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Wenn der Tod jeden Tag zum Leben gehört

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Matthias Wolfram holt Verstorbene aus dem Krankenhaus ab, wäscht ihre kalten Körper, schließt die blickleeren Augen und kleidet sie für die Bestattung ein. Darüber hinaus steht er den Angehörigen in ihrer Trauer bei und erledigt sämtliche Formalitäten. Seit 23 Jahren ist der Cottbuser als Bestatter tätig und er hat dabei tagtäglich mit dem Tod zutun.

„Mit den Jahren und der Erfahrung ist der Tod für mich zum Alltag und zur Normalität geworden“, verrät der Geschäftsführer von Wolfram Bestattungen. „Ich begegne ihm mit einer professionellen Distanz.“

Seine erste Leichenabholung wird der 49-Jährige trotzdem wohl nie vergessen. „Es war generell meine erste Begegnung mit dem Tod und so fuhr ich mit einem sehr beklemmenden Gefühl im Magen zu den Angehörigen nach Hause“, erinnert sich der Bestatter. Dort war der Großvater der Familie verstorben. „Er ist auf der Couch eingeschlafen und einfach nicht mehr aufgewacht“, erzählt Matthias Wolfram. „Dort lag er nun und sah eigentlich ganz friedlich aus.“ Langsam löste sich die Anspannung beim Bestattungsneuling. Seine Neugier war geweckt und schnell legte er die Scheu vor dem Verstorbenen ab. Drei Jahre später eröffnete der berufliche Quereinsteiger zusammen mit Andres Thiel ein Bestattungsinstitut.

Auch heute gibt es immer wieder Fälle, die Matthias Wolfram emotional besonders nahe gehe. „Gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen muss ich manchmal ziemlich schlucken“, verrät der Cottbuser Bestatter. Da fällt es ihm schwer, bei den Verstorbenen an ein erfülltes Leben zu glauben. Dann dürften aber auch beim Bestatter mal ein paar Tränen über die Wange kullern. „Manchmal überkommt es einen einfach und dann ist Weinen in Ordnung“, so der erfahrene Trauerhelfer.

80 Prozent der Angehörigen wünschen sich heute eine Feuerbestattung. Foto: Zeidler

Ein Bestatter hat es entgegen mancher Klischees aber nicht nur mit Verstorbenen zu tun. Einen großen Teil der Arbeit machen, neben dem Verwaltungsaufwand und den kaufmännischen Aspekten, die Angehörigen aus. Ihnen hilft Matthias Wolfram durch eine schwere Phase ihres Lebens.

„Ich kann zwar nicht mittrauern, aber ich fühle mit und helfe bei den nächsten Schritten“, sagt Matthias Wolfram. Aus diesem Grund ist der Beruf des Bestatters auch nicht für jeden Menschen geeignet. „Viele kommen einfach nicht mit der Trauer der Angehörigen zurecht“, weiß der Geschäftsführer aus der Vergangenheit. Es braucht viel Einfühlungsvermögen. „Das muss einem einfach liegen und man darf keine Scheu haben, die Oma einfach in den Arm nehmen“, so der Experte. Dabei komme es gar nicht so auf die Worte an: „Einfach Dasein reicht meistens schon.“

Durch seinen Beruf lebt Matthias Wolfram sein Leben bewusster. „Für mich gehört der Tod zum Leben“, sagt er. „Ich erfreue mich daher an den kleinen Dingen und versuche, jeden Tag zu genießen.“ Angst vor seinem eigenen Tod hat der Bestatter nicht. „Der Tod ist friedvoll und ruhig“, findet der 49-Jährige. „Aber das Sterben kann lang und schmerzvoll sein und davor habe ich schon Angst.“
Sollte es aber einmal irgendwann soweit sein, weiß der Bestatter schon genau, wie seine Beisetzung aussehen soll. „Ich wünsche mir erst eine Trauerfeier am Sarg, damit alle Abschied nehmen können und danach eine Feuerbestattung“, so Matthias Wolfram. Seine Asche soll dann schließlich im kleinen Familienkreis in der Ostsee verstreut werden. „Dort bin ich jedes Jahr im Urlaub und ich denke, dass würde mal als letzter Ruheort gut gefallen.“

Zum Thema: BESTATTUNGSFACHKRAFT - EINE NOCH RECHT NEUE AUSBILDUNG
Den Beruf des Bestatters gibt es erst seit etwa zwei Jahrhunderten. Davor wurden die meisten Verstorbenen von Angehörigen bestattet. Auch Mitarbeiter einer Kirchengemeinschaft oder von Schreinereien haben Bestattungen durchgeführt. Zum Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich die ersten Betriebe auf die gewerbliche Durchführung von Bestattungen spezialisiert. Erst seit dem Jahr 2003 gibt es die offizielle Berufsbezeichnung der Bestattungsfachkraft und auch eine anerkannte Ausbildung.