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Der tiefste Beruf der Lausitz

Reportagen

Rohrleitungen verlegen und Abwasserschächte erneuern – Wer sind die Leute, die zu unseren Füßen für einen reibungslosen Ablauf im Abwasserkanal sorgen?

Ein großes Loch klafft in der Hubertstraße in Cottbus - da, wo sonst Autos drüber fahren. Ein Mitarbeiter der TRB Gallinchen steht auf der Leiter und bewacht die Arbeit der Pumpen im Abwasserkanal.

Zuerst spreche ich mit Lutz Krüger, dem Polier des Bauabschnittes. Nein, er ist nicht derjenige, der zum Feierabend die Werkzeuge putzt. Der 54-jähige ist Vorarbeiter und beaufsichtigt die Arbeit in der Hubertstraße. Viele Mitarbeiter in der  Baubranche, auch Herr Krüger, sind gelernte Maschinisten und über einige Umwege in den Tief-,  Rohrleitungs-, oder Brunnenbau geraten.  Von ihm erfahre ich, dass die TRB Gallinchen nicht mehr ausbildet aber gern offene Stellen mit jungen, verlässlichen Leuten besetzt.

So hat es auch Matthias Dubra aus Spremberg in diese Branche verschlagen. Sein Vater machte ihn auf den Beruf  aufmerksam. Durch Ferienarbeit bestätigte sich Matthias‘ Wunsch, auf dem Bau zu arbeiten dann endgültig. Nachdem der heute 34-jährige seine Ausbildung als Kanalbauer in verschiedenen Bauunternehmen absolvierte, startete er 2001 bei der TRB Gallinchen an. In der Ausbildung lernt man viel über technische Mathematik und Bauzeichnungen, erzählt er mir. „Flächenberechnungen brauche ich heute noch auf der Baustelle.“ Es ist also Kopfrechnen angesagt.

Im Jahr 2005 ging es für Matthias mit Sack und Pack nach München, da seine Frau in Bayern einen Job fand. „Das war keine leichte Zeit“, so Matthias, „wir fanden schwer Anschluss, die Mentalität ist einfach eine andere da unten.“ Auch die Verwandten hier in der Lausitz fehlten der Familie, die Omas, die mal auf die Kinder aufpassen und langjährige Freunde. „Für die Kinder war es schwer, die Verwandten nur einmal im Jahr zu sehen“, erklärt er. Und so ging es 2005 wieder zurück in die Heimat.

Die TRB Gallinchen nahm Matthias Dubra gern wieder auf. Auf meine Frage, was das Gute an seinem Job bei der TRB ist, antwortet er: „Das tolle Arbeitsklima und der freundliche Umgang miteinander, da geht man jeden Morgen gern zur Arbeit.“ Auch die geregelten Arbeitszeiten kommen Matthias entgegen. „Das ist nicht in allen Betrieben so.“ Morgens geht es um 6.30 Uhr mit der Arbeit los und um ca. 16.00 Uhr ist Schluss. „Natürlich geht der Arbeitstag auch mal länger, aber das ist die Ausnahme“, erklärt der Senftenberger. Im Winter, wenn die Arbeit auf den Baustellen aufhört, wird das Lager auf Vordermann gebracht. Einige Betriebe müssen ihren Mitarbeitern in dieser Zeit aus wirtschaftlichen Gründen kündigen, um sie mit zunehmender Auftragslage wieder einzustellen. „Wir  bekommen in dieser Zeit sogenanntes Kurzarbeitergeld“, verrät  Matthias, „das erspart sen Gang zum Arbeitsamt“.

Auch in der Baubranche fehlt der Nachwuchs. „Ich kann mich noch gut an meine Ausbildungszeit erinnern, damals gab es viel mehr Auszubildende“, erzählt er. Warum das so ist, kann sich hier keiner erklären. Es gibt immer Arbeit, das Gehalt stimmt und man ist mit netten Kollegen im Einsatz. Mit extremen Vorurteilen ist man als Kanalbauer nicht belastet, den Ausspruch „Kanalratte“ kennt allerdings jeder. Als ich frage, ob er schon einmal eine Frau auf einer Baustelle getroffen hat, erzählt er: „Es gibt einige LKW-Fahrerinnen, die uns Teile liefern. Hut ab, vor denen, die sowas machen“. Ansonsten ist dieser Anblick  auf der Baustelle eher selten. Klar, hier wird schwer gehoben und mit schwerem Gerät gearbeitet. „Der Beruf ist körperlich schon anstrengend, wird aber oft härter dargestellt als er ist. Man bleibt fit“, gibt Matthias Dubra zu.

Zum Arbeitsschutz erfahre ich von Lutz Krüger, dass er als Vorarbeiter dafür zuständig ist. Festes Schuhwerk und Helm gehören dazu und wenn Löcher gegraben werden, wird ein Verbau angebracht. Dieser dient der Sicherheit und verhindert, dass Grubenwände einstürzen und Arbeiter verschüttet werden. In der Hubertstraße ist die TRB Tief-, Rohrleitungs- und Brunnenbau GmbH & Co. KG mit der Rekonstruktion der Abwasserkanäle beschäftigt. Später rücken dann die Straßenbauer an, um die Straße wieder befahrbar zu machen.