Navigation öffnen

Wer hat an der Uhr gedreht?

Reportagen

Diese Frage stand am Ende jeder Pink-Panther Folge im Raum. In unserem Fall ist es der 27-jährige Andreas Wünsche aus Vetschau, der an den Uhren herum schraubt. Er ist Uhrmacher aus Leidenschaft.

Schaut man auf die Handgelenke junger Leute, sieht man daran selten eine Armbanduhr. Eher Armbändchen vom letzten Festival. Wozu auch eine Uhr tragen? Überall wird einem die Zeit angezeigt, vorzugsweise digital. Manch einer scheint nicht einmal mehr in der Lage zu sein, eine analoge Uhr zu lesen. In jedem elektronischen Gerät des täglichen Lebens ist eine Uhr integriert, ob im Handy, PC oder MP3-Player.

Doch so wie diese Geräte mehr als nur Zeitmesser sind, so sind auch Armbanduhren vielmehr Accessoire und Ausdruck des eigenen Stils.

Als Andreas sich die Frage stellte „Was will ich in meinem Leben machen?“, ging es bei ihm mit der Uhrenliebhaberei los. „Direkt zum Beruf des Uhrmachers bin ich durch ein Berufs-Informations-Zentrum gestoßen. Ich fand ein interessantes Video, bei dem es um die Herstellung feiner, mechanischer Uhren ging. Mich haben die Maschinen und welche Präzision man mit ihnen erreichen kann, unglaublich fasziniert.“ Es war das Interesse an kleinen, schönen Dingen, welches Andreas zu diesem Beruf bewegte. Er wollte die Technik in den Uhren verstehen und gleichermaßen in der Lage sein, sie mit seinen eigenen Händen herzustellen.

Seine Ausbildung begann er dann in der Glashütter Uhrmacherschule im Sächsischen Erzgebirge. „Die Stadt Glashütte ist, was Deutschland angeht, das Uhrenmekka schlechthin“ erklärt er mir. Die Uhrmacherei hat seit über hundert Jahren Tradition in Glashütte. Einige der wichtigsten Entwicklungen und Erfindungen auf diesem Gebiet stammen aus dieser Stadt. Große Uhrenhersteller aus dem Luxussegment wie A. Lange und Söhne, Glashütte Original oder Nomos haben hier ihren Stammsitz. Die Ausbildung war in Andreas‘ Fall eine schulische Vollzeitausbildung. „Die Ausbildungszeit dauert drei Jahre, geht darüber hinaus aber ein ganzes Berufsleben lang.“

Doch zuvor musste der Einstellungstest gemeistert werden. „Dabei geht es hauptsächlich darum, wie es um das technische Verständnis, die mathematischen Fähigkeiten und das räumliche Vorstellungsvermögen bestellt ist.“ Auch die feinmotorischen Fähigkeiten werden getestet. Das klingt alles vielleicht schwierig, ist aber auf jeden Fall machbar. Andreas brachte dafür die idealen Voraussetzungen mit. Bereits in seiner Kindheit beschäftigte er sich mit filigranen Hobbys wie dem Modellbau.

Bei der Ausbildung selbst, wird der Lehrling jedoch nicht gleich an die Uhren rangelassen. „Im 1. Lehrjahr bekommt man hauptsächlich die Grundlagen der Metallbearbeitung und sehr viel Theorie beigebracht. Am Anfang ähnelt es eher einer Ausbildung zum Schlosser, da es in den ersten Monaten deutlich gröber zur Sache geht“ weiß Andreas zu berichten.

Trotzdem es anfangs etwas derber zur Sache geht, ist der Uhrmacherberuf keine Männerdomäne. Während Andreas‘ Ausbildung hielt sich der Anteil zwischen Männern und Frauen die Waage. „Es ist ja in dem Sinne auch kein besonders körperlich anstrengender Beruf. Vielmehr geht es darum, über lange Zeit hoch konzentriert arbeiten zu können.“

Ab dem 2. Lehrjahr geht es los mit den Kleinuhren. Es werden technische Feinheiten näher erörtert, um kompliziertere Mechaniken zu verstehen. Eventuelle Fehler werden im Uhrwerk lokalisiert und dann behoben. Das Anfertigen einzelner Kleinteile gehört ebenfalls dazu.

Für Andreas ging es nach seiner Ausbildung erst einmal nach Nürnberg. In einer kleinen Goldschmiede konnte er relativ schnell seine ersten Handwerkserfahrungen sammeln. „Das war äußerst abwechslungsreich, da die Firma eine Vertragswerkstatt des damaligen Versandhauses Quelle war. Dadurch landeten eine Fülle von verschiedenen Uhrenmarken bei uns auf dem Tisch.“

Ein Uhrmacher kann mit einer ganzen Reihe verschiedener Aufgaben konfrontiert sein. Zum Beispiel mit der Herstellung, Montage, Demontage und Reparatur von Uhren in der Serien- oder Einzelfertigung. Die Fehlersuche, Wartung, Pflege, Prüfung und Justierung von modernen, wie historischen Uhren gehört auch zum Alltag. Bei kleineren Handwerksbetrieben werden ebenso kaufmännische Fähigkeiten abverlangt, da man hier viel Kundenkontakt hat.

