturnote macht den Großteil aus […], dann geht ein kleiner Teil darüber, wie viel Notenpunkte man in den Naturwissenschaften hat und natürlich hängt vom Test, den man dort macht, auch nochmal viel ab. Dort wird man unter Belastung gesetzt, muss einen Vortrag ausarbeiten und kriegt naturwissenschaftliche Fragen gestellt, vor allem über Dinge, die man eigentlich kaum wissen kann. Im Prinzip wird einfach geschaut, wie du mit der Situation umgehst und wie du dich unter Druck verhältst. Ich hatte eigentlich ein sehr gutes Gefühl bei dem Test und hatte auch durch den Teil, den die Noten ausmachen, einen ziemlich guten Vorsprung. Aber scheinbar bin ich, wie auch immer das passieren konnte, aus heiterem Himmel auf Platz 61 von 60 gelandet.
Als ich also da saß, arbeitslos und ohne Krankenversicherung, wurde mir klar: Wenn ich schon nicht Arzt werden kann, dann wenigstens berühmt!“

sagt er witzelnd und ich muss lachen.

Ran an die Bouletten!

„Ich hab dann eben probiert Fuß zu fassen, da ich nicht auf Kosten meiner Eltern leben wollte, und habe ein paar Läden angeschrieben, bei denen ich als Verkäufer arbeiten wollte. Die haben leider nur 450 €- Jobber gesucht. Nach drei Wochen hat sich dann aber das „Hans im Glück“ in Dresden meiner erbarmt und mich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, was ungefähr … vier Minuten gedauert hat.“

Dabei schmunzelt er.

„Somit bekam ich den Job und konnte dann dort als Servicekraft arbeiten.“

Was sagen die Elterntiere?

Wenn der Karriereplan nicht so läuft, wie gedacht, wird es natürlich immer schwierig. Vor allem Verständnis bei den Eltern zu erwecken, erweist sich für den einen oder anderen als knifflige Herausforderung. Lewins Eltern reagieren jedoch mit Verständnis.

„Meine Eltern waren natürlich auch völlig entgeistert und wollten da alle Mittel und Wege in Betracht ziehen, dass ich noch irgendwie in das Medizin-Studium reinkomme, aber ich habe ihnen gesagt, dass es mir so nicht recht wäre und wollte dann lieber das Jahr überbrücken.[…]Die Wohnung etc. hatten Sie mir im ersten Monat auch finanziert, aber das hatte ich Ihnen schrittweise auch bis März freiwillig wieder zurückgezahlt.“

Vom Krankenhaus in ein Burger-Restaurant. So soll es für Lewin natürlich nicht bleiben. Doch wie geht es weiter?

Karriere-Plan B

„Ich hatte vorher schon überlegt gehabt, ob ich mich für den musikalischen Weg oder für den der Medizin entscheiden sollte und hatte natürlich erstmal die „sichere“ Variante gewählt. Als das nicht geklappt hat, ich viel Zeit zum Nachdenken hatte und ich auch die Erfahrung machen durfte, wie es ist, wenn man arbeitslos ist, keinerlei Anhaltspunkte hat, in einer neuen Stadt wohnt und es dann trotzdem über die Runden schafft, habe ich mich dann doch für den künstlerischen Weg entschieden. Ich wusste, dass es irgendwie klappen wird und klappen muss oder kann"

erzählt er mir in einem selbstbewussten Ton.

„Zudem bestand auch gerade eine Zusammenarbeit in der Musik mit ein, zwei anderen Künstlern.“

Auch zusammen mit einem Freund produziert er elektronische Musik unter dem Namen „Marlew&Wine“, womit der Entschluss für den Bachelor of Arts zum Musikproduzenten sich festigt. Am 1. Oktober 2019 soll es an einer Dresdner Privat-Uni endlich losgehen.

„Noch hat das Studium ja nicht begonnen, aber ich bin froh über die Entscheidung, da ich gerade im letzten halben Jahr wahnsinnig viel Produktionstechniken gelernt habe und mit neuen Künstlern zusammengearbeitet habe, die mir da wirklich viel Input gegeben haben. Das hat mich einfach nochmal bekräftigt, diesen Weg zu verfolgen und mich sehen lassen, dass meine Ideen vielleicht wirklich Früchte tragen könnten, wenn ich in der Praxis noch mehr erlernen und neue Möglichkeiten bekommen könnte.“


Wir hoffen natürlich, dass Lewins Traum zum Musikproduzenten in Erfüllung geht und wünschen Ihm viel Erfolg. Er weiß jetzt, dass der Weg das Ziel sein kann, auch wenn dieser manchmal mit Kurven, Umwegen und auch Schluchten bestückt ist. Auch wenn er es nicht ins Medizinstudium geschafft hat, weiß er trotzdem, wo die Musik spielt.