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„Polizisten des Himmels“

Reportagen

Fluglotse - Traumjob mit jeder Menge Verantwortung.

Über den Ablauf einer Fluglotsenausbildung und die, dafür benötigten Voraussetzungen sprach ich mit Heike Lenort, Personalreferentin der Deutschen Flugsicherung.

Was versteht man eigentlich unter einem Fluglotsen?

Einen Fluglotsen kann man sich wie einen Verkehrspolizisten für den Himmel vorstellen. Er sorgt dafür, dass jede einzelne Phase eines Flugs gesichert ist, kontrolliert Start- und Landevorgänge und überwacht die gesamte Bewegung auf dem Rollfeld. Dabei kann man sich das Flugzeug als Staffelstab und die Lotsen als Staffelläufer vorstellen. Während ein Flugzeug startet und noch in Sichtweite ist, wird es von einem Towerlotsen betreut, der es, sobald es für ihn nicht mehr sichtbar ist, an den, für diesen Bereich zuständigen, Centerlotsen übergibt. Befindet sich der Flieger dann im Landeanflug auf den Zielflughafen, wird die Zuständigkeit wieder an einen Towerlotsen weitergereicht.

Ok. Und was ist nun der entscheidende Unterschied zwischen dem Tower- und dem Centerlotsen?

Der Towerlotse arbeitet unter ständigem Sichtkontakt mit dem Flugzeug, oft unter Verwendung eines Fernglases. Während er das Radar nur bei schlechten Sichtverhältnissen oder bei Nacht als Hilfsmittel verwendet, arbeitet der Centerlotse ausschließlich am Radar. Er sieht die Flieger nur als kleine Punkte auf seinem Bildschirm und stimmt so, den gesamten „Straßenverkehr“ am Himmel ab. Um die Aufgaben, die ich vorhin schon mal nannte mal auf die Positionen aufzuteilen, heißt das also, dass sich der Lotse im Tower um  das Rollfeld sowie Start und Landung kümmert und der Centerlotse die Flugphasen dazwischen koordiniert.

Bei der Ausbildung erfolgt die Aufteilung zwischen Center und Tower nach dem Auswahlverfahren. Der Bewerber hat also nicht unbedingt Einfluss darauf, in welcher Position er später arbeiten wird.

Wo wir gerade beim Thema Ausbildung sind. Die Ausbildung zu einem Fluglotsen dauert im Schnitt zwei Jahre. Was lernt man in dieser Zeit?

Am Anfang stehen, wie in fast jedem Ausbildungsberuf die Grundlagen. Das sind in unserem Fall Fachenglisch, um sich später mit den Piloten an Bord verständigen zu können, Meteorologie und ihre Auswirkungen auf den Flugverkehr, Luftfahrtkunde, da auch der Lotse die technischen Daten bestimmter Flugzeugtypen kennen muss und natürlich die Navigation. Zu dieser fundamentalen Ausbildung gehören aber auch das Luftrecht, um zu wissen, bei welcher Entscheidung für den Flugraum, ich was bedenken muss und die Flugsicherungstechnik. Während sich dieser Abschnitt bei einem angehenden Towerlotsen auf zwölf Monate beläuft, ist sie bei einem künftigen Centerlotsen etwa vier bis fünf Monate länger.

Danach gehen beide in die Praxis, an ihren zukünftigen Arbeitsplatz. Dort trainieren sie unter Aufsicht des Ausbilders das wahre Leben und wenn er einschätzt, dass der Azubi soweit ist, allein die Verantwortung übernehmen zu können, bekommt er eine Lizenz und steigt voll ins Berufsleben ein.

Und wo kann ich diesen Beruf lernen?

Der erste Anlaufpunkt für diese Ausbildung ist eigentlich erst mal unsere Niederlassung in Langen. Nach der Grundausbildung, die dort stattfindet, sollte man allerdings flexibel sein. Für den Praxisteil kann der Azubi in ganz Deutschland eingesetzt werden, je nachdem wo Bedarf besteht.

