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Dual Studieren: zwei Studenten und ein Absolvent erzählen, wie das geht

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In einem dualen Studium verbringst du deine Studienzeit nicht nur auf dem Hochschulcampus. Du hast auch schon einen festen Platz in einem Unternehmen deines Studienbereichs. Zusammen mit Kommilitonen studierst du an der Hochschule und verbringst einen großen Teil deines Studiums unter Arbeitskollegen bei deinem Praxispartner. Dort sammelst du nicht nur Erfahrungen in der Arbeitswelt, sondern wirst noch während deines Studiums auf deine berufliche Karriere vorbereitet.

Von ihren Erfahrungen mit dem praktischen Studienmodell erzählt die Dualstudentin Annabel Knabe. Sie studiert im vierten Semester Wirtschaftsingenieurwissenschaften an der Brandenburgischen Technischen Universität.

Während des Studiums wirst du in einem Unternehmen eingearbeitet.

Annabel Knabe
Fot: Julia Siebrecht

„Noch bevor ich mich für meinen Studiengang entschieden habe, wusste ich, dass ich dual studieren wollte“, sagt Annabel Knabe. Erst nach jahrelangem Studium ins Arbeitsleben einzusteigen, das sei für die Zwanzigjährige von Anfang an nicht infrage gekommen. „Im Dualstudium habe ich die Praxis gleich dabei“, sagt sie. Am Ende ihres Studiums sei sie im Unternehmen schon fertig eingearbeitet. Andere Absolventen würden dann erst am Beginn dieses Prozesses stehen. Auch die monatliche Entlohnung durch den Praxispartner sei für sie ein klarer Pluspunkt gewesen.

„Ich habe dann nach einem Betrieb gesucht, der das Studium anbietet“, erzählt Annabel Knabe. Sie hat sich bei der Erdgas Mittelsachsen GmbH beworben, einem Energievertrieb mit Hauptsitz in ihrem Heimatort Brumby. Dort wurde ihr der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen empfohlen – eine Studienrichtung, die Wirtschaft und Technik kombiniert. Ihr zukünftiges Einsatzgebiet im Unternehmen, das weiß die Zwanzigjährige bereits, sei zwar stark wirtschaftlich orientiert.  Doch durch die Kombination aus beidem bekomme sie auch für beide Unternehmensbereiche ein gutes Gespür. „Bevor das Studium angefangen hat, habe ich schon drei Monate lang verschiedene Abteilungen durchlaufen“, erinnert sich die Dualstudentin. Auch während des Studiums werde so ein Abteilungsdurchlauf vollzogen. Das helfe ihr dabei, die eigene Position im Unternehmen besser verstehen zu können. „Auf diese Weise habe ich den gesamten Kreislauf, von der Energiebeschaffung über den Vertrieb, der Energieverteilung bis hin zum Endverbraucher einmal mitgemacht“, erklärt sie.

Dein Studium teilt sich in Theorie- und Praxisphasen.

Vorrangig befasse sie sich mit der Energiebeschaffung, sagt Annabel Knabe. Ihre Aufgabe, auch nach dem Studium, werde der Einkauf von Strom und Gas sein. „In meinen Praxisphasen erklären mir die Kollegen dann, wie der Handel an der Strombörse funktioniert, wie man dort strategisch klug agiert, damit die Kunden mit ausreichend Energie preisgünstig versorgt werden“, erläutert die Dualstudentin. Mit diesem Wissen ausgestattet, könne sie nach ihrem Studium dann direkt im Energiehandel einsteigen.

Das Dualstudium an der BTU gliedert sich in insgesamt sieben betriebliche Phasen. Die liegen in der vorlesungsfreien Zeit. Im März und April, sowie im August und September, ist Annabel Knabe dann im Unternehmen. Zur Vorlesungszeit, von Oktober bis Februar und von Mai bis Juli studiert sie auf dem Campus der BTU in Senftenberg. Doch ganz feststehend sei dieser Ablaufplan nicht. „Je nachdem, wie die Prüfungsphasen liegen, kann sich der Wechsel auch mal um ein, zwei Wochen verschieben“, meint die Dualstudentin. Zur intensiven Prüfungsvorbereitung stehe ihr in den Theoriephasen eine Woche ohne Lehrveranstaltungen zur Verfügung. Im Schnitt schreibe sie fünf bis sechs Prüfungen pro Semester. Ihre Bachelorarbeit verfasst sie dann im Unternehmen. Das ganze Jahr durchstudieren muss sie aber nicht. Sie kann, wie ein Arbeitnehmer, Urlaub nehmen.

Du schreibst wissenschaftliche Arbeiten in deinem Unternehmen.

