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Ultras – Gut oder böse?

Leben

Ausschreitungen, Krawalle - oder doch nichts? Im fiktiven "Sommerloch" liest man viel über Krawalle beim Fußball. Auffällig wenig jedoch, wenn es genügend andere Nachrichten gibt. Der Trend des "Ultra" - Bashing der Medien ist anscheinend vorbei. Für den außenstehenden sind Fußballfans jedoch leider immer noch oft Verbrecher? Wie kommt das zustande?

Faktor Medien:

Die Medien bestimmen die Meinungen vieler Leute. Beste Beispiel ist die contra Russland Berichterstattung in den öffentlich Rechtlichen. Da werden Bilder von russischen Übungseinsätzen genommen und als Überfall auf die Ukraine betitelt. Keine Frage, an diesen Vorkommnissen kann etwas dran sein, sicher sind diese Tendenzen nicht falsch. Dennoch ist es für den Außenstehenden schwierig die Wahrheit über diesen komplizierten Konflikt (Krieg darf man ja nicht sagen) rauszufinden.

Ähnlich ist es bei dem (natürlich nicht ganz so schlimmen) Thema Fußballfans. Da werden Bilder von Ausnahmefällen herangezogen und als alltäglich dargestellt. Natürlich gibt es Spiele bei denen es zu Ausschreitungen kommt. Aber diese muss man im Verhältnis betrachten. Statistisch gesehen passieren auf dem Oktoberfest in München, welches nicht annähernd so oft stattfindet wie Fußballspiele im Jahr, mehr Ausschreitungen statt als in der gesamten Saison. Natürlich ist das kein handfestes Argument. Leute, die Gras konsumieren, sagen ja auch, dass Gras nicht schlimmer als Alkohol ist. Letztendlich sind beides Drogen und nicht gut. So verhält es sich hier natürlich auch. Im besten Fall gibt es so wenig Krawall wie möglich.

Ein Beispiel:

Berichterstattung über das Spiel Arminia Bielefeld - Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga 2013/2014. Abstiegskampf pur.  Dresden reist mit einer riesigen Anzahl an Fans nach Bielefeld. Alle haben Gelbe Jacken an, um im Stadion ein einheitliches Bild abzugeben. Zugegeben ist es sehr übertrieben die dann schon zu Beginn des Tages anzuziehen, aber das ist ja kein Verbrechen. Ankunft in Bielefeld, bis auf ein paar Bengalos...nichts weiter. Keine Bielefelder werden verletzt. Dreck im Bahnhof (bei mehr als 3000 Menschen sicher kein Wunder). Ich selber war am nächsten Tag in Bielefeld am Bahnhof und es waren keinerlei Schäden zu erkennen. Zu Bengalfackeln kommen wir später noch. Fest steht aber das diese mit Sicherheit keine Gewalt darstellen, sondern letztendlich Bengalfackeln sind. Wenn ich eine Kerze anzünde ist das ja auch keine Gewalt. Sonst wären wir ja an Silvester alle Gewaltverbrecher und total brutal,oder?

Da ist das schließlich auch erlaubt. In dem folgenden Video steht die Kamera des WDR mitten in der Menschenmenge der Dresdener. Komisch ist nur: Woher wussten die WDR Reporter denn, dass es genau an dieser Stelle zu Ausschreitungen kommen wird. Und wieso sind sie schon vor Ankunft der Dresdener am Bahnhof? Außer eine kleine Bengalfackel sieht man normale Menschen, die ihren Verein schon vor dem Stadion supporten. Ich erkenne da absolut keine Gewalt. Der Beitrag wurde also vom WDR schon vorher so geplant und man hat im Prinzip auch das Material schon vorher zusammen gesucht. Wenn man mal die Zeiten des Interviews über die Ausschreitungen betrachtet, dann sieht man dass es da noch Taghell ist. Das Spiel fand aber Abends statt. Das heißt die Aufnahmen sind bereits vor der Ankunft der Dresdener entstanden. Abgesehen davon ist es verwunderlich, dass so viele Leute während der "Ausschreitung" zu Interviews bereitstehen.
Über den Einsatz von Bengalos kann man streiten. Fest steht, in diesem Video gab es keinerlei Gewalt, so wie bei dem ganzen Spiel nicht. Die Meldung, dass Fensterscheiben von Geschäften eingeschlagen worden wäre, erwieß sich als Falschmeldung von der Polizei, welche es aber erst Wochen nach dem Spiel zugab.

Man kann also an diesem Beispiel festhalten, dass Krawall vorkommen mag, aber in keinem Fall die Regel ist. Bengalos mit Gewalt gleichzusetzen ist falsch. Natürlich kann man darüber diskutieren ,wie schwachsinnig der Einsatz von Feuer im Block ist, aber das Ziel jemanden damit zu verletzen gibt es jedenfalls nicht!