Was macht denn einen solchen Beruf aus? Warum entscheiden sich junge Leute dafür, sich bei Ihnen zu bewerben?

Zum einen ist es natürlich ein sehr seltener Beruf. In ganz Deutschland gibt es derzeit nur ungefähr 1800 Fluglotsen. Auf Grund dessen werden bei uns auch alle Azubis, die den Abschluss geschafft haben, übernommen, was heutzutage kaum ein anderes Berufsfeld bietet.

Wenn ich mich mit meinen Kollegen unterhalte, ist ein Argument oft auch die Kreativität, denn die Entscheidung wie man die Situationen am Himmel löst, trifft man allein.

Durch den Schichtbetrieb bietet der Beruf außerdem einen hohen Freizeitwert. Nach fünf Tagen Dienst, folgen drei freie Tage, die man zur freien Verfügung hat. Wer kann das schon von sich behaupten? Viele Berufstätige nehmen sich oft Arbeit oder zumindest die Gedanken daran mit nach Hause. Auch das wird dem Fluglotsen nicht passieren. Er absolviert hochkonzentriert seine Schicht und kann danach, wenn er das Fluggelände verlässt, abschalten, was sicherlich einen weiteren Reiz ausmacht. Meiner Meinung nach bietet diese Ausbildung außerdem eine gute Alternative zum Studium, weil sie den jungen Leuten einen zukunftssicheren Job verschafft.

Ich habe gehört, dass Fluglotsen recht gut verdienen. Woran liegt das denn? Und um wie viel handelt es sich ungefähr?

Schon als Azubi bekommt man bei uns eine Ausbildungsvergütung von ungefähr 800 €. Die Auszubildenden wohnen in einem 70€-Gästezimmer direkt am Campus, das heißt wenig Ausgaben für die Unterkunft und keine Fahrtkosten, so bleibt von der Vergütung also auch einiges übrig. Während der Praxisausbildung in einer unserer Niederlassungen liegt das Gehalt dann zwischen 2800 und 3000 € und ein fertig ausgebildeter Fluglotse kann bis zu 7000 € pro Monat verdienen. Von dem Gehalt als Fluglotse kann man also durchaus sehr gut leben, daraus machen wir auch gar kein Geheimnis. Dazu kommt natürlich die bereits erwähnte 100%ige Übernahmegarantie nach der Ausbildung und die Gewissheit mit 55 Jahren von der Arbeit freigestellt zu werden und bis zur Rente weiterhin einen Teil des ursprünglichen Lohns zu erhalten. Man muss natürlich bedenken, dass ein Lotse in der Zeit, bis er das 55. Lebensjahr erreicht hat, auch in jeder Schicht eine enorm hohe Verantwortung für viele Menschenleben trägt. Derzeit laufen in Deutschland pro Jahr etwa drei Millionen Flugvorgänge pro Jahr ab. Damit ist also eine ständige Höchstkonzentration gefragt. Damit dürfte dann auch die Frage nach dem „Warum so viel?“ geklärt sein.

Wo wir gerade von Verantwortung sprechen, wie verarbeitet ein Fluglotse die Situation, wenn er einen Unfall verursacht hat und wie wird ihm bei der Verarbeitung geholfen?

Zum Glück ist es in Deutschland bisher noch nie passiert, dass ein Fluglotse an einem Unfall Schuld war. Es kann allerdings passieren, dass Flugzeuge auf Grund eines Lotsen-Fehlers nur knapp einer Berührung entgehen. Natürlich gibt es in solchen Situationen psychologische Hilfe, sowohl professionell als auch durch die Unterhaltung mit Kollegen.

Bleibt ein Fluglotse denn seine ganze Laufbahn lang an ein und demselben Flughafen?

