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Mit dem Schulhund im Klassenzimmer – Lehrer mal anders

Studium

Unterrichtsausfälle, weil Lehrer fehlen, gehören leider zum Alltag an Lausitzer Schulen. Besonders junge Menschen, die sich für den Lehrerberuf entscheiden, gibt es zu wenige. Dabei muss die Arbeit der Pädagogen nicht trocken und langweilig sein. Mitunter kann es sogar tierisch aufregend zugehen und du kannst Hobby und Beruf verbinden...

Wenn Hundedame Dami über die Flure der Grundschule in Walddrehna bei Luckau spaziert, erobert sie die Herzen der Kinder im Sturm. „Hallo Dami, wie geht's dir?“ oder „Du bist ja eine Brave“, rufen ihr die Jungen und Mädchen zu und fahren durch ihr wuscheliges Fell. Dami lässt sich die Streicheleinheiten sichtlich gefallen. Sie ist den Trubel, die unterschiedlichen Gerüche und Geräusche im Gebäude inzwischen gewöhnt, denn sie ist ein Schulhund.

Frauchen und Sonderpädagogin

Seit fast zwei Jahren arbeitet „Frauchen“ und Lehrerin Beate Patallas (51) mit der katalanischen Schäferhündin in der Grundschule von Walddrehna. Die Lehrerin ist Sonderpädagogin, also speziell auf die Arbeit mit geistig oder körperlich behinderten Menschen ausgebildet. „Mach doch aus deinem Hund einen Schulhund“, ermutigte sie die Schulleiterin vor einiger Zeit. Beate Patallas entwarf daraufhin ein Konzept „Hund gestützte Pädagogik“ und stellte es in der Schulkonferenz Kollegen und Eltern vor. Alle sprachen sich für das ungewöhnliche Vorhaben aus.

Schulhunde helfen beim Lernen

Viele Studien haben die positive Wirkung von Tieren auf Menschen bewiesen. „Ein Hund hält in Bewegung und sorgt für psychische Ausgeglichenheit. Das führt zu weniger Streitigkeiten, die Kinder werden ruhiger und können sich besser konzentrieren“, erklärt Beate Patallas die Vorteile von Schulhunden. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Hund kennt keine sozialen Unterschiede und ist unvoreingenommen. „Er geht dahin, wo viel Herz rüberkommt“, sagt die Pädagogin, „egal, aus welchem Elternhaus das Kind stammt oder welche Kleidung es trägt.“ Schüler, die ausgegrenzt werden, werden dadurch selbstbewusster und in der Klasse wieder besser akzeptiert. Lernschwache Kinder blühen im Unterricht mit Dami auf, weil sie einen positiven Impuls bekommen.

Wie funktioniert die Ausbildung zum Schulhund?

Im Alter von 13 Wochen begann für Dami die Ausbildung zu einem Schulhund. Dabei lernte nicht nur die Hündin, sondern auch Beate Patallas jede Menge über das Verhalten von Mensch und Tier. Parallel dazu nahm sie die Welpin hin und wieder mit in die Schule, um sie an die vielen Leute und die großen Räume zu gewöhnen. Jetzt, wo die Ausbildung abgeschlossen ist, kommt Dami für besondere Fördermaßnahmen ab der dritten Klasse einmal in der Woche zum Einsatz. Mit ihr hat Beate Patallas stets noch einen „Schüler“ mehr im Unterricht zu sitzen, auf den sie Acht geben muss.

Ein roter Teppich für Dami

Im Klassenzimmer hat Dami ihren Platz auf einem roten Teppich. Wird es ihr zu laut, bellt sie auch mal und sorgt selbst für Ruhe. Der Umgang mit dem Hund fördere zunächst wichtige Sozialkompetenzen bei den Schülern, erklärt Beate Patallas: „Die Schüler lernen, ihre eigene Körpersprache richtig einzusetzen. Denn der Hund führt bestimmte Kommandos nur aus, wenn man sich konsequent verhält. Dazu müssen sie das Verhalten des Hundes richtig deuten und ihn bei Erfolg mit einem Leckerli belohnen.“ Außerdem hilft Dami den Schülern bei der Sprachförderung, denn beim Umgang mit dem Hund fällt es den Kindern leichter, sich auszudrücken. Auch im Mathe-Unterricht hilft Dami lernschwachen Kindern spielerisch, Aufgaben zu verstehen und sie zu lösen. Demnächst soll sie zudem in der Bewegungserziehung eingesetzt werden. Wenn alles klappt, will Beate Patallas ihre Dami auch noch zu einem Therapiehund ausbilden lassen.

Schulhunde sind noch selten, aber immer mehr gefragt

Noch sind Schulhunde in Brandenburg und Sachsen eine Seltenheit. Seit gut zehn Jahren werden aber auch bei uns immer mehr Hunde zu pädagogischen Begleitern ausgebildet. Die Kosten für das Training müssen die Lehrer bislang selbst tragen. „Für die gelehrige Hündin ist der Schulalltag eine willkommene Herausforderung“, weiß Beate Patallas. „Dafür ist Dami nach einem Schultag aber auch ziemlich ausgepowert.“ Um fit zu bleiben, nimmt sie mit der zweijährigen Hündin regelmäßig an Wettbewerben zur Intelligenz und Körperbeherrschung teil. So kann sie ganz nebenbei Hobby und Beruf verbinden.


Wusstest du,...

...dass das Durchschnittsalter von Lehrern in Brandenburgs bei 50,3 Jahren liegt? Bis 2021 gehen laut dem Bildungsministerium fast 2000 Pädagogen in den Ruhestand -  das ist fast jeder zehnte Lehrer!

...dass bis zum Herbst 2019 rund 3000 Lehrkräfte in Brandenburg neu eingestellt werden sollen? Wer also Lehrer in Brandenburg