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Coppelius auf Tonträgerveröffentlichungs-Tour

Afterwork

Veröffentlicht am 08.03.2013

Coppelius waren dieses Mal ohne den erkrankten Diener Bastille in der Moritzbastei Leipzig zu Gast, um ihr 5. Album "Extrablatt" vorzustellen, unterstützt wurden sie dabei von Cellolitis.

Schon im letzten Jahr suchte sich die Berliner Kapelle "Coppelius" einen "One-Man-Star". In diesem Jahr holten sie sich Nikolaus Herdieckerhoff aka "Cellolitis" auf die Bühne, um das Auditorium einzustimmen. Ein kurzes Nicken von dem Herren in rot-karierter Hose mit dem Cello namens "Umbra" und schon ging es los. Der 34-Jährige hatte 2005 die Idee Rock mit dem Cello zu machen. Sein erstes Lied des Abends "Himmelblau" könnt ihr euch hier als Video auch noch einmal ansehen und anhören. Zu Coppelius kam er im Rahmen des 2011 von Coppelius ausgeschriebenen "Kapellenwettbewerbs" und unterstützte die Herren nun auf ihrer "Extrablatt"-Tournee.

Allerdings seht ihr nur einen Mann und hört mehr als nur ein Cello. Das kommt ganz einfach daher, dass Umbra und Nikolaus mit einem Effekt- und Loopgerät arbeiten, um zuerst ein paar Flächen und Grundrhythmen einzuspielen und um dann schließlich richtig abzugehen. Das mag für den Hörer an manchen Stellen etwas gewöhnungsbedürftig klingen, doch der Großteil der Menge hat den Artisten an diesem Abend laut zugejubelt. „2005 hat da aber noch keiner gejubelt“, scherzt Herdieckerhoff und ließ auch sogleich die nächsten faszinierenden Töne mit seinem  Cello und seinem Bogen erklingen. Vor allem der Wechsel zwischen ruhigen und schrillen Tönen machen seine Musik so interessant.

So kann ein Lied ruhig beginnen, sich aber im Laufe des Stückes zu einer reinen Ekstase entwickeln. Und weil Klarinetten und Celli so gut miteinander harmonieren, hat sich der Compte Caspar nicht lumpen lassen zusammen mit Nikolaus und Umbra mehrere Stücke zusammen zu performen. Als klassisch ausgebildeter Cellist für Nikolaus natürlich kein Problem. Vielleicht spielte er auch gerade deswegen ein klassisches Stück, Canon in D von Pachelbel. "Ich spiel ihn aber in C, das ist mir völlig egal.", zeigte, dass Cellolitis durchaus aus Klassik auch imposanten Rock machen können. Auch hierbei wurden zunächst die bekannten, ruhigen und fast sinnlichen Töne im Loop eingespielt, die durch einige verzerrte Soli unterbrochen wurden. Alles in allem ein sehr interessantes, hoch professionelles und imposantes Projekt.

Nachdem Nikolaus und Umbra unter tosendem Applaus verabschiedet wurden, begannen einige Damen und Herren des Auditoriums bunte Luftballons aufzublasen und mit Seifenblasen durch die Gegend zu schießen. Warum? Herr Compte hatte sich über Facebook diese Sachen gewünscht, doch dass dieser Wunsch auch so zahlreich erfüllt wurde, damit hatte er nicht gerechnet. Leider konnte Butler Bastille nicht mehr an diesem wundervollen Abend nicht mehr teilnehmen, da ihn die Grippe an‘s Bett gefesselt hatte. „Ohne unseren Butler sind wir aufgeschmissen“,  klagte Compte. So musste der arme Professor Mosch Terpin neben seinen Forschungsarbeiten auch noch die Arbeiten des Butlers übernehmen. Mit dem Intro und dem neuen Song „Welt im Wahn“ legten die nur noch zu fünft auftretenden Herren auch schon los, nachdem sich Compte und Coppella einen konkurrenzwürdigen Blick zugeworfen hatten. Und man hatte das Gefühl, dass sich auch die Zuhörerschaft im Wahn befand, als die ersten Töne erklangen. Wie wunderbar können die beiden Streithähne mit ihren Klarinetten doch harmonieren, wenn sie sich der Musik hingeben. Bei „Locked Out“ konnte Max Coppella jedoch wieder mit seiner Stimme glänzen und spielte sogar mit Compte und einigen Luftballons des Auditoriums. Vereinzelt kamen Luftschlangen geflogen und schlangen sich um die Hälse der Artisten.

Auch wenn sich an diesem Abend alles um das „Extrablatt“ drehen sollte, gaben die Herren auch Stücke vergangener Scheiben zum Besten. Diese wurde hier mit der Unterstützung von Nikolaus und Umbra noch etwas „aufgepeppt“. Mit der Zeit wurde es Herrn Voss allerdings zu bunt. Er nutzte die Gelegenheit, um seine Youtube-Kampagne „Sissy Voss prangert an“ fortzuführen und sich darüber zu beklagen, dass ohne den Butler gar nichts mehr gehe. Statt Bastille musste Professor Mosch Terpin den Absinth reichen und – stolperte. Der gute Absinth viel vor Max Coppella zu Boden und dahin war der gute Stoff. Ein Grund mehr, dass Compte Caspar im Lied „Reichtum“ zu erkennen gibt, dass das Geld fließt wie der Absinth vor Coppellas Füßen.

Geldschein

Als Demonstration dessen, zündete er auch sogleich einen Geldschein an, den der arme Professor sicherlich gern als Trinkgeld genommen hätte. Aber so musste das Stück Papier als Showelement herhalten. Auch an den Luftblasenpistolen schien Herr Compte Gefallen gefunden zu haben. Um dem Auditorium den besonderen Effekt dieses Teils zu demonstrieren, lies er den Saal abdunkeln und schoss. Sogar auf arme in der ersten Reihe stehende Fanatiker schoss er die nassen klebrigen Teile – mit Genuss. Aber wir ließen ihm den Spaß mit den bunt leuchtenden Dingern.

Die Herren Coppelius bezeugen ja oft ihre Nähe zum Publikum, nicht nur mit Seifenblasenattacken, nein sondern auch mit einem „Klarinetten-Walk“ durch die Massen. Das macht sie einfach so sympathisch. So traute sich auch, der sonst eher weniger redselige, Nobusama ans Mikrofon. Er bedankte sich für das tolle Konzert und vor allem für die zahlreichen Glückwünsche der Fanatiker für Herrn Bastille. Ihm zu Ehren sang das Publikum „Maria“. Lautstark und zusammen mit der Kapelle, wurde dabei eine Videobotschaft an den erkrankten Butler übersandt. Hoffen wir, dass er bald wieder genesen möge, sodass das Auditorium nicht erneut auf ihn verzichten muss.

www.Coppelius.eu
www.cellolitis.de

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