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Weihnachtswerbespots – wir haben euch vermisst!

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Das ganze Jahr über fühlen wir diesen Drang, sie zu überspringen oder wir ertragen sie mit einem lauten Seufzer: Werbung! Doch es gibt eine kurze Zeitspanne Ende des Jahres, in der wir uns nicht zurückhalten können. Die beste Freundin oder der beste Freund und die Familie müssen unbedingt informiert werden. Zugegeben, es ist keine alltägliche Werbung, die höhere Zuschauerzahlen in einem Monat hat als so mancher Blockbuster im Kino. Aber zu Weihnachten wird natürlich versucht, das Grundprinzip von Werbung besonders ausgiebig auszuschlachten: emotionale Ansprache. Genau das, was wir jetzt brauchen.

 

Telekom-Weihnachtsspot mit Justin Bieber

Das Mädchen, das ihren Alltag nur durch Musik-Dauerbeschallung zu überstehen scheint, verkörpert die Telekom-Zielgruppe, die in Zukunft ohne Verbrauch des eigenen Datenvolumens auch unterwegs Musik hören kann. Begleitet wird sie im Spot, für sie und ihre Mitmenschen jedoch unsichtbar, von Sänger Justin Bieber, der ihr das Lied live ins Ohr haucht. Während des Spots wird das eigentliche Produkt keinesfalls erwähnt. Erst zum krönenden Abschluss ertönt die uns bekannte Telekom-Stimme aus dem Off. Es scheint zu wirken. Wir haben für die Dauer des Spots an die ein oder andere Situation in unserem Alltag gedacht und uns gewünscht: „Einfach mal die Kopfhörer auf und abtauchen.“  Die Telekom bietet die Lösung greifbar nah.

 

Conrad Electronics und Edeka – die etwas anderen Weihnachtsspots

Dieses Jahr erscheint ebenfalls ein Werbespot der ganz anderen Art. Conrad Electronics präsentiert uns nicht den fertigen Weihnachtsspot, sondern zeigt uns die Wünsche des „Technik-Freaks“ an die Werbeagentur und die Vorgaben, die umzusetzen sind. Auf die Tränendrüse wird hier also schon mal nicht durch Dramatik und Schicksal gedrückt – bis auf eine kurze Sequenz, die trotzdem schon wieder lustig wirkt.

Eine Chat-Sprachnachricht des „Technik-Freaks“  führt die Werbeagentur durch den Spot und die Umsetzung erfolgt in übertriebener Weise, sodass auch hierbei kein Auge mehr trocken bleibt. Der ernste Ton dieses Spots liegt in der detaillierten Darstellung, in welcher Art alle anderen Weihnachtsspots produziert werden: glückliche Kunden, tolle Produkte im Vordergrund, ein Star als Eyecatcher, der zur Corporate Identity und zum Corporate Design des Unternehmens passt und natürlich nicht zu vergessen, die emotionale Schiene, insbesondere mit Tod und Vergänglichkeit scherzend. Letzteres bezieht sich auf den Werbespot 2015 von Edeka, in dem Opa an Weihnachten einsam am Festtisch sitzt und deswegen seinen eigenen Tod vortäuscht, um all seine Kinder und Enkelkinder an Heiligabend nach Hause zu locken. Während hierbei die Message „Zeit heimzukommen“  transportiert wird und in der Storyline der Alltag integriert ist, greift Edeka dieses Jahr eine visionäre Thematik auf: künstliche Intelligenz.

