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Was macht eigentlich ein Chefredakteur? Interview mit Oliver Haustein-Teßmer

Studium

Chefredakteur einer Zeitung zu sein, klingt toll – ist aber manchmal ganz schön anstrengend. Denn man darf nie den Überblick verlieren und muss sich außerdem Gedanken über die Zukunft der Zeitung machen. Oliver Haustein-Teßmer ist Chefredakteur der LAUSITZER RUNDSCHAU und hat uns verraten, wie das so ist...

Was macht ein Chefredakteur?

Viel! So viel, dass mein Tag gern länger sein könnte. Ich führe ein Team von rund 70 Kollegen, die an unserer Tageszeitung, am Wochenblatt und für unseren Online-Auftritt arbeiten. Insbesondere manage ich die Prozesse in der Redaktion: Das heißt, wie arbeiten alle Kollegen am besten zusammen? Wie verbinden wir gedruckte Zeitung und Online? Außerdem bin ich viel in der Region unterwegs und komme mit den Menschen ins Gespräch.

Wie sind Sie Chefredakteur geworden?

Ich wollte schon in der Schule Journalist werden. Als Jugendlicher habe ich deshalb angefangen, erste Sport-Berichte für meine Heimatzeitung zu schreiben. Nach dem Geschichts- und Politik-Studium konnte ich mit meinen Texten zu immer mehr Themen schon Geld verdienen. Nach meinem Volontariat, einer journalistischen Ausbildung, bei der LAUSITZER RUNDSCHAU bin ich zu den Zeitungen „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ gegangen und habe dort viel über Onlinejournalismus gelernt. Und schließlich bin ich 2015 wieder zurück zur LR gekommen – zuerst als stellvertretender und dann als „richtiger“ Chefredakteur.

„Zeitung ist nur was für alte Leute“, meinen viele Jugendliche. Stimmt das?

Nein! Eine gute Zeitung bietet für alle Altersgruppen etwas. Regelmäßig geht es bei uns zum Beispiel um Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen: Bau einer neuen Kita, Diskussion um einen Schulstandort, Freizeitmöglichkeiten, Ehrenamt, Ausbildung. Wir sind die einzigen, die immer nah dran sind, direkt aus der Region berichten und Geschehnisse einordnen – und das täglich! Natürlich konsumieren Jugendliche Nachrichten anders als Erwachsene. Deshalb bieten wir für junge Leser auch spezielle Online-Abos an.

Oliver Haustein-Teßmer in seinem Büro: Das tägliche Lesen der eigenen Zeitung gehört zu seinem Job.
Foto: Daniel Friedrich

Online ist ein gutes Stichwort: Wo ist denn die LR noch überall aktiv?

Unser Online-Angebot ist groß. Ich denke da an unsere Internetseite lr-online.de, an die LR-App, an unsere Kanäle auf Facebook, Instagram und Twitter. Dort haben unsere Reporter die Möglichkeit, Nachrichten durch Fotos und Videos noch interessanter aufzubereiten und Dinge mal ganz anders zu erklären. Der Vorteil gegenüber der gedruckten Zeitung ist außerdem, dass man sich online sofort informieren kann, wenn etwas passiert. Darüber hinaus veranstaltet die LR auch Konzerte und Lesungen in der Region, verkauft Tickets von Musical bis Energie Cottbus und bietet sogar Reisen an.

 

Zehn kurze Fragen an Oliver Haustein-Teßmer:

  1. Pünktlich oder gern auch mal fünf Minuten zu spät?

Leider öfters fünf Minuten zu spät.

  1. Frühaufsteher oder Langschläfer?

Notgedrungen Frühaufsteher. Am Wochenende in Familie auch gerne Langschläfer.

  1. Jeans oder Jogginghose?

Jeans.

  1. Redner oder Zuhörer?

Ich höre gern zu, kann aber auch genügend quatschen.

  1. Tradition oder Innovation?

Tradition ist für das journalistische Handwerk wichtig, egal ob gedruckt oder online. Aber man darf sich auch vor Innovationen nicht verschließen, sollte Dinge wie Onlinetools oder Smartphonevideos ruhig mal ausprobieren.

  1. Ist Ihr Handy ein Nutzgegenstand oder bester Freund?

Als Freund würde ich es nicht bezeichnen, aber ich nutze mein Handy schon sehr intensiv.

  1. Was hat Sie am Meisten geprägt?

Meine Eltern. Sie haben mich als freier Mensch erzogen und mir das nötige Selbstbewusstsein gegeben.

  1. Die besten Ideen kommen mir...

…oft nachts im Halbschlaf. Manchmal kann ich sie mir auch noch schnell notieren.

  1. Wenn ich Ihre Mitarbeiter fragen würde, was für ein Chef Sie sind, was würden sie wohl sagen?

Ich wünsche mir, dass ich ein Chef bin, der dazu steht, was er sagt, der zuhören kann, bei dem sich die Mitarbeiter gut aufgehoben fühlen und der auch lobt, wenn etwas gut lief.

  1. Drei Dinge, die ich noch machen will:

Erstens: Mit meiner Familie in die USA reisen. Da war ich nämlich noch nie. Mich interessieren die Leute, die Städte, die Literatur,… Zweitens: Die LR auf einen guten Weg für die Zukunft bringen. Und drittens: Alle anderen Dinge, die ich sonst nie schaffe.

 

Wie die Zeitung der Zukunft aussieht und was Oliver Haustein-Teßmer am meisten in Erinnerung geblieben ist, erfahrt ihr in unserem Video-Kurzinterview!