Navigation öffnen

Von der Muse geküsst…

Reportagen

In jedem Menschen steckt ein Künstler. Doch wer es wirklich ernst meint und davon träumt, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, hat ein hartes Stück Arbeit vor sich.

Ob Maler, Komponist oder Schauspieler, eine fundierte Grundausbildung ist in jedem Fall nützlich, sofern man kein Wundergenie ist. Beispielsweise an der Universität der Künste in Berlin, die mit über 4600 Studierenden Europas größte Kunsthochschule. Die vier Fakultäten „bildende Kunst“, „darstellende Kunst“, „Gestaltung“ und  „Musik“ bieten genug Platz, um sich kreativ auszutoben.

Elena Tamburini

Die neunzehnjährige Elena Tamburini hat sich ihren Traum verwirklicht. Sie studiert an der Universität „Bildende Kunst“. Im Oktober 2010 hat sie ihr Studium in der Hauptstadt begonnen, doch bis dahin war es kein leichter Weg. Um die Chance auf eine Ausbildung an einer der Kunsthochschulen Deutschlands zu erhalten, muss man bereits vor seinem möglichen Studium hart arbeiten. An fast allen Hochschulen gibt es Aufnahmeprüfungen, bei denen man sein Talent beweisen bzw. Arbeitsproben oder -mappen abgeben muss.  „Natürlich habe auch ich eine Mappe eingereicht“, erinnert sich Elena, „und nach einem Monat habe ich Bescheid bekommen, ob ich in der nächsten Runde bin“.  Die nächste Runde hatte es aber gewaltig in sich: Ein einwöchiger Prüfungsmarathon musste bewältigt werden, um für den Studiengang zugelassen zu werden. Eine schriftliche Prüfung, praktische Prüfungen sowie ein Gespräch vor der gesamten Professorenschaft trennten die Spreu vom Weizen und ließen sicherlich so manchen Traum platzen. Elena aber hat es geschafft, sie sagt: „Seit ich 16 war, ist es mein größter Traum, freie Kunst zu studieren und selbstständige Künstlerin zu werden. Worauf die Jury beim Auswahlprozedere geachtet hat, sei schwer zu sagen, auf jeden Fall müsse man künstlerisches Potenzial und einen starken Willen mitbringen. Das altbewährte Quäntchen Glück gehört eh immer mit dazu.

Die junge Studentin erklärt, dass im ersten Jahr die sogenannte Grundlehre absolviert werden muss. Wie an den meisten Hochschulen gibt es Lehrveranstaltungen, nur mit etwas anderen Themen: Malerei, Bildhauerei, Installation, Fotografie... Hinzu kommen kunstwissenschaftliche Seminare, Aktzeichnen und und und. „In der Gestaltung seines Studiums ist man sehr frei, man kann belegen was man will und muss nur schauen, dass man am Ende alle nötigen Scheine und Testate vorweisen kann“, so die Nachwuchskünstlerin. Den Rest der Zeit verbringen die Studenten meist in den Ateliers und Werkstätten, um an ihren Werken zu arbeiten.  Und genau das ist es, was viele so am Künstlertum begeistert: Freiheit, Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung. Doch bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten und der Preis hierfür ist hoch, denn es geht nicht ohne eine gewisse Portion Mut und Risikobereitschaft. Den Begriff der „brotlosen Kunst“ gibt es nicht umsonst schon seit hunderten Jahren, er hat durchaus seine Bewandtnis. Viele Künstler warten ein Leben lang auf ihren Durchbruch und hangeln sich von einem Job zum nächsten. Das kann ganz schön an den Nerven zehren und Selbstzweifel hervorrufen. Wer also seiner innersten Leidenschaft nachgehen möchte, muss damit rechnen, sich durchbeißen zu müssen. Tatsächlich bedarf es vor allem einigem Glück, damit man von seinem Schaffen, seien es nun Bilder, Skulpturen, Tanzstücke, Filme oder Lieder, leben kann. Doch es ist nicht unmöglich!

Bis dahin hat Elena allerdings noch ein bisschen Zeit. Sie kommt im Herbst nach der Grundlehre nun in die Fachklasse zu einem Professor. „Das tolle an meinem Studium ist, dass ich das machen kann, was mir Spaß macht und wonach mir ist. Hauptsächlich male und zeichne ich und befasse mich mit dem Menschen. Mit meinen Arbeiten, die gesellschaftliche Strukturen und soziale Abläufe reflektieren, möchte ich den Menschen einen Denkanstoß geben.“ Die Neunzehnjährige verwirklicht ihren Traum, deshalb war dieser Studiengang genau die richtige Wahl für Elena. Auf die spannende Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, antwortet sie: „Wie meine Zukunft aussieht weiß ich nicht. Ich lebe für den Augenblick, weil man nie wissen kann, wann es zu Ende ist. Auf jeden Fall will ich Ausstellungen machen!“ Eine wahre Künstlerin eben!

[nggallery id=5]