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Duales Studium – eine Möglichkeit Theorie und Praxis zu verknüpfen

Rund um's Studium

Veröffentlicht am 26.01.2022

Duale Studiengänge erfreuen sich immer größerer Beliebtheit in Deutschland. Doch was ist eigentlich ein duales Studium und wie unterscheidet sich das von einem normalen Studium? Wir geben dir einen Überblick über die wichtigsten Fragen.

Studiengänge gibt es wie Sand am Meer – allein in Deutschland gibt es rund 20.000 verschiedene, die du nach deinem Abitur studieren könntest. Eine Studienform, die in den letzten Jahren immer beliebter wurde, ist das duale Studium. Über 100.000 Menschen studieren aktuell in Deutschland dual, so das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die Möglichkeiten für dich sind dabei sehr vielfältig und viele Unternehmen bieten es auch auf Nachfrage an. Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff und wie kann man sich ein duales Studium vorstellen?

Was ist ein duales Studium?

Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Ein duales Studium besteht aus zwei Teilen – theoretische Abschnitte, die du an der Universität oder Fachhochschule absolvierst, und praktische Teile, in welchen du in einem Unternehmen dein erlerntes Wissen gleich auf die Probe stellen kannst. Dort lernst du direkt vor Ort, wie im Unternehmen gearbeitet wird. Im Unterschied zum normalen Studium verbringst du also auch viel Zeit außerhalb des Hörsaals und der Bibliothek und startest direkt ins Arbeitsleben.

Wie unterscheiden sich praxis- und ausbildungsintegrierende duale Studiengänge?

Während das Grundprinzip auf den ersten Blick einleuchtend erscheint, begegnen dir bei einer Internetsuche nach dem Stichwort „duales Studium“ aber bestimmt gleich wieder Fragezeichen: Denn überall wird unterschieden in „ausbildungsintegrierende“ und „praxisintegrierende“ duale Studiengänge.
Aber was steckt da dahinter?
Bei einem ausbildungsintegrierenden Studiengang erhältst du am Schluss neben einem Uni-Abschluss auch einen staatlich anerkannten Berufsausbildungsabschluss. Du studierst also an der Universität oder Hochschule und parallel absolvierst du noch eine Ausbildung in einem Unternehmen inklusive Berufsschule. Bei einem praxisintegrierenden Studium ist die Angelegenheit dagegen übersichtlicher: In den meisten Fällen verbringst du abwechselnd mehrere Wochen oder Monate an der Universität mit deinen Kommiliton*innen und bist dann wieder für einige Zeit im Unternehmen, wo du die praktische Seite des Berufsfelds kennenlernst. Bei einem praxisintegrierenden dualen Studium erhältst du aber dementsprechend nur einen Hochschulabschluss. Dafür sind diese Studiengänge meist kürzer und gehen nur sechs bis sieben Semester, während ausbildungsintegrierende Studiengänge sich tendenziell über sieben bis neun Semester erstrecken.

Wie kommt man an einen dualen Studienplatz?

In den meisten Fällen bewirbst du dich direkt bei einem Unternehmen, welches eine Stelle als duale*r Student*in ausgeschrieben hat. Für duale Studiengänge gibt es allerdings meist eine weitaus längere Vorlaufzeit als bei einem klassischen Studium. Unternehmen sind oftmals bereits ein Jahr vor Studienbeginn auf Bewerber*innensuche. Sobald du eine Zusage eines Unternehmens erhältst, schließt ihr einen Ausbildungsvertrag und mit diesem kannst du dich an der Hochschule für den dualen Studiengang einschreiben.

Während des Studiums erhältst du dann auch bereits ein Gehalt vom Unternehmen. Wie hoch dieses ist, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, aber in den meisten Fällen steigt das Gehalt von Jahr zu Jahr an.

Falls du keine Idee hast, welche Unternehmen ein duales Studium anbieten, ist es oft hilfreich, sich durch die Internetauftritte der Universitäten zu klicken: Dort werden dir meistens einige Unternehmen begegnen, mit denen die Universität zusammenarbeitet. Und auch die Erfahrungsberichte von aktuell dual Studierenden können dir einen besseren Eindruck vom Studentenalltag verschaffen.

Was sind die Vorteile eines dualen Studiums?

