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Über Affen, Drogen und das erste Mal

Reportagen

Berlin, 21.00 Uhr. Rauchschwaden, gedimmtes Licht und Spannung liegen in der Luft. Wir haben unseren Zielort tatsächlich erreicht, dass Monarch in Berlin.

Voller Erwartungen & Aufregung machten wir uns auf den strapaziösen Weg nach Berlin. Kein Hindernis war uns zu hinderlich und wir sollten auch nicht enttäuscht werden.
Wie schon letzte Woche angekündigt, waren wir Torsuns & Linus Lesereise auf der Spur. Angekommen im liebevoll rustikal eingerichteten Monarch, besonders begeistert von den Lichtquellen aus den frühen 80er Jahren, suchten wir uns einen Platz. Relativ versteckt, dennoch mit guter Sicht auf die Mainact´s des Abends.
Die Reise in die Welt der Teenager der 90er Jahre und der Berliner Drogen- und Partyszene begann mit dem Trailer von Linus‘ ersten Buch und endete mit einem mehr oder auch weniger bequemen Interview.
Um euch in die richtige Stimmung zu versetzen, mit der wir diesen Abend erlebten, könnt ihr euch hier den Trailer zum Buch „Kein Schlaf bis Langenselbold“ ansehen. Trailer

Besonders erfreulich an diesem Abend für die beiden Protagonisten: Es war tatsächlich Publikum vor Ort! In den Städten vor Berlin, muss dieser etwas andere Leseabend nicht den gewünschten Erfolg erbracht haben. Doch umso besser für uns, die zwei mussten nun mächtig in die Pedale treten!
Der Abend war gespickt mit Lesungen aus beiden Büchern, gewürzt mit Videos und verziert mit Anekdoten aus zwei unglaublichen und doch wahren Lebensabschnitten.
„Kein Schlaf bis Langenselbold“ erzählt die Geschichte der Zwillinge Malte & Frederik – wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Vom ersten Mal mit der Freundin, über den ersten „Genuss“ von Alkohol bis hin zu Feldhockey .Wir können versichern, beim Lesen bleibt kein Auge trocken, vor Lachern versteht sich.
Torsuns Buch „Raven wegen Deutschland“ erzählt die Geschichte der Band Egotronic & das gibt Einblicke in Torsuns Leben. Auch daraus wurden einige Zitate vorgetragen, die in Erinnerung bleiben. Die Erklärung warum ein echter „Raver“ immer Kaugummi mit sich führen sollte und warum „Pfeffi“ die beste ostdeutsche Erfindung aller Zeiten ist, könnt ihr in den 276 Seiten nachlesen.
Uns ist vor allem in Erinnerung geblieben, wie Torsun seinen Helden der Kindheit „Fix & Foxi“ zu einer neuen, noch nie dagewesenen Drogen-Musik-Intrigen-Freundschaft-Interpretation verhalf. Die Geschichte von „Fix & Toxi“ . Doch wir möchten euch nicht zu viel verraten, gebt euch der Versuchung einfach hin: Fix&Toxi.

Um nun an das angekündigte Interview zu kommen, mussten wir uns durch Massen von Fans und Groupies kämpfen. Wir schwitzen und schupsten, wir haben geschrien und getreten und kamen überhäuft mit Wunden bei unseren Helden des Abends an. (Übertreibungen nicht ausgeschlossen)
Wir begaben uns in den Eingangsbereich des Monarch, auf eine Treppe, die kantiger und härter nicht sein konnte und genossen es die Fragen zu stellen, die uns schon seit Wochen unter den Nägeln brannten.
Was genau wir gefragt haben, was es mit den Affen auf sich hat und was „what the fuck“ ein „Vegetarier-Bingo“ ist, lest ihr super exklusiv hier auf PLANBAR!

