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Kein Studium trotz Abi? Passt!

Ausbildungsfinder

„Und was machst du, wenn du fertig mit der Schule bist?“ 

„Ich mach eine Ausbildung.“

„Hä? Warum studierst du nicht? Du hast doch Abi.“.

Und die Rechtfertigung beginnt.

Bis zur 11. Klasse hatte ich mir immer vorgenommen zu studieren. Was genau? Das wusste ich noch nicht. Aber kein Druck, denn „man hat ja noch Zeit“, wie einem von vielen immer wieder versichert wird. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass mir bis zu dieser lebensverändernden Entscheidung noch viel Zeit blieb. Es gab viele Konversationen und Unterrichtsstunden, in denen sich im Gymnasium mit der Karriereplanung auseinandergesetzt wurde. Es gab viele Gespräche bezüglich Studium, Dualem Studium, Ausbildung und wo man sich beraten lassen kann. Eigentlich ziemlich gut und ausführlich. Jedoch hatte ich oft das Gefühl, dass ein Studium als einziger Karriereweg vorausgesetzt wurde, wenn man sein Abi machen wollte.

Was sagt die Statistik?

Es gab mehrere Schüler, die sich entweder nach der 10. Klasse oder nach dem Abitur dazu entschieden, eine Ausbildung anzufangen. Einer davon war ich. Ich hatte keinen schlechten Schnitt (2,0), aber mein Plan war einfach ein anderer.

Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hat seit 2017 über 38 % der Auszubildenden in Deutschland Abitur. Der Trend, als Abiturient eine Ausbildung anzufangen, wächst zwar, doch der Großteil der Schüler lehnt dies weiterhin ab. Dadurch gibt es einen starken Azubimangel in Deutschland, was wirtschaftlich gesehen viele Schwierigkeiten mit sich bringen wird.

 

 

Leute, die sich für eine Ausbildung entscheiden, werden also händeringend gesucht. Handwerkliche Berufe haben es besonders schwer, denn sie sind auf die praxiserfahrenden Azubis angewiesen.

Trotz alledem hatte ich häufig das Gefühl, dass es als schlechte Entscheidung von manchen Eltern und Lehrern angesehen wurde, sich nach dem Abitur gegen ein Studium und für eine Berufsausbildung zu entscheiden. Aussagen, wie „Dein Abi ist doch gut!“ oder „Du hast doch das Zeug zum Studium!“ bekommt man da oft zu hören. Der Status einer Ausbildung wird dadurch nur immer weiter runtergestuft und mit einem „Nur ohne Abi sinnvoll“-Stempel markiert.

Und was bringt mir eine Ausbildung?

Eine Ausbildung bringt viele Vorteile mit sich. Vielleicht helfen dir die folgenden fünf Argumente ja, wenn du das nächste Mal gefragt wirst, warum du trotz Abitur nicht studieren möchtest. Beginnen wir mit dem offensichtlichsten Grund.

Du verdienst dein eigenes Geld!

Deine Ausbildungsvergütung ist ein guter Grundbaustein für den Start in dein eigenständiges Leben und die muss nicht mal gering ausfallen. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung kannst du in Deutschland zwischen ungefähr 522 und 1.047 Euro im Monat verdienen, abhängig von Berufszweig und Ausbildungsjahr.

Du steigst gleich in die Praxis ein!

Vor allem wenn du kein Theoretiker bist, sondern lieber anpackst, wärst du ein perfekter Kandidat für eine Ausbildung. Aber so oder so werden deine Praxiserfahrungen nicht nur super bei deinem zukünftigen Arbeitgeber ankommen, sondern auch dir einen großen Nutzen bringen.

Du weißt, was auf dich zukommt!

Manche Schüler und Studenten können sich vielleicht wenig darunter vorstellen, wenn man von „auf die Arbeit gehen“ spricht. Du hingegen bekommst schon früh einen Einblick, wie der Hase läuft. Wie es im Inneren einer Firma aussieht und welche Rolle jeder Einzelne spielt, durftest du selbst erleben. Auch das kann deinen späteren Chef von dir überzeugen.

Du hast weniger Prüfungsstress!

Im Normalfall schreibst du während deiner Ausbildungszeit zwei Prüfungen. Die Zwischenprüfung und die Abschlussprüfung. Das heißt, es gibt kein nächtelanges Büffeln in der Bibliothek oder verspätet abgegebene Bachelor-Arbeiten, über die du dir Sorgen machen musst. Natürlich schreibst du in der Berufsschule auch  Tests und Arbeiten, aber die sind vergleichbar mit Leistungskontrollen aus der Schulzeit.

Du hast eine Grundlage!

Eine Ausbildung dauert im Schnitt zwei bis dreieinhalb Jahre. Das heißt, du hast danach immer noch genug Zeit ein Studium zu beginnen, wenn du möchtest. Und falls dieses scheitert oder du doch abbrichst, kannst du dich immer noch auf deine Ausbildung stützen. (Genauso sieht übrigens auch mein Plan aus.) Vielleicht hast du danach aber auch gar kein Interesse mehr am Studieren, weil du dich im Arbeitsleben und deinem Betrieb wohlfühlst.

Es lohnt sich, seine Pläne ab und an zu überdenken und offen für neue Wege zu sein. Nur du weißt am besten, ob du ein Theorie-Fanatiker oder Praxis-Talent bist. Wie auch immer du dich entscheidest, glaube nicht, dass du deine Eltern oder Lehrer zufriedenstellen musst.  Es ist dein eigenes Leben und deine eigene Karrierelaufbahn, die es zu beschreiten gilt.

 

Hannes Fred Jetschick