Ein Vorteil gegenüber einem klassischen Hochschulstudium scheint offensichtlich: Du sammelst sehr viel Praxiserfahrung! Du schließt meist einen Vertrag mit einem einzigen Unternehmen und durchläufst in den Praxisphasen dort verschiedene Bereiche. Dadurch wirst du genau auf den Berufsalltag in der Branche vorbereitet und dir winken gute Chancen, nach einem erfolgreichen Abschluss auch in das Unternehmen übernommen zu werden. Und selbst wenn du nicht in deinem Ausbildungsunternehmen bleiben solltest: Alle Arbeitgeber*innen schätzen Menschen, die bereits praktische Berufserfahrung mitbringen.

Bei ausbildungsintegrierenden Studiengängen kommt hinzu, dass du das duale Studium mit zwei Abschlüssen beendest – deinem Bachelor und deinem Ausbildungsabschluss.

Wo liegen die Nachteile eines dualen Studiums?

Allerdings gibt es auch Nachteile gegenüber einem klassischen Studium. Ein duales Studium ist sehr zeitintensiv und herausfordernd. Monatelange Semesterferien zur freien Verfügung gibt es dort nicht. Wenn du nicht gerade an der Hochschule bist, wirst du im Unternehmen praktisch arbeiten. Aber natürlich hast du auch im dualen Studium einen Urlaubanspruch, er ist eben kürzer: Im Normalfall stehen dir, wie bei klassischen Arbeitnehmer*innen, zwischen 25 und 30 Urlaubstage im Jahr zu.

Wenn dir vorschwebt, in der Zukunft eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen, dann ist das duale Studium auch nicht unbedingt das richtige Sprungbrett für dich: Hier wird mehr auf die Praxis gesetzt und die klassisch akademische Ausbildung ist kein Schwerpunkt.

Auch solltest du dir vorher sicher sein, dass das jeweilige Studienfach und Unternehmen zu dir passen. Denn: du schließt einen Ausbildungsvertrag für ein bestimmtes Studienfach ab und ein Wechsel des Studiengangs ist dabei nicht vorgesehen. Eine Entscheidung für ein duales Studium will also gut überlegt sein. Ob dir ein Berufsfeld liegt, kannst du beispielsweise mit Praktika in diesem Bereich vorab herausfinden.

In welchen Bereichen kann man dual studieren?

Grundsätzlich kannst du in fast allen Bereichen dual studieren. Doch meist ist die Anzahl der Studiengänge und deren Plätze begrenzt. Mit 36 Prozent gibt es die meisten dualen Studiengänge im Bereich Ingenieurwesen, wie das BIBB für das Jahr 2019 festgestellt hat, gefolgt von den Wirtschaftswissenschaften, wie beispielsweise BWL, mit 35 Prozent.

Dahinter folgen mit 13 Prozent Studiengänge im Bereich Informatik und mit zehn Prozent im Sozialwesen, Gesundheits- und Therapiebereich sowie Erziehungswissenschaften. Sechs Prozent entfallen auf sonstige Studiengänge, wie beispielsweise im Bereich Medien, öffentliche Verwaltung oder Tourismus.

Welche dualen Studiengänge bieten die Hochschulen und Universitäten in Brandenburg?

Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg

  • Elektrotechnik
  • Bauingenieurwesen
  • Betriebswirtschaftslehre
  • Maschinenbau
  • Wirtschaftsingenieurwesen
  • Gesundheitsstudiengänge (Pflegewissenschaft, Therapiewissenschaft)

Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

  • Holztechnik
  • Mechatronik im Holzingenieurwesen
  • Ökolandbau und Vermarktung

Technische Hochschule Brandenburg

  • Informatik
  • Medizininformatik
  • Augenoptik
  • Ingenieurwissenschaften
  • Maschinenbau
  • Wirtschaftsingenieurwesen
  • Wirtschaftsinformatik
  • Betriebswirtschaftslehre

Fachhochschule Potsdam

  • Bauingenieur wesen
  • Infrastruktursysteme
  • Siedlungswasserwirtschaft

Fachhochschule für Finanzen Brandenburg

  • Diplom-Finanzwirt

TH Wildau

  • Automatisierungstechnik
  • Logistik
  • Luftfahrttechnik/Luftfahrtmanagement
  • Maschinenbau
  • Physikalische Technologien und Energiesysteme
  • Verkehrssystemtechnik
  • Wirtschaftsingenieur wesen
  • Öffentliche Verwaltung
  • Telematik
  • Verwaltungsinformatik

 

Autor: Lukas Märkle