Torsun und Linus - Das Interview

Planbar an Torsun: Was hat dich dazu bewegt ein Buch zu schreiben?:

Torsun: Der Lars, der Labelchef von Audiolith hat mich quasi dazu gezwungen. Als wir in Hamburg beim Reeperbahnfestival waren, kam er auf die Idee, dass ich ein Buch schreiben sollte. Ich dachte erst, es sei nur so eine „Suffidee“. Die Idee fand ich dann gar nicht so schlecht, und hab es getan. Zudem ist auch noch zu sagen, dass das erste Buch in Zusammenarbeit mit Kulla entstanden ist.

Planbar an Torsun: In deinem ersten Buch geht es hauptsächlich um Drogenkonsum und die Berliner Partyszene. Denkst du nicht du könntest einen schlechten Einfluss auf deine Leser und Fans haben?

Torsun: Es ist einfach so ehrlich aufgeschrieben wie ich die Zeit erlebt habe und wie es war. So schlimm ist es auch nicht mehr.

Linus: (lacht) Ja wer‘ s glaubt.

Torsun: Ich weiß, dass ich damit keine Vorbildfunktion erfülle aber ich möchte auch kein Vorbild sein.

Planbar an Torsun: Wie siehst du dein Leben im Rückblick? Würdest du etwas anders machen oder bereust du etwas?

Torsun: Nein, niemals. Ich würde alles genauso machen. Es war eine super geile Zeit die ich erlebt habe und ich bereue nichts.

Planbar an Torsun: In deinem ersten Buch schreibst du darüber, wie du deiner Mutter erzählt hast, dass du dich sterilisieren lassen hast. Auf die Frage nach dem „Warum?“ hast du geantwortet: „Weil ich will, dass die Deutschen aussterben“ Was hält dich eigentlich noch in Deutschland, denn deine linksradikale Einstellung ist ja kein Geheimnis?

Torsun: Hätte ich die finanziellen Mittel, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr in Deutschland. Da ich vieles furchtbar scheiße finde und der Meinung bin, dass vieles in diesem Land nicht richtig läuft bringe ich das auch zur Sprache.  Aber das muss nicht bedeuten, dass in andern Ländern alles richtig läuft und ich weiß auch, dass es wo anders nicht unbedingt besser ist.

Planbar an Torsun: Was hat dich dazu bewegt ein zweites Buch zu schreiben?

Torsun: Ich habe gemerkt, dass mir das Schreiben unglaublich viel Spaß gemacht hat. Ich habe so zu sagen Blut geleckt. Und wollte nun eine erfundene Geschichte schreiben, die man so kaum erleben kann.

Info: Das zweite Buch spielt in einer Zeit in der Red Bull noch illegal war.

Planbar an Linus: Wie viel autobiografisches steckt in deinem aktuellen Buch „Kein Schlaf bis Langenselbold“?

Linus: Natürlich schöpft man immer etwas aus sich selbst. Ich bin zwar kein Zwilling und ich spiele auch kein Feldhockey, aber ich kenne natürlich auch die Käffer rund um Langenselbold. Somit fließen viele Erfahrungswerte meinerseits ein und es steckt schon viel drin.

Planbar an Linus: Was denkst du von Torsuns Büchern?

Linus: Zunächst dachte ich mir „Der verrückte Torsun bringt sein erstes Buch raus, naja mal gucken…“  Aber als ich es dann bekommen habe, war ich total begeistert.

Torsun: Ja ich denke auf den ersten Blick wirken wir sehr unterschiedlich, doch sind uns im Endeffekt sehr ähnlich.

Planbar an Linus: Wir haben gelesen dass du Alkohol und Drogen ablehnst und auch vegetarisch lebst. Warum diese Einstellung?

Linus: Das mit dem Alkohol und den Drogen war eigentlich mehr eine PR-Lüge um diese Lesereise ins Laufen zu bringen, weil man so denkt dass zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen die gemeinsam auf Tour gehen. Vegetarisch lebe ich aus Überzeugung und ich habe dafür immer kein Verständnis das die Leute es nicht tun. Warum muss erst etwas sterben, bevor man isst, wenn man doch die Entscheidung hat.

Torsun: Ja schon, aber Tiere essen ja auch Fleisch. Und ich finde ja am schlimmsten sind zum Beispiel Hyänen weil die anfangen zu fressen während das Tier noch lebt.

