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Im Dialog zwischen Religion und Wirtschaft

Reportagen

Im März dieses Jahres brach ich zu einer ganz besonderen Mission auf. An einem Dienstagabend, pünktlich um 19.30 Uhr, stand ich vor einer alten Holztür in der Schillerstraße 56 in Cottbus. Ich hatte einen Termin mit dem Pfarrer der Studentengemeinde Cottbus, Reinhard Menzel.

Um Eindrücke besser einfangen zu können und die jungen Christen persönlich kennenzulernen, hatte er mich zum allwöchentlichen Treffen - zu Abendbrot und Andacht eingeladen.

Noch bevor mein Interviewpartner eintrifft, begrüßt mich Antje sehr herzlich und aufgeschlossen. Sie studiert Soziale Arbeit an der HS Lausitz und ist heute für die Zubereitung des Abendessens zuständig. Was es gibt? Na Pizza und Salat. Nichts besonderes, sondern einfach nur das, was allen jungen Leuten schmeckt, egal aus welchem Land und welcher Religion sie stammen.

Als Reinhard Menzel eintrifft, ist er perfekt auf meine Fragen vorbereitet. „Zu dem geschichtlichen Hintergrund der Studentengemeinde musste ich ehrlich gesagt selbst erst einmal recherchieren. Ich habe den Job des evangelischen Pfarrers für die Stundeten und Azubis in Cottbus erst im April 2010 angetreten. Aber es war auch in meinem Interesse rauszufinden, wo die Wurzeln unserer Gemeinschaft liegen.“ Er erklärt mir, dass die Idee schon vor fast 60 Jahren entstanden ist. Schon damals gab es in Cottbus Christen in den verschiedenen Ausbildungseinrichtungen, die sich zum Quatschen und Beisammensein treffen wollten. Daraus entstand früher oder später eine gemeinsame, regelmäßige Veranstaltung zwischen evangelischen und katholischen Christen. Seit inzwischen mehr als 15 Jahren findet die wöchentliche Zusammenkunft dienstags in der Schillerstraße statt.

Auf meine Frage nach den Mitgliederzahlen, erzählt der Pfarrer: „Das ist schwer zu sagen. Zu dem aktiven Kern zählen so zwischen zehn und 15 Personen. Insgesamt sind wir mehr als 20 Gemeindemitglieder. Das kann aber je nach Vorlesungszeiten und Semesterferien auch recht stark variieren.“ An dem Abend meines Besuches sind wir knapp zehn Personen, darunter zwei Pfarrer, denn neben Reinhard Menzel steht auch der katholischer Priester, Roland Elsner als Gesprächspartner zur Verfügung. Er selbst ist Teil der internationalen Besetzung der Gruppe.

Roland Elsner kommt ursprünglich aus Polen, lebt aber schon seit vielen Jahren in Deutschland. Das ist für mich gleichzeitig auch das Beeindruckendste an diesem Abend – wir sind nur eine kleine Runde, aber es sind trotzdem schon vier Nationen vertreten. Neben Polen und Deutschland, auch ein Nigerianer und ein Mexikaner. Und dabei ist keineswegs jeder für sich. Gegessen, gesungen und gequatscht wird, trotz der Sprachbarrieren – mal Deutsch, mal Englisch.

In den Gesprächen geht es, entgegen meiner Vermutung, nicht nur um religiöse Themen, sondern um Fragen die Jugendliche bewegen. Es wird über Dozenten gesprochen, die anstehende Fusion zwischen der BTU und der FH wird diskutiert, Prüfungen werden ausgewertet und auch das ein oder andere private Problem angebracht. „Neulinge müssen sich bei uns weder anmelden, noch wird am Eingang der Taufschein kontrolliert“, sagt Reinhard Menzel mit einem Schmunzeln. „Wir sind immer neugierig auf neue Mitglieder – unabhängig davon ob sie und woran sie glauben.“ Wie ich an diesem Abend erfahren habe, ist es auch nicht notwendig Student oder Azubi zu sein. „Wir haben hier auch durchaus schon Facharbeiter und einen Assistenzarzt zu Gast gehabt. Und genau das macht uns aus.

Hier sind alle herzlich willkommen, die einfach an einer allwöchentlichen Zusammenkunft und gemeinsamen Aktivitäten interessiert sind“, sagen mir die Studenten und Pfarrer beim Abendessen. Auch Altersbegrenzungen gibt es nicht. Die derzeitigen Mitglieder schätzt Studierenden- und Hochschulseelsorger Menzel auf eine Altersspanne von 18 bis 30 Jahren.

Bevor ich gehe interessiert mich noch eine Sache. Was nehmen die jungen Leute und Sie, als Pfarrer, aus dem Beisammensein mit? „In der Studentengemeinde lernt man interessante Leute aus vielen Teilen der Welt und ihre Kulturen und Lebensweisen kennen. Man trifft Freunde, kann sich austauschen und steht sich untereinander mit Rat und Tat zur Seite. Bei den Programmpunkten, die wir über das Semester hinweg gemeinsam auf die Beine stellen, kommt es außerdem immer wieder darauf an, Verantwortung zu übernehmen und das auch zu lernen. Aber es ist ein Geben und Nehmen. Auch wir, trotzdem wir schon etwas älter sind als viele hier, lernen immer wieder dazu“ bekennt Reinhard Menzel und sein Kollege Roland Elsner pflichtet ihm bei.

 

Fakten rund um die Studentengemeinde:

  • wöchentliches Treffen: dienstags 19.30 Uhr in der Schillerstraße 56 in Cottbus
  • Betreuung erfolgt durch einen evangelischen (Reinhard Menzel) und einen katholischen Pfarrer (Roland Elsner)
  • willkommen sind junge Leute aus allen Nationen und Glaubensrichtungen
  • Informationen zum aktuellen Semesterprogramm findest du unter www.studentengemeinde.org