So viele Tätigkeiten dieser Beruf umfasst, on so vielen Bereichen kann ein zukünftiger Uhrenmacher auch arbeiten: Sei es als Fachverkäufer in der Schmuckbranche, im technischen Kundendienst, im Dienstleistungssektor oder für die Qualitätssicherung.

Auch Andreas stellte sich na ca. fünf5 Jahren einer größeren Herausforderung. Heute ist er Werkstattleiter bei einem namenhaften internationalen Schmuckunternehmen, das seinen Hauptsitz in der Nähe von Nürnberg hat. Dort hat er eine Vielzahl an Aufgaben zu bewältigen, die teilweise mit den eigentlichen handwerklichen Aufgaben nicht mehr viel zu tun haben. „Da wäre zum einen die verantwortungsvolle Aufgabe der Personalführung, was einem menschlich schon einiges abverlangt. Man muss viel Verständnis für seine Mitarbeiter aufbringen und diese auch bei allen möglichen Problemen im täglichen Arbeitsleben und darüber hinaus betreuen.“ Die Führung der Werkstatt selbst umfasst Tätigkeiten wie die Erstellung von Statistiken, die der Qualitätssicherung dienen. Auch muss er sich um die Beschaffung, Wartung und Pflege der neuen Werkzeuge und Maschinen kümmern. Andreas muss immer auf dem neusten Stand sein, um den sich ständig ändernden technischen Anforderungen gewachsen zu sein.

Als Uhrmacher bleibt es natürlich nicht aus, mehrere Uhren zu besitzen. „Ich glaube meine erste Uhr war eine Digitale von Casio, da war ich ca. zehn Jahre alt. Aber wirklich bewusst habe ich mir eine mechanische Uhr mit 16 zugelegt. Das war eine Automatik-Uhr von Raymond Weil, von da an ging die Leidenschaft richtig los.“ Eine Schmerzgrenze hat Andreas bei Uhren, was den Preis angeht, nicht. „Das kommt immer auf die finanzielle Lage an und wie sehr ich mir ein Modell wünsche.“ Laut Andreas muss eine gute Uhr aber nicht immer zwingend teuer sein. „Das liegt auch immer ein wenig an der jeweiligen Marke des einzelnen Unternehmens. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hier maßgeblich. Es gibt natürlich auch Marken, bei denen man sehr viel für das Marketing des Produkts bezahlt.“

Mit seiner Tätigkeit ist Andreas u.a. dafür verantwortlich, dass so mancher dank seiner Uhren pünktlich zu einem Meeting oder einem anderen Termin kommen kann. Was für ein Verhältnis hat da ein Uhrmacher zur Zeit, die ja laut Einstein bekanntlich relativ ist? „Ich bin selbst ein Mensch, der es sehr genau nimmt mit der Pünktlichkeit. Ich versuche immer pünktlich zu sein und wenn mich Leute warten lassen, mag ich das weniger.“ Eine weitere Leidenschaft von Andreas ist die Musik, die er auch gleichzeitig als Ausgleich zum Beruf nutzt. Er spielt in zwei Punkbands. In der einen als Sänger, in der anderen nutzt er sein handwerkliches Geschick als Gitarrist.

Was für Aussichten gibt es in und für die Uhrenherstellung? Einen Trend zur Digitalisierung ist auch in dieser Branche zu verzeichnen. Es wird mit Tablet-PCs direkt am Werktisch gearbeitet um Bau- oder Ölpläne für komplizierte Uhren zur Hand zu haben. Mittlerweile gibt es Uhren, die über ein hochauflösendes Display verfügen und drahtlos mit deinem Smartphone gekoppelt sind. So hat man alle Informationen am Handgelenk. „Die Technik bleibt nicht stehen und es gibt immer wieder etwas Neues zu erlernen“, gibt Andreas zu.

Auch die Uhrenmacherbranche muss sich für die Zukunft wappnen. Personal ist auf diesem Gebiet in Deutschland, wie auch international, gefragt. „Wer einen solchen Ausbildungsplatz bekommen hat und die Gesellenprüfung absolviert hat, kann sich sicher sein, einen äußerst angesehenen und abwechslungsreichen Beruf erlernt zu haben. Ebenfalls gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten und attraktive Aufstiegschancen.“ Für ihn heißt das u.a. die Meisterprüfung in Angriff zu nehmen.

„Ist es wirklich schon so spät? Stimmt es, dass es sein muss: Ist für heute wirklich Schluss?“