Navigation öffnen

Stell dir mal vor, Bosse wäre Lehrer geworden…

Leben

Das PLANBAR-Team traf Bosse vor seinem Konzert in Potsdam und sprach mit ihm über sein neues Live–Album und seinen Werdegang als Sänger.

PLANBAR Team: Was magst du lieber, kleine gemütliche Konzerte oder das mega Publikum, wie bei einem Festival?
Bosse:  Da gibt es wie überall Vor – und Nachteile. Bei einem Festival hat man teilweise das Gefühl, dass man im Urlaub ist. Alle kümmern sich um einen und man ist einfach ein Bestandteil von einem riesengroßen Konzertevent. Außerdem hat man bei einem Festival weniger Druck, da das Publikum ja nicht nur für einen Künstler kommt. Das ist bei eigenen Konzerten anders.
Der Grund, warum ich Musik mache, sind natürlich meine eigenen Konzerte. Aber als Ausgleich sind Festivals sehr angenehm.

Bosse

PLANBAR Team: Woher kam die Idee zu deinem Livealbum?
Bosse: Die Idee war eigentlich schon immer da und wir haben deswegen auch schon 50 Konzerte aufgezeichnet.  Mein Plan war eigentlich immer, dass alles zusammen zu schneiden und eine Live DVD heraus zu bringen.  Das Konzert in der Hamburger Sporthalle hat uns im Nachhinein so gut gefallen, dass wir es nicht schneiden brauchten. Das komplette Konzert gibt es nun also als Live DVD.

PLANBAR Team: Machst du lieber Live – Alben oder gehst du auch gern in Studio?
Bosse: Ich bin super gern im Studio, weil dort immer etwas Neues entsteht. Bei einem Live  - Album gibt es eben nichts Neues.

PLANBAR Team: Was für eine Beziehung hast du zu den Leuten, die mit dir auf der Bühne stehen und mit dir zusammen touren? Und hat jeder eine bestimmte Rolle die er/sie einnimmt, wie in einer Familie?
Bosse: Ja, es ist auf jeden Fall so, dass jeder eine bestimmte Rolle einnimmt. Wir sind zur Zeit mit 18 Leuten unterwegs. Zur Band gehören 7 Leute und dann gibt es noch Aufgaben, die z.B. durch einen Stage-Manager, einen Licht- und einen Tonmann umgesetzt werden. Da müssen die Rollen schon klar verteilt sein.

PLANBAR Team: Gibt es auch mal Streit zwischen euch?
Bosse:  Das passiert zum Glück selten. Wir sind alle sehr gut befreundet und freuen uns immer, wenn es wieder auf Tour geht.

PLANBAR Team: Wo nimmst du die Ideen für deine Texte her? Deine Texte sind ja sehr bildlich, fast wie ein Gedicht.
Bosse:  (lacht)Das ist aber lieb. Dankeschön! Das ist manchmal ganz schön harte Arbeit, manchmal geht das aber auch einfach so. Ich glaub so funktioniert texten. Ich glaube immer, dass ein Text oder ein Lied, einen Grund braucht, warum es entsteht. Es bringt mir nichts, wenn ich mich einfach hinsetzte und Wörter aufschreibe, die ich gut finde, ich brauche einen Plan, einen Grund, warum ein Lied entstehen soll. Die Grundidee ist eigentlich immer das wichtigste.

PLANBAR Team: Warum singst du auf Deutsch und nicht auf Englisch?
Bosse: Weil ich eigentlich von vorn herein, seitdem ich Texte, immer auf Deutsch getextet habe. Früher war ich mal bei einer englisch sprachigen Band Sänger, aber da habe ich die Texte nicht geschrieben. Ich fand das auch nicht so cool, weil mein deutscher Akzent so stark zu hören war. Seitdem habe ich mir geschworen, dass ich das nicht mehr machen möchte.