Auch sogenannte Belegarbeiten müssen in den Praxisphasen geschrieben werden, sagt sie. Das sind wissenschaftliche Arbeiten mit einem Umfang von fünfzehn bis zwanzig Seiten zu einem in ihrem Fall ingenieurs- oder wirtschafswissenschaftlichen Thema, das von einem Experten im Unternehmen betreut werde. Zu Beginn der sich anschließenden Theoriephase werden die Arbeiten dann präsentiert und vom jeweiligen Studiengangsleiter benotet. „Ich habe in einer dieser Arbeiten über die Prozessoptimierung zwischen Energiebeschaffung und Vertrieb in unserem Unternehmen geschrieben“, erklärt sie. „Dafür habe ich mit einem Mitarbeiter der IT eng zusammengearbeitet.“ Die Ergebnisse der Arbeit, eine Verknüpfung in einem Computerprogramm zu erstellen, damit beide Abteilungen auf die Daten im Einkauf und Vertrieb effizienter zugreifen können, sind dann auch angewendet worden. „Und jetzt läuft das“, freut sich Annabel Knabe.

Die Mensa auf dem Campus Senftenberg füllt sich langsam. Annabel Knabe wird ein paarmal von Studenten gegrüßt. Sie fühle sich wohl in Senftenberg, sagt sie. Die Dualstudentin hat hier eine eigene Wohnung. „Mir gefällt, dass die Uni nicht so überlaufen ist“, fügt sie an. Das mache das Studieren persönlicher und individueller.

julia siebrecht

Der Dualstudent Dennis Quast studiert Holz-und Holzwerkstofftechnik an der Berufsakademie Sachsen in Dresden. Seine Praxisphasen absolviert er in der größten Reisemobil-Fabrik in Ostdeutschland. Sein Unternehmensbetreuer, Sandro Meerheim, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung und Leiter der Arbeitsvorbereitung bei Capron, hat vor Jahren auch schon an der BA studiert.

Maschinenrauschen, Motorenbrummen, Signaltöne – das ist der Fabriksound, der vom riesigen, lichtdurchfluteten Dach der Produktionshalle widerhallt. In der Halle entstehen aus Basisfahrgestellen fertige Reisemobile. Innenwände, Außenwände, Verdichtung, Verkabelung, Möbel, Kühlschrank, Waschbecken, das alles wird von vielen Mitarbeiterhänden stationsweise zu einem Ganzen zusammengefügt. Konzentriert arbeiten mehrere Männer daran, das von einem Kran getragene, meterlange Dach, passgenau auf die Außenwände eines Wohnmobils der Marke Carado aufzusetzen.

Foto: Julia Siebrecht

Sandro Meerheim, der von 2002 bis 2005 an der Berufsakademie Holz- und Holzwerkstofftechnik studiert hat, ist von Anfang an dabei gewesen. „Im Jahr 2006 haben wir mit 65 Mitarbeitern den Produktionsstandort eröffnet“, erinnert er sich. Heute, vierzehn Jahre später, seien bei Capron, das im sächsischen Neustadt liegt, an die 800 Mitarbeiter beschäftigt. Sein BA-Studium sei zwar schon eine Weile her, räumt der Diplomingenieur ein, doch an das Mathe-, Physik- und Chemiepauken aus den ersten Semestern könne er sich noch heute gut erinnern. „Da musste man erstmal durch“, räumt der gelernte Tischler ein. Doch dann sei es mit dem Konstruieren und Planen von Möbeln und Bauelementen am Computer, dem computergestützten Entwerfen (CAD), losgegangen. „Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und das war auch genau das, was mich während meines Studiums geprägt hat.“Der Dualstudent Dennis Quast studiert Holz-und Holzwerkstofftechnik an der Berufsakademie Sachsen in Dresden. Seine Praxisphasen absolviert er in der größten Reisemobil-Fabrik in Ostdeutschland. Sein Unternehmensbetreuer, Sandro Meerheim, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung und Leiter der Arbeitsvorbereitung bei Capron, hat vor Jahren auch schon an der BA studiert.

Für Unternehmen hat das duale Studium viel Potenzial.

An das Thema seiner Diplomarbeit habe er nach seinem Studium beruflich anknüpfen wollen. „Ich habe dann ganz gezielt nach einer Firma gesucht, die mit diesem CAD-Programm arbeitet“, erinnert sich der BA-Absolvent.

Vor zwölf Jahren sei dann der erste Dualstudent ins Unternehmen gekommen, der bei Capron mittlerweile eine leitende Position übernommen habe, erzählt Sandro Meerheim. Jedes Jahr würden nun neue  BA-Studenten aus den Studienbereichen Holz- und Holzwerkstofftechnik, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen im Unternehmen anfangen. „Das haben wir so eingeführt, weil einfach viel Potenzial dahintersteckt, wenn der Nachwuchs gleich im eigenen Unternehmen ausgebildet wird“, stellt der Abteilungsleiter fest.

Einer dieser BA-Studenten ist der 23-Jährige Dennis Quast. Direkt nach dem Abitur hat er zuerst ein anderes Studium begonnen, doch sei er dort nicht glücklich gewesen. „Ich habe mich nicht wohlgefühlt. Vor allem die Studienbetreuung war nicht so, dass ich gesagt hätte: das will ich für die nächsten sechs Semester machen“, erinnert sich der junge Mann.

