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Synchronsprecher – Schauspieler hinter dem Mikrofon!

News rund um die Ausbildung

Kennt ihr das auch? Ihr stellt euch plötzlich eine Frage, über die ihr vorher noch nie nachgedacht habt? Mir ging es letztens so. Kurze Vorgeschichte: Ich fahre mit dem Auto zur Arbeit, höre Radio. Der neue „Stirb langsam“-Film mit Bruce Willis erscheint: „Jippijajey Schweinebacke“! Diesen Satz mit dieser unverwechselbaren Stimme kennt doch (fast) jeder. Meine Gedanken spinnen weiter. Wenn wir amerikanische Filme im Kino in Deutsch gucken können, müssen die ja synchronisiert sein, oder?! So entstand die Frage „Wie wird man eigentlich Synchronsprecher?“

Wie wird man eigentlich Synchronsprecher?

Es ist wirklich faszinierend, welche Stimmen man so heraushört. Wusstet ihr denn, dass Bruce Willis, Gerard Depardieu und der Typ aus der Praktiker-Werbung („20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“) von der gleichen Person synchronisiert werden? Die Rede ist von Manfred Lehmann, einer der bekanntesten Synchronsprecher und auch Schauspieler in Deutschland. Er selbst hat vor über 40 Jahren seine ersten Schritte als Synchronsprecher gemacht, als er den 3. Indianer bei Winnetou synchronisiert hat. Der Durchbruch kam mit Kurt Russell, und dann war Bruce Willis frei. In einem Interview einmal darauf angesprochen, wie stark er sich mit den Rollen identifiziere, die er synchronisiert, antwortete er nur: „Überhaupt nicht. Ich versetze mich hier in eine Rolle, damit ein Hollywoodstar deutsch sprechen kann. Und zwar so, dass das Gesagte zum Bild passt. Das ist alles.“

 

Als Synchronsprecher darf man keine Scheu haben, sich zu öffnen

Synchronsprecher ist keine Ausbildung im eigentlichen Sinne, wie zum Beispiel Bäcker oder Tischler. Synchronsprecher leihen Charakteren aus Hörfunk und Film ihre Stimme. Auch für Dokumentationen werden sie eingesetzt. Sie müssen viele verschiedene Emotionen zeigen können und lernen, diese Facetten nur mit der Stimme zu transportieren. Außerdem muss man sich in Rollen richtig reinversetzen können und keine Scheu haben, sich zu öffnen. In einer Sequenz müssen sie zum Beispiel um einen toten Freund weinen oder in der nächsten befinden sie sich in einer Action-Szene á la ‚Transformers‘.

 

Zuerst kommt die Schauspielausbildung

Wer hauptberuflich Synchronsprecher werden will, der kommt meist um eine Schauspielausbildung nicht drum rum. Das heißt, man muss zuerst eine Schauspielausbildung absolvieren und kann sich dann weiter spezialisieren. Ein Praktikum ist zu empfehlen. Zum Beispiel bei der Firma „Berliner Synchron“, die an den Standorten Berlin und München erste Einblicke ins Geschehen verschaffen kann. An der Deutschen POP-Akademie kann ein Kurs über zwei Halbjahre belegt werden. Im ersten Halbjahr wird eine Sprecherausbildung absolviert und dies im zweiten Halbjahr auf den Zweig Synchronsprecher erweitert.

 

oder macht man es eben so...

Wem das alles zu lange dauert, der hat auch andere Alternativen. Detlef Löschmann ist Rundfunkredakteur, Sprecher, Dozent und Medientrainer. Doch sein Ursprungsberuf war Gymnasiallehrer für Deutsch und Sport! Jetzt fragt ihr euch sicher, wie man dann zum Sprecherberuf kommt? Tja, ganz einfach: nach seinem Referendariat wurden derzeit keine Lehrer gebraucht. Er besuchte die Journalistenschule, bildete sich selbst etwas in diesem Bereich weiter und fand so den Weg zum Radio. Als Sprecher muss man nämlich vor allem journalistisch / redaktionell fit sein und sich gut präsentieren können, da man die meisten Texte selbst schreibt, bevor man sie einspricht. Heute ist Detlef Löschmann Präsentator zum Beispiel beim Info-Radio und Dozent an der Medienakademie in Berlin. Wer also als Quereinsteiger in den Beruf einsteigen möchte, sollte sich nicht entmutigen lassen.