Linus: Das find ich immer ganz interessant, Fleischesser fühlen sich dadurch immer bedroht und versuchen sich dann immer recht zu fertigen.

(Holt Zettel aus dem Portemonnaie) Dafür habe ich ein Vegetarier-Bingo, wo ich alle Argumente durchstreichen kann. Damit kann ich „Tiere essen doch auch Fleisch“ auch durchkreuzen. Oder auch „Adolf Hitler aß doch auch kein Fleisch“.

PLANBAR an Linus und Torsun: Wie kam es dazu eine gemeinsame Lesereise zu starten?

Linus: Ich hab das Buch fertig gehabt und Torsun hat ja nun auch sein zweites Buch geschrieben. Ich habe ihn ein paar Mal getroffen und fand auch dass was er schreibt eigentlich ganz interessant. Auf den ersten Blick sind wir uns inhaltlich vielleicht nicht sehr ähnlich aber es gibt doch ein paar Gemeinsamkeiten. Sein Buch kam ja auch bei dem Ventil Verlag heraus. Wir beide kommen aus Südhessen und er interessiert sich auch für autonomes Zeug. Wir haben schon strukturell viele Gemeinsamkeiten und finden uns persönlich sympathisch.

Torsun: Ja und auf der Bühne was man auch gesehen hat, betrink ich mich dann und Linus trinkt seine Cola. Aber wie schon gesagt, so unterschiedlich sind wir dann doch nicht.

PLANBAR an Torsun und Linus: Was ist euer Beitrag um die Welt ein kleines bisschen besser zu gestalten?

Linus: Ja also ich denke Vegetarismus oder eben fleischlos leben ist schon ein kleiner Beitrag.

Torsun: Für mich wäre es schon eine bessere Welt wenn die Grenzen aufgehoben werden würden, aber das bleibt immer noch ein bisschen Utopie. Ich streite mich auch oft mit den Leuten und vertrete meine Meinung um den Leuten etwas zu vermitteln. Aber im Endeffekt bleibt das ein verbaler Versuch.

PLANBAR an Torsun und Linus: Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

Torsun:  Ach keine Ahnung, vielleicht wieder Harz IV oder immer noch Musik. Vielleicht wird es nicht ewig so laufen und ich kann nicht mehr von der Musik leben und dann denkt man schon nach.  Ich denke ich befinde mich gerade auch in einer Art Midlife-Crisis. Aber ich habe letztens gelesen, dass Affen das auch bekommen. Wenn sie jung sind finden sie alles noch ganz cool, dann in der Mitte ihres Lebens werden sie so bisschen nachdenklich. Und am Ende ist ihnen wieder alles scheiß egal und sie leben ganz gechillt.

(Zu Linus)Ich glaube, dass du immer noch so schrullig wie jetzt auch bist, wirst immer noch bei der Intro arbeiten und wirst noch 5 weitere Bücher geschrieben haben.

Linus: Na danke!

Torsun: Ja doch, ich denke dass du nie so ein Mainstream-Autor wirst.

Linus:  Ja also es kratzt manchmal schon an so prekären  Lebensverhältnissen, die ein bisschen mit Sorgen belastet sind.

Torsun: Aber dennoch, wer weiß…vielleicht bin ich in 10 Jahren wieder an dem Punkt wo ich sagen „Yeeah alles voll geil!“

Jetzt wissst ihr also auch Bescheid, über unsere Eindrücke aus Berlin und über die beiden, doch eher verrückten, Autoren.  Doch damit nicht genug, denn wir wären ja nicht PLANBAR wenn wir nicht auch noch ein Geschenk von den beiden mitgebracht hätten! Bei uns könnt ihr ein handsigniertes Exemplar des ersten Buches von Torsun "Raven wegen Deutschland" gewinnen & natürlich auch das Buch "Kein Schlaf bis Langenselbold".

Wie das geht? Beantwortet uns die Frage aller Fragen: WO genau hat die Lesung in Berlin stattgefunden? Noch bis zum 31.12.2012 habt ihr die Möglichkeit zu gewinnen.