Wenn er nicht aus persönlichen Gründen den ausdrücklichen Wunsch eines Wechsels äußert, macht das am meisten Sinn, denn die erworbenen Fluglizenzen gelten nur für einen bestimmten Luftraum. Nach der theoretischen Ausbildung sollten angehende Fluglotsen, wie ich vorhin schon erwähnte, allerdings trotzdem mobil sein. Sie können, je nach Bedarf, in ganz Deutschland eingesetzt werden. Dort bleiben sie dann allerdings meist ihre ganze Karriere über.

Zum Thema „Karriere“ fällt mir direkt noch eine Frage ein: Kann ich denn über den Fluglotsen-Status mit seinen verschiedenen Lizenzen hinaus kommen und weiter die Karriereleiter nach oben klettern?

Ja. Sie können an nationalen und internationalen Projekten teilnehmen, sich aber auch zum Ausbilder, Lehrer oder Prüfer weiter qualifizieren lassen. Also auch für unsere Lotsen ist die Karriereleiter nach oben offen. Ich sag nur so viel, auch einer unserer derzeitigen Geschäftsführer ist gelernter Fluglotse.

Und was muss ich mitbringen, um überhaupt erst einmal Fluglotse werden zu können?

Auf jeden Fall das Abitur. Und auch Englisch sollten sie bis zu Ihrem Abschluss gehabt haben. Das war schulisch gesehen eigentlich auch schon alles. Daneben spielen die charakterlichen Eigenschaften unserer Bewerber natürlich eine entscheidende Rolle. Räumliche Vorstellungkraft, hohes Merkvermögen, Teamfähigkeit und die Eignung selbstständig Entscheidungen zu treffen, sollten sich in Ihrem Persönlichkeitsbild vereinigen. Außerdem ist es wichtig, die Grundrechenarten und den Dreisatz gut zu beherrschen.

Im Internet habe ich einen Auswahltest gesehen. Wie kann ich mich darauf vorbereiten?

Wenn die Bewerber von uns eingeladen werden, sich bei uns vorzustellen, bekommen sie einen Link mitgeschickt. Diesen Link zu nutzen, ist eigentlich die einzige Vorbereitung die man treffen kann. Ansonsten muss man einfach die bereits erwähnten Eigenschaften mitbringen.

Was passiert denn, wenn ich durch die Abschlussprüfung falle?

Also, ein Mal kann man die Prüfung zum Fluglotsen wiederholen. Sollte auch der zweite Versuch danebengehen und der Auszubildende schafft die Prüfung nicht, versuchen wir trotzdem eine Einsatzmöglichkeit zu finden, mit der er unser Team verstärken kann. Dabei betrachten wir aber ob die drei Lehrjahre zufriedenstellend abgelaufen sind und sich derjenige Mühe gegeben hat. Sollte man also tatsächlich an der Prüfung scheitern, bekommt man die Alternativstelle nicht geschenkt.

Bekommen Fluglotsen denn die Möglichkeit kostenlos zu fliegen?

[Fr. Lenort lacht] Nein, ihre Urlaubsflüge bekommen sie, auch wenn sie bei uns angestellt sind, nicht geschenkt. Einige bekommen allerdings die Möglichkeit einen Streckenerfahrungsflug zu machen. Der ist dann kostenlos. Dabei sitzt der Fluglotse bei dem Piloten im Cockpit und schaut ihm beim Arbeiten über die Schulter. So erfährt er was seine Kollegen im Flieger machen, während er vom Boden aus Anweisungen gibt. Diese interessante Möglichkeit bekommen allerdings nur wenige.

Und zum Schluss noch eine Frage, die unsere Leser wahrscheinlich interessiert, wenn sie jetzt Lust auf den Fluglotsen-Job bekommen haben: Wo kann ich mich bewerben?

Wie ich vorhin schon einmal erwähnte, ist der erste Anlaufpunkt für die Bewerber die Niederlassung in Langen.

Hier ist die Anschrift:

DFS – Deutsche Flugsicherung
Am DFS-Campus 4
63225 Langen

Dort einfach die Bewerbung hinschicken und wir melden uns dann.

Vielen Dank für das nette und aufschlussreiche Interview.