Anfang des Jahres sind die ersten „Alexas“ in unseren Wohnzimmern eingezogen. Im Jahr 2117 hat die künstliche Intelligenz im Edeka-Weihnachtsspot die Menschen aus der Stadt vertrieben. Roboter hausen in trostlosen Skyscrapern und kontrollieren die verwüsteten Straßen. Doch einer unter ihnen ist anders. Der niedliche Roboter entdeckt ein altes Weihnachtsfilm-Plakat an einem verwahrlosten Kino und findet im Gebäude tatsächlich den Film. Er baut den wundervollen Festtisch mit künstlichen Puppen nach und möchte gerne so ausgiebig feiern wie er es zuvor gesehen hat. Doch keiner bewegt sich oder spricht mit ihm. Er gibt nicht auf und folgt der Spur der Menschen. Nach anfänglichem Zögern gewährt ihm eine Familie Zutritt zum Haus und für ihn geht ein Wunsch in Erfüllung. Voller Geborgenheit und Liebe feiert er Weihnachten. Was wäre das Fest ohne Liebe.

Zugleich berührt, aber auch nachdenklich verschlingen wir den Edeka-Spot. Wir sind fasziniert von dem, was auf uns zukommen könnte und dennoch schwingt eine gewisse Angst mit, ob uns dieses Szenario tatsächlich einmal erreichen wird. Denn wir wissen, ohne Liebe wäre es kein echtes Weihnachten mehr.

Auch in diesem Jahr darf der gedeckte Tisch mit vielen deftigen Leckereien nicht fehlen. Das immer wiederkehrende Element der Edeka-Weihnachtsspots. Das einzige Zeichen für Produktangebote.

 

Weihnachtsspot von Saturn – Taschentücher bereithalten

Saturn hat dieses Jahr ebenfalls die Drama-, aber auch die Produktekiste geöffnet. Der Fokus liegt dabei auf einem älteren Herrn, der im Altersheim gepflegt wird und seine Tochter nicht mehr wahrnimmt oder erkennt. Voller Verzweiflung setzt sie ihrem Vater eine Virtual Reality Brille auf und lässt ihn durch sein früheres Haus wandern als sie selbst noch eine junge Frau war. Diese Erinnerungen entlocken ihm im tränenreichen Finale den Namen seiner Tochter. Dieser Spot lässt zwar kein Auge mehr trocken, spielt aber auch mit der Hoffnung kurzfristiger Heilmethoden, die (noch) nicht erwiesen sind. Vereint sind aber auch hier eine emotionale Ansprache und eine gut verpackte Produktvorstellung.

 

Das Rezept für gute Weihnachtsspots

Woran liegt es nun, weshalb wir uns wie kleine Kinder auf die Weihnachtswerbespots freuen und freiwillig Werbung schauen? Die Darstellung des Unternehmens durch seine Produkte oder zufriedene Kunden wird im Telekom- und Saturn-Weihnachtsspot zwar zurückgeschraubt, aber ist doch noch weit aus sichtbarer als im Edeka-Spot. Justin Bieber und Massiv sind in den ausgewählten Weihnachtsspots die zwei Star-Eyecatcher. Man könnte fast annehmen, der süß fiepende Edeka-Roboter gehöre ebenso dazu. Welche dieser Fokussierungen besser wirkt, hängt stark vom Zuschauer ab.

Sind es etwa die blockbustermäßigen Verfilmungen oder die thematisierten Gedanken, die uns selbst auch beschäftigen? Der Spannungsbogen trägt auch enorm dazu bei, dass wir uns die Spots bis zur letzten Sekunde anschauen. Nicht zu vergessen, die Emotionalität, die uns jedes Mal direkt ins Herz trifft.

Naheliegend sind jedoch die Weihnachtsgefühle, die uns Ende November und den gesamten Dezember jedes Jahr erfüllen. Wir scheinen zwar im Hinterkopf die Werbebotschaft der Unternehmen zu sehen, aber die emotionale Ebene hat einfach höhere Priorität. Stellen wir uns mal vor, wir schauen diese Spots im Hochsommer. Die Wirkung wäre wohl nicht die Gleiche.

Schieben wir die Werbewirkung fürs Erste beiseite und genießen die tollen Weihnachtsspots! Eine schöne Adventszeit Euch allen.

Von Anna