Zur Holz- und Holzwerkstofftechnik mit dem Praxispartner Capron sei der BA-Student gekommen, weil er dort gleich drei große Leidenschaften von sich wiederfindet: einerseits die Arbeit mit Fahrzeugen, andererseits segelt er gern und macht Campingausflüge. Wie Innenausbauten von Wohnmobilen konstruiert werden, das lernt er in genau diesem Studiengang.

Über ein Beratungsgespräch an der Berufsakademie in Dresden sei er dann auf den Reisemobilhersteller Capron als Praxispartner aufmerksam geworden. „Am Anfang des Studiums ging es vor allem darum, sich mit dem Unternehmen vertraut zu machen“, erinnert sich Dennis Quast. „Ich habe da zum Beispiel in der Produktion beim Zusammenbau einer Wohnmobilkabine geholfen“, erinnert er sich.

Wie du an der Berufsakademie Sachsen dual studierst.

Drei Jahre oder sechs Semester dauert ein Studium der Holz-und Holzwerkstofftechnik an der Berufsakademie, ein fester Terminplan für die Wechsel zwischen theoretischer und praktischer Studienphase, eine Ausbildungsvergütung und Sozialleistungen für die Studierenden gehören ebenso dazu. Dennis Quast ist schon fast zwei Jahre dabei. Fünf Modulprüfungen, die sich hauptsächlich aus Klausuren und Projektarbeiten zusammensetzen, schreibt er während seiner Theoriephasen. Module sind Lehreinheiten zu jeweils einem bestimmten Themengebiet des Studiengangs, z.B. zur Technologie von Holzwerkstoffen oder Grundlagen der Konstruktion.

In den ersten Semestern sind Module wie die Anatomie und Chemie des Holzes dabei, Mathematik für Ingenieure oder Grundlagen der Statik. Die Themen der Projektarbeiten sind im Rahmen der Modulinhalte thematisch offen, so der Dualstudent. In einer dieser praxisintegrierten Arbeiten habe er etwa verglichen, wie Holzfasern im Unterschied zu Styropor als Dämmstoffe in den Seitenwänden von Wohnmobilen wirken. „Damit habe ich mich im Unternehmen beschäftigt und habe das dann im Labor an der BA untersucht“, sagt Dennis Quast.

In seinem Studium schreibt Dennis Quast in jeder seiner fünf Praxisphasen eine Projektarbeit. Die erste zu Aufbau und Struktur des Unternehmens, die zweite zur Anwendung von Grundfertigkeiten, die übrigen drei zu ingenieurstechnischen Themen. Die Inhalte orientieren sich an den Modulen des Studiums und werden in Zusammenarbeit mit dem Praxispartner abgestimmt. Auch Dennis Quast beschäftigt sich derzeit mit Prozessoptimierung. Gerade untersucht Dennis Quast, wie Mitarbeiter über ein Terminal Arbeitsaufträge oder Konstruktionszeichnungen abrufen können. „Nach drei Semestern bin ich mit den Arbeitsabläufen schon gut vertraut, versuche aber auch, mit einem neuen, frischen Blick die Vorgänge zu betrachten.“ Die Arbeit werde dann an der Berufsakademie präsentiert. Von allen Prüfungsleistungen neben der Bachelorarbeit fällt die Bewertung der Praxisarbeiten am stärksten ins Gewicht und unterstreicht den Stellenwert der praxisintegrierten Studienphasen. Sie sollen die Dualstudierenden auch auf die Abschlussarbeit vorbereiten, die im sechsten Semester im Unternehmen geschrieben wird.

Was dich noch erwartet.

Dennis Quast schätzt an seinem BA-Studium vor allem die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Auch stimme die Studienbetreuung jetzt für ihn. Er bekommt Gehalt und könne Urlaub nehmen. Eines schließe ein duales Studium aber auch ein: intensive Arbeits- und Studienzeiten. Ein Tag an der BA mit Vorlesungen, Seminaren und Anwesenheitspflicht beginnt früh und geht bis in den Nachmittag hinein, gelegentlich auch bis abends. „Man muss auf jeden Fall Motivation und Durchhaltevermögen mitbringen“, meint der Dualstudent. Wer das Studium schleifen lasse, bekomme bei dem zu absolvierenden Pensum schnell Probleme, meint er. „Aber von der Studienverwaltung wird man als Student auch gut begleitet. Es gibt immer Infos, was als nächstes ansteht“, sagt er. Im Unterschied zum vorherigen Studium sei in seinem jetzigen Studiengang die Zahl der Studierenden weitaus geringer. „In den Seminaren waren wir anfangs vierundzwanzig Leute“, erinnert sich Dennis Quast. Die kleinen Gruppen machen das Studieren viel persönlicher, als an anderen Hochschulen. „Da studiert man eher als Einzelkämpfer, an der BA ist man Teamplayer“.

Welche Studiengänge ihr an der BTU und an der Berufsakademie Sachsen dual studieren könnt und welche Praxispartner es in und außerhalb der Lausitz es gibt, findet ihr auf  www.b-tu.de/duales-studium  und auf www.ba-sachsen.de.

 

Autor: Julia Siebrecht