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Klein aber fein – Das Leben mit unter 1,60 m aus einer ganz anderen Perspektive

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„Zwerg“, „Winzling“, „Hobbit“ oder mein Favorit „vertikal benachteiligt“. Was ich mir mit meinen 1,57 m nicht schon alles anhören durfte. „Bekommst du eigentlich einen steifen Hals vom ganzen nach oben gucken?“ oder „Ist die Luft da unten anders?“. HaHa! Den habe ich ja noch nie gehört!  Also für alle PLANBAR-Leser unter 1,60 m  (und die darüber, die es interessiert), hier mal unsere Sichtweise.

Grenzen in der Berufswahl

Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr, Piloten, Model sind alles Berufe, die eine Mindestgröße verlangen. Da platzen schon so manche Kindheitsträume. Es gab schon Ausnahmen, wenn ein Bewerber nachweisen konnte, dass seine Größe keinerlei Beeinträchtigung darstellt oder nur lang genug geklagt hat. In der Regel erhält man aber leider eine Absage.

Dabei haben wir kleine Menschen großen gegenüber doch so viele Vorteile!

Detektiv-Eigenschaften

Verstecken ist ja wohl meine leichteste Übung. Schränke, Koffer, Bettkästen – wo ich nicht schon überall reingepasst habe. Außerdem habe ich als kleiner Mensch die Erfahrung gemacht, dass ich mich viel besser durch Menschenmassen durchschlängeln kann, als meine großen Freunde. Wenn ich mich an ein paar Leuten auf dem Stadtfest oder einer Party vorbeiquetsche, nehmen sie das häufig gar nicht wahr. Als Detektive oder als Ninja wäre ich also unschlagbar.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Wenn man bei Feiern auf Augenhöhe mit dem Ellenbogen normalgroßer Menschen ist, sollte man gute Reflexe haben, um diesem rechtzeitig ausweichen zu können. Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt.

Kleine Menschen sind oft flinker

Vielleicht liegt es daran, dass wir weniger Körpermasse mit uns herumtragen, aber ich kenne viele kleinere Leute, die im Ausweichen besser sind als größere. Außerdem sind wir eine kleinere Zielscheibe als große Menschen. Zugegeben, das ist eine Eigenschaft, die in nicht ganz so vielen Berufen benötigt wird, außer du wirst Völkerball-Profi oder professioneller Bälle-ausweich-Clown auf dem Rummel.

Bequemer Reisen

Kennt Ihr diese Busfahrten oder Flüge, wo einem die Beine eingequetscht werden und man nur darauf wartet, sie endlich wieder ausstrecken zu können? Ich nicht. Ehrlich gesagt habe ich das nie verstanden, was für Probleme andere Menschen dabei haben. Bei Berufen, in denen man viel unterwegs ist, wie z.B. Archäologe (m/w/d),  Journalist (m/w/d) oder Tourismuskaufmann (m/w/d) haben wir einen nicht zu verachtenden Vorteil. Wir kommen deutlich erholter nach der Reise an.

Die Waffen einer kleinen Frau

Besonders männliche Kollegen bekommt man mit dem Niedlichkeitsfaktor sehr schnell um den Finger gewickelt. Da schlagen die Beschützerinstinkte Alarm, wenn man mal eine Bitte hat oder Hilfe benötigt. Zu häufig sollte man jedoch gerade im Berufsalltag nicht mit den Wimpern klimpern. Das kann ganz schnell zu einem sehr unschönen Ruf führen. Tja, und hat man erst mal einen, wird man den so schnell nicht mehr los. Dann doch lieber mit unter 1,60 m als Kampfdackel gelten, statt als Schleimer.

Verbale Verteidigung

Mein Freund vergleicht mich gern mit einem kleinen aufgeregten Terrier. Aber Obacht! Genauso bissig können wir auch sein, wenn man uns provoziert. Nur das wir – bis auf einige Ausnahmen hin und wieder – nicht wirklich beißen, sondern mit bissigen Antworten kontern. Gerade kleine Menschen wissen schon früh, dass sie anderen körperlich meist unterlegen sind und lernen ihre Kämpfe dafür verbal auszutragen.

Schon mal vom Napoleon-Komplex gehört? Er bezeichnet ein von Alfred Adler beschriebenes Syndrom, dass kleinere Männer ihre Größe durch sichtbare Erfolge zu kompensieren versuchen. Heutzutage wird er aber eher dafür verwendet, wenn ein kleinerer Mann sich besonders hervorhebt, sich über andere aufregt und sie sozial niedermacht, um selber größer zu wirken. Keine sehr attraktiven Eigenschaften, weder bei Männern noch Frauen. Wobei der Ehrgeiz und die Zielstrebigkeit, die dahinter stehen, auch gerade im Beruf oder der Ausbildung wünschenswert sind. Also einfach Größe beweisen und die Karriereleiter mit Köpfchen statt mit Ellenbogen hochklettern.

Große Aufmerksamkeit kleiner Leute

Und wenn wir mal vom Thema Berufe wegkommen. Das Liebesleben kleiner Menschen hat auch viele Vorteile. Diesen Beschützerinstinkt wecken kleine Frauen ja nicht nur auf Arbeit bei Männern. Wenn wir wollen, werden wir gar nicht mehr übersehen. Ein weiterer Vorteil, wir können immer High Heels tragen, ohne dass unser Partner sich fürchten muss, wir wären größer als er. Weil, sein wir mal ehrlich, die meisten Männer sind ungern kleiner als ihre Frauen. Und da haben wir sie wieder. Die verflixte Evolution, die uns noch immer in den Knochen hängt. Wenn auch oftmals völlig unbewusst, bevorzugen wir Frauen Männer, die größer sind als wir. Dabei geben sich kleine Männer meistens viel mehr Mühe beim traditionellen umwerben der Partnerin und sind auch in der Beziehung treuer und aufmerksamer. Die ganzen Anstrengungen eine größere Frau von sich zu überzeugen, sollen ja nicht umsonst gewesen sein.

 

Auch wenn wir nicht jeden Traumberuf verwirklichen können, beim Kauf von Alkohol oder Tabak einmal mehr gefragt werden, wie alt wir sind und wir beim Griechen statt eines Ouzos einen Lolli bekommen, hat klein sein doch einige Vorteile. Und wenn wir mal doch nicht an das oberste Regal rankommen, nehmen wir uns heben einen Stuhl zur Hilfe oder kaufen etwas anderes. Wir kleinen Menschen finden unseren Weg – wir sind ja auch näher an ihm dran.