IMG_8204

PLANBAR Team: Was wolltest du als Kind mal werden?
Bosse:  So richtig weiß ich es gar nicht, aber ich glaube als Kind wollte ich immer Lehrer werden.  Dann hab ich aber kein Abitur gemacht und konnte somit auch kein Lehrer werden.
Ein Teil meiner Familie ist Lehrer und ich fand das als Kind immer ganz toll, dass die so viele Ferien hatten. Ich hatte mir vorgenommen, wenn es mit der Musik nicht kappt, hole ich mein Abitur nach und werde Lehrer. Am besten für Musik und Sport.

PLANBAR Team: Und das wäre jetzt auch immer noch dein Plan B ? Du bist doch sehr erfolgreich mit deiner Musik, füllst große Hallen und bekommst tolle Preise.
Bosse: Also einen konkreten Plan B hatte ich eigentlich nicht und ich glaub ich bin jetzt schon in so einer Situation, wo ich schlecht wieder raus komme. Ich denke, jetzt würde ich wahrscheinlich eher Musikmanager oder Verleger werden oder für andere Künstler Texte schreiben. Es wäre auch verrückt, jetzt was anderes zu machen, denn  mein Tagesablauf unterscheidet sich ja schon von dem eines typischen Bürojobs. Ich glaube auch, dass Musiker in dieser Hinsicht schon ziemlich verwöhnt sind.

PLANBAR Team: Was würdest du unseren Lesern raten, die gerade noch in der Orientierungsphase für ihre Zukunft stecken. Sollte man das machen, worauf man Lust hat, oder eher doch den solideren Weg einschlagen und eine Ausbildung absolvieren?
Bosse:  Meiner Tochter würde ich natürlich raten, eine Ausbildung zu machen. Aber ich finde es eigentlich doof, eine Ausbildung zu machen, nur weil man eine Ausbildung machen will. Das ist ja das schwierige: das zu finden, was einem wirklich Spaß macht. Wenn jemand Musiker werden will, würde ich ihm natürlich davon abraten, erst mal eine Ausbildung als Fleischer zu machen, wenn er dazu keine Lust hat.

IMG_8175

PLANBAR Team: Wie war das denn bei dir gewesen? Du hattest deinen ersten Plattenvertrag mit 17 Jahren gehabt, was haben denn deine Eltern dazu gesagt?
Bosse: Die haben mich sehr unterstützt, weil sie sich komplett rausgehalten haben, das liegt daran, dass wir immer ein gutes Vertrauensverhältnis hatten. Sie wussten, dass ich hart dafür gearbeitet habe und das auch weiterhin tun wollte und so ein Plattenvertrag bietet natürlich auch eine gewisse Sicherheit.

PLANBAR Team: Wie findet man denn als junger Mensch seine Passion? Viele wissen nach dem Schulabschluss ja gar nicht, was sie werden wollen. Auch wir haben Zeit gebraucht, um unseren Weg zu finden. Was kannst du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Bosse:  Der logische Schritt ist natürlich, bei sich selber anzufangen und zu schauen, welche Sachen einem Spaß machen. Die Berufswahl ist heutzutage so vielfältig, dass man sich den Beruf aussuchen sollte, der einem Freude bereiten. Das ist eigentlich auch der einzige Tipp, den ich geben kann.

PLANBAR Team: Du hast eine Zeit lang in Spanien und Istanbul gelebt. Wie wichtig sind Auslandserfahrungen?
Bosse:  Durch das Abitur innerhalb von 12 Jahren und den Wegfall des Wehrdienstes wird einem ja sozusagen ein Jahr geschenkt. Wenn man die Möglichkeit hat, ins Ausland zu gehen, sollte man diese Möglichkeit auf jeden Fall nutzen. Allein schon das rumreisen und entdecken bringt neue Ideen. Auch in Hinsicht auf die berufliche Zukunft. Die Erfahrungen, die man in anderen Kulturen macht, öffnen einem auf jeden Fall einen weiteren Horizont.

 

Mit Bosse sprachen Linda Koinzer und Jenny Kanzog

IMG_8020