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Spanische Azubis in Elbe-Elster

Leben

Seit einigen Jahren bilden Unternehmen im Elbe-Elster-Land Jugendliche aus Spanien aus. Damit wollen sie Fachkräfte gewinnen und einen Beitrag gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien leisten. PLANBAR hat nachgefragt, wie es den Azubis hier bei uns geht.

Als Ruben Bestilleiro aus der spanischen Region Galicien vor fünf Jahren nach Bad Liebenwerda kam, hatte er nur eine ungefähre Vorstellung von Deutschland. „Mich hat damals mein Lehrer angerufen und gesagt, dass es ein Ausbildungsprojekt in Deutschland gibt“, erzählt der heute 25-Jährige. In seinem Heimatland hatte er eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker begonnen. Doch die Jobchancen waren wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit gering. Mit zehn weiteren jungen Spaniern machte er sich auf den Weg – etwas blauäugig, wie er heute sagt: „Wir haben in Spanien nur einen kurzen Vorbereitungskurs gehabt. Dort lernten wir etwas zur deutschen Kultur, zu den Normen und den Grußformen.“ Dass die Sprache ein größeres Problem werden könnte, daran hätten er und seine Freunde nicht gedacht.

Ein mühsamer Weg für den Spanier

In Bad Liebenwerda angekommen, schnupperte Ruben Bestilleiro für ein Praktikum bei einer Büromöbel-Firma herein. Parallel dazu besuchte er einen Deutschkurs. Es folgten drei Monate Probearbeit, eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer sowie eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Nun steht er kurz vor dem Abschluss. Es war für ihn also ein mühsamer Weg mit bisher offenem Ende: „Ich weiß noch nicht, ob ich bleiben werde“, sagt Ruben.

Denn auch, wenn ihm das deutsche Ausbildungssystem aus Praxis und Theorie gefällt, fehlt es ihm an sozialen Kontakten nach Feierabend. „Ich komme gut mit den Kollegen klar und manchmal spiele ich Fußball mit ein paar Leuten. Aber irgendwie sind die Menschen hier distanzierter als bei uns in Spanien“, hat Ruben bemerkt. Von den einst zehn jungen Spaniern ist neben ihm bis heute nur noch ein weiterer in Bad Liebenwerda geblieben. Die anderen sind wieder zurück in die Heimat gegangen. Hans-Ulrich Weishaupt, der Chef der Büromöbel-Firma, bei der Ruben eine Ausbildung macht, möchte die beiden Spaniern demnächst gern übernehmen. Immerhin hat sich sein Unternehmen anfangs neben einer Wohnung für die Spanier auch um Sprachunterricht gekümmert. „Mir ist es wichtig zu zeigen, dass ein Zusammenleben mit Menschen anderer Herkunft möglich und nötig ist“, sagt der Geschäftsführer.

Starkes Heimweh bei Alba

Auch die AWO in Falkenberg hat sich 2014 entschieden, an dem EU-Ausbildungsprojekt teilzunehmen. Drei Jahre lang hat die damals 21-jährige Spanierin Alba eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert „Sie war sehr ehrgeizig, sowohl was das Erlernen der deutschen Sprache als auch das fachliche Wissen angeht“, berichtet Simone Friedrich von der AWO. Durch die Arbeit mit den Kollegen und Pflegebedürftigen sei Alba von Anfang an gefordert gewesen, deutsch zu reden. Doch es fehlte ihr, wie auch Ruben, an sozialem Anschluss. In der Kleinstadt Falkenberg fiel es der jungen Spanierin schwer, Kontakt zu Gleichaltrigen zu knüpfen. „Sie hatte zwischenzeitlich starkes Heimweh, wollte fast schon aufgeben. Aber durch Gespräche haben wir sie dann überzeugen können, ihre Ausbildung hier zu Ende zu bringen.“ Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung verließ Alba das Elbe-Elster-Land in Richtung Berlin.

Etwas über andere Kulturen lernen

Daniel Friedrich

Gute Erfahrungen dagegen hat die Sparkasse gemacht. Wie Personalchef Riccardo Sawkin erzählt, haben seit 2013 neben spanischen Jugendlichen auch Azubis aus Polen, Griechenland, Bulgarien, Syrien und dem Iran eine Ausbildung begonnen: „Die unterschiedlichen Nationalitäten spornen sich gegenseitig an und wir sind zufrieden. Außerdem baut das Projekt unter den Kollegen mögliche Vorurteile gegenüber Ausländern ab.“ Weil die jungen Menschen mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen nach Deutschland kommen, engagiert die Sparkasse für jeden Jahrgang einen Deutschlehrer. Dieser schult sie für Alltagssituationen. Auszubildenden wie Sylwia Skrabulska (28), die bald ihre Prüfung ablegt, stehen nach dem erfolgreichen Abschluss viele Perspektiven im Unternehmen offen. „Ich fühle mich wohl hier. Mit den anderen Azubis fahren wir zusammen zur Berufsschule, lachen viel miteinander und lernen gegenseitig etwas über die andere Kultur. Gerne möchte ich bleiben“, sagt die junge Polin.