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Der wahrscheinlich knuddeligste Job der Lausitz

Ausbildungsfinder

Die Sonne scheint, es ist warm. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht laufe ich an der Schlange von Besuchern vorbei, die vor den Spreewelten in Lübbenau ansteht. Heute darf ich die Pinguine der Spreewelten besuchen – ein besonderer PLANBAR-Tag. Genauer gesagt: Ich schaue heute ein bisschen hinter die Alltagskulissen einer Tierpflegerin und möchte ein paar persönliche Infos zum Ausbildungsberuf erfahren. Angekommen am Spreewelten Bad, werde ich freundlich empfangen zum Gehege geführt. Dort darf ich sogar direkt auf die Anlage. Die Pinguine sind allerdings versteckt in ihren Höhlen. Kein Problem, dafür leistet mir Katharina Herda Gesellschaft.

Das ist unsere Gesprächspartnerin

Sie ist 41 Jahre jung und arbeitet seit Januar 2019 als Pinguin-Tierpflegerin in den Spreewelten. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Aber ich frage mich, wie man dahin kommt, Pinguine im Spreewald zu pflegen? Sie erzählt mir, dass sie ursprünglich Journalistin werden wollte. Sie hat früher des Öfteren für die Lokalzeitung und das Lokalradio in ihrer Heimat Weißwasser gearbeitet und studierte Anglistik und Soziologie.

Ihr Weg führte sie unter anderem an die Ostsee, wo sie einige Jahre arbeitete und sogar ein Jahr nach Irland, wo sie als Au-Pair spannende Erfahrungen sammeln konnte. Eine Schnapsidee, wie Katharina sie bezeichnet, brachte sie auf den Weg, den sie heute beschreitet: Wenn alle Stricke reißen, würde sie Tierpflegerin werden. Das
sagte sie zumindest damals zu ihrer Mutter, welche sich daraufhin erkundigte und eine Ausbildungsstelle zur Zootierpflegerin beim Zoo Magdeburg entdeckte. Mit 27 entschied sich Katharina also nochmal von vorne anzufangen und startete dort ihre Ausbildung.

Die Humboldt-Pinguine

Auf der Anlage in den Spreewelten leben 24 ausgewachsene Humboldt- Pinguine – elf Weibchen und 13 Männchen. Dieses Jahr sind sogar noch 10 Nachwuchspinguine hinzugekommen. Katharina erzählt mir, dass die Zeit vor dem ersten Schlüpfen immer sehr aufregend ist und die Vorfreude mindestens mit Weihnachten mithalten kann.

Ich möchte mehr über die Pinguine erfahren. Laut Katharina werden sie ca. 30 Jahre alt und sind sehr charakterstarke Wesen – insbesondere die Männchen zeigen das mit ihrem zickigen Verhalten.

Während wir so über die Pinguine reden, merke ich wie Katharina aufblüht und ihr Gesicht strahlt. Sie erzählt, wie eigensinnig ihre Schützlinge sind, wie sie ihnen Worte in den Mund legt, die deren Charakter widerspiegeln.

Ich frage ich sie, wie es um die Liebe zwischen Pinguinen steht. Es heißt ja immer, Pinguine leben monogam und würden sich ein Leben lang aneinanderbinden. Katharina sieht mich schmunzelnd an. „Naja.“ Laut ihr würden sich Pinguine durchaus aneinanderbinden. Doch zumindest die 24 Spreewelten-Pinguine würden es nicht so genau mit der Monogamie nehmen und sich durchaus untereinander in den Höhlen besuchen. Dann fällt ihr Blick zu einem Höhleneingang direkt neben der Tür. Ab und zu habe ich schon mal einen Schnabel und ein bisschen grauschwarzes Gefieder erspäht.

Katharina erzählt mir, dass das die Höhle vom Pinguin Django sei. Die beiden verbindet eine innige Beziehung, da der jugendliche Pinguin in Katharina verliebt ist. Django versucht sie immer wieder in seine Höhle zu ziehen, schenkt ihr hier und da einen Zweig oder Kieselstein, um seine Gefühle zu bekunden und möchte nur Katharinas Aufmerksamkeit.

Der Alltag einer Pinguin-Tierpflegerin

Katharina verschwindet kurz im Vorbereitungsraum und holt zwei bis drei Fische, hockt sich vor Djangos Höhle und versucht ihn mit den Fischen zu locken. Ziemlich träge und schleppend lässt er sich bitten. Nach einer kurzen Kuscheleinheit zwischen den Beiden erzählt mir Katharina, dass das eine Ausnahme ist. Achtzig bis neunzig Prozent des Berufes besteht aus Putzen. Die Anlage und die Trennscheiben zum Besucher- Schwimmbecken putzen u.v.m.

Der Beruf besteht aus sehr viel schwerer körperlicher Arbeit. Dessen muss man sich bewusst sein, behaart Katharina. Auch ich merke in diesem Moment, dass ich mir vorher ganz viel knuddeln darunter vorgestellt habe.

Sie erzählt weiter: Außerdem käme ein eher unangenehmer Aspekt hinzu. Der fischige Geruch auf der Anlage steigt mir in die Nase – das glaube ich gerne. Zum Beruf gehöre unter anderem auch das Töten und Verfüttern anderer Tiere. Das könne nicht jeder. Deswegen sei es Berufung und kein Job, den man einfach mal so nebenbei erledigen könnte. Ein weiterer, alltäglicher Teil sei die Showmoderation. Direkt zur Ausbildung gehörend gibt es die Besucherkommunikation und Tierpräsentation. Darunter versteht man z. B. die Show- Fütterungen, wie man sie aus vielen Tierparks und Zoos kennt. In den Spreewelten gibt es neben der Fütterung auch eine VIP-Führung. Jeden Tag begleiten 6 Besucher*innen eine der drei Tierpflegerinnen und können einen Einblick hinter die Kulissen erhaschen. Katharina verrät, dass da auch ein gewisses Show- Talent mit dazu gehört.

Sie fängt an, davon zu schwärmen, wie die Pinguine ihr und den Besuchern jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wie sie sich jeden Tag aufs Neue auf die Arbeit freut. Wie sehr sie die Arbeit mit Tieren genießt. Wie intensiv die Beziehung zu den Pinguinen ist, sie alle anhand ihres Charakters erkennen könne und wie glücklich sie das macht.

Der Rat von Katharina

Du weißt nicht, wohin es dich im Leben verschlägt. Katharina spricht aus Erfahrung. Vom Anglistik- und Soziologie- Studium zur Pinguin-Pflegerin im Spreewald. Wichtig ist, dass du dich nicht unter Druck setzt. Mit 16, 17 oder 18 ist man ganz oft auch einfach noch zu jung, um genau zu wissen, was du vom Leben möchtest. Manchmal offenbart sich der Traumberuf erst später im Leben, immerhin kommt vieles erst mit der Zeit. Mach viele Praktika, probiere dich aus und scheue vor allem nicht davor zurück, noch mal von vorne anzufangen – es kann sich lohnen. Ich stimme Katharina in jedem Punkt zu.

 

Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Und noch viel Freude mit Deinen Pinguinen!