Beispiele für friedliche Spiele: Ariminia Bielefeld - Paderborn (JEDES Spiel), Energie Cottbus - Dynamo Dresden (2014/2015), die Liste könnte ich so ziemlich unendlich weiter führen. Aber ich möchte ungern Spiele wie VFR Aalen  - Sc Paderborn, FSV Frankfurt - SC Paderborn, Cottbus - Großaspach, Cottbus - Chemnitz etc, aufführen. In mehr als 100 Spielen gab es nur einmal Ausschreitungen, die ich als so bezeichnen würde. Ahlen - SC Paderborn vor einigen Jahren im DFB Pokal. Durch mehrere hitzige Spiele zuvor, in welchen die Polizei merkwürdigerweise verhältnismäßig viel zu viel Polizisten eingesetzt hat, spiegelte sich auch sportlich ein rivalisierendes Verhältnis raus. Zwischen verschiedenen Ultra Gruppierung gab es nicht grade freundschaftliche Verhältnisse. Dennoch gab es an diesem Spieltag NICHT ANSATZWEISE Ausschreitungen in Richtung der Ahlener Fans, sondern lediglich grundlos prügelnde Polizisten, mit Pfefferspray, die aggressiver waren als alle Fans in dem Stadion zusammen. Den Grund für den Einsatz weiß ich bis heute nicht und werde es wohl auch nie verstehen.

 

Faktor Polizei:

Nachdem viele Menschen nun durch die Medien schon einen schlimmen Eindruck von Ultra Gruppierungen bekommen haben. Bilder von Pyrotechnik mit dem Wort: Gewalt verbunden ziehen eben immer, kommen noch zweifelhafte Polizeieinsätze und übertriebene Härte der Polizei dazu. Natürlich ist es für diese nicht sonderlich toll, an einem Wochenende zu arbeiten. Allerdings ist es auch in den meisten Fällen gar nicht erforderlich. Dazu einmal folgende Videos:

Verdacht auf Pyrotechnik, der sich als falsch herausstellte, veranlasste diese Hundertschaft mal eben einen Block zu stürmen. Verletzt wurden unter anderem Frauen und Kinder. Sinn dieser Aktion gleich Null. Hier war der Block wenigstens leer. In einem vollen Block bricht da leicht Panik aus:

 

Wegen einer Fahne wurde der komplette Block gestürmt, Panik mehrere Verletzte und im Endeffekt kein Ergebnis. Dadurch wurde nichts verhindert sondern nur großer Schaden ausgelöst. Die Fahne war übrigens von einem befreundeten Verein und hing deswegen im Schalke Block. Seit diesem Ereignis gibt es glücklicherweise diese Saison erste Versuche die Polizei zu reduzieren. Erste erfolgreiche Tests gab es gleich am ersten Spieltag in der Bundesliga. So wurde beispielsweise bei dem Spiel Paderborn - Mainz viel weniger Polizei eingesetzt. Mit Erfolg. Keine Ausschreitungen, keine Gewalt, keine Pyro nichts. Also eigentlich alles wie immer, nur weniger Polizei. Bei Risikospielen wird natürlich trotzdem viel Polizei eingesetzt. Der Sinn dürfte aber spätestens nach dem Vorfall auf Schalke hinterfragt werden müssen.

Auch hier ist klar. Polizei ist natürlich erforderlich und manchmal nötig. Nur sollte man das Verhältnis auf beiden Seiten entspannen. Vor allem durch die Medien wird eben vor allem den Ultra-Gruppierungen vermittelt, dass sie alles Verbrecher sind und Gewaltäter. Dieser Hass überträgt sich natürlich dann auf die Polizei, die als Staatsvertreter in diese Bereiche der Fans eingreift. Die Polizei hat den Druck der Öffentlichkeit, dass sie gegenüber den kritischen Medien bestehen müssen. Das Problem: In den Medien wurde der Vorfall auf Schalke auch als sinnlos und schlecht abgestempelt. In sofern kann die Polizei es natürlich auch keinem Recht machen. Daher ist der Schritt die Einsätze in einem sinnvollen Maß zu reduzieren sicher nicht verkehrt.

 

Faktor Ultras:

Fußballfans sind keine Verbrecher - Da mag eigentlich jeder zustimmen. Für die meisten sind nur die "Ultras" die Verbrecher. Von Hooligans hört man schon lange nichts mehr, denn laut Medien sind alle Ultras Hooligans und umgekehrt. Schwieriges Thema. Ultras stehen aber in allererster Linie hinter ihrem Verein. Support, Choreo, Auswärtsfahrten stehen ganz oben. Organisiert wird das meistens sogar in Fanprojekten, die mit dem Verein abgesprochen sind. Die Aktion 12:12 hat gezeigt, dass ohne Ultras der deutsche Fußball nicht annähernd so attraktiv wäre. Wer jetzt sagt: Alles gewaltbereite Idioten, die machen keine Stimmung sondern nur Krawall, der sollte vielleicht mal folgendes Video sehen. Bei der Aktion 12:12 haben die Ultra und Supportgruppierungen in sämtlichen deutschen Ligen zu Beginn des Spiels für 12 Minuten und 12 Sekunden geschwiegen. Es herrschte totenstille im Stadion.

12:12 Ohne Stimme keine Stimmung:

Dresden:

Dortmund:

Schalke:

Bayern:

http://www.youtube.com/watch?v=SbHmklwT0AE

Paderborn:

Union Berlin:

MDR Beitrag:

Ultras sind wichtig für die Kurve!

Doch warum ist der Ruf dann so schlecht? Die Gründe sind Pyrotechnik und Gewalt. Beides gilt getrennt zu betrachten. Pyrotechnik war bis vor einigen Jahren kein Problem. Selbst bei älteren Fifa-und Fußballspielen gab es sogar Pyro in den Rängen. In den 80ern komplett akzeptiert! Damals kommentierte man sowas mit: südländischer Atmosphäre, da Bengalos zu erst in Italien eingesetzt worden waren. Die Medien haben daraus ein Gewaltsymbol gemacht. Bestes Beispiel Johannes B. Kerner. Er zündet eine Stoffpuppe mit einem Bengalo an. Das ist ja alles schön und gut. Wenn Pyrotechnik in gekennzeichneten Zonen erlaubt wäre, hätte man mehr Sicherheit, als wenn man dann den Block mit Polizei stürmt. Im übrigen gab es noch keine unbeteiligt verletzten durch Pyrotechnik. Durch das Verbot verhält es sich wesentlich gefährlicher als ohne. In Österreich, der Schweiz, Niederlande, Polen sind Pyrotechnik übrigens nicht derart verboten. Dort gibt es keine Unfälle mit Bengalos und Co.

ABER: Was natürlich ein Tabu ist sind Böller und andere Sprengkörper. Diese sind auch im Sinne der Ultras komplett sinnlos, dienen nicht als Stilmittel und sind wesentlich gefährlicher.

Unbestreitbar ist, dass es natürlich viele gibt, die sich nicht daran halten. Feuerwerkskörper in andere Blöcke werfen und Böller schmeißen. Das sind die berühmten Einzelfälle. Sympathisanten für Bengalos gibt es hingegen sehr viele.

Das Gewaltproblem: Kategorie C, das ist eine Einteilung der Polizei für gewaltsuchende Fans. In der Regel Hooligans. Ultras fallen eher unter die Kategorie B. Gewaltbereit. Wenn sie angegriffen werden, dann verteidigen sie sich. Problem an der Sache: Ultras und Hooligans sind zwar Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen. In einigen Fanszenen aber gemischt. Hooligans sind im Gegensatz zu den Ultras nicht am Support des Vereins interessieren. Gehen häufig gar nicht ins Stadion und treffen sich zu verabredeten Terminen mit anderen Hooligans. Meiner Ansicht nach gibt es hierbei kein Problem. Die Treffen sich dann auf irgendeiner Wiese und starten die 3. Halbzeit. Solange die sich grundlos die Schädel einschlagen, nachher mit Shakehands das Feld verlassen und es als Sport ansehen, sollen sie doch machen. Dabei ist niemand drittes betroffen. Das Problem ist natürlich die Mischung.Wenn Ultras und Hooligans zusammen auf dieselben vom gegnerischen Verein treffen wird es kompliziert. Dann ensteht eine Massendynamik. In dem Fall ist die Polizei natürlich erforderlich.

Wir halten aber fest: Ultras suchen keine Gewalt und unterstützen in erster Linie den Verein.

Letztendlich muss aber jeder selber wissen was er davon hält. Angst haben ins Stadion zugehen muss man schon gar nicht. Vor Bengalos müsste man sich auch nur "fürchten" wenn man innerhalt der Ultragruppierungen steht und dort stehen meistens der gleiche Kreis von etwa 50-500 Leuten oder mehr. Abschließend noch einige Impressionen, die das Fußballspiel eigentlich erst sehenswert machen:

German Ultras Pt 1/2 - Ultras Channel: 

Pyro is not a crime!

Dieser Text ist die persönliche Meinung des Autors. Nicht der Redaktion von PLANBAR.