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Wie wird man ein „Sofa“?

Reportagen

Gleich zwei Azubis erwarteten mich bei der Barmer GEK in Cottbus, um mir Rede und Antwort zu stehen. „Sozialversicherungsfachangestellte“ nennt sich der Beruf, den Jennifer Noack aus Calau und Carolin Jäzosch aus Cottbus seit August 2009 bei der Krankenkasse lernen. Unter diesem Begriff können sich wahrscheinlich die Wenigsten etwas Genaues vorstellen. Mir erging es nicht anders und deshalb machte ich mich auf den Weg, um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Die beiden Zwanzigjährigen stellen sich tagtäglich neuen Herausforderungen. Welcher Fall liegt wohl heute auf dem Schreibtisch? Geht es um Arzneikosten, eine Auslandskrankenversicherung, eine Kur? Oder ist es eine ausführliche Beratung eines Selbständigen über die Höhe seiner Beiträge und die Art der Versicherung? Oder etwa doch der Einzug und die Überwachung der SV-Beiträge von Arbeitgebern? „Jeder Antrag ist anders und muss individuell bearbeitet werden“, erklärt Carolin. „Das ist das spannende und abwechslungsreiche an unserem Beruf. Langweilig wird es nie!“ Dabei wird den Azubis viel Verantwortung übertragen. Jennifer erklärt, dass sich einige Standardfälle schon routiniert bearbeiten lassen. Bei manchen muss sich aber erst einmal genau informiert werden, um richtig entscheiden zu können. Gerade bei schweren Erkrankungen, mit denen es die beiden auch zu tun bekommen, bewegt Schicksal der betroffenen Versicherten besonders. „Solche Fälle bearbeitet man natürlich nicht einfach mal mit links“, sagt Carolin, „da macht man sich schon seine Gedanken und versucht noch mehr als sonst, eine optimale Versorgung sicherzustellen.“ Deshalb sind es fast immer auch individuelle Entscheidungen, die getroffen werden.

Aber es gehören auch noch andere Bereiche zum Berufsbild „Sofa“, nämlich die des Marketings und Vertriebs. Speziell die Teilnahmen an Messen, die Beratung von Schulabgängern und das Werben neuer Versicherter sind Themen, die ein guter Auszubildender beherrschen muss.

Doch gerade der soziale Aspekt bewegte die zwei jungen Frauen dazu, sich für diese Ausbildung zu entscheiden. Beiden war nach ihrem Abitur klar, dass sie mit Menschen arbeiten möchten und es beruflich in diese Richtung gehen soll. „Außerdem sind die Zukunftschancen in dieser Branche sehr gut“, meint Jennifer. Im Internet erfuhren sie von der Chance, Sozialversicherungsfachangestellte bei der Barmer GEK zu werden. Das Bewerbungsprozedere lief wie bei vielen Firmen heutzutage ab: Bewerbung schreiben, Einstellungstest absolvieren, Assessment-Center überstehen und in Einzelgesprächen überzeugen. All diese Hürden haben Jennifer und Carolin gemeistert.

An ihren ersten Arbeitstag erinnern sie sich noch ganz genau. Die zwei erzählen lachend: „Es hat in Strömen geregnet, das Wetter war so mies an diesem Tag! Trotzdem war unser erster Arbeitstag bei der Barmer GEK sehr schön, wir wurden von unseren Ausbildern in Empfang genommen, durch das Haus geführt, den Mitarbeitern vorgestellt und in das Computersystem eingewiesen.“

Neben der praktischen Ausbildung bei der Barmer GEK, lernen Jennifer und Carolin in der Berufsschule die theoretischen Grundlagen. Sozialversicherungslehre, Wirtschaft und Recht nehmen dabei den größten Platz ein aber auch Englisch und Sport finden sich im Stundenplan wieder. Zusätzlich gibt es regelmäßig Seminare in Berlin, bei denen vor allem die kommunikativen Fähigkeiten der Azubis trainiert werden. Das ist bei ständigem Kundenkontakt enorm wichtig. Kontaktfreudigkeit und Offenheit sei eine Grundvoraussetzung für diesen Job. „Außerdem sollten neue Bewerber Lernbereitschaft zeigen und ein gewisses Interesse für gesetzliche Grundlagen mitbringen“, fügen Jennifer und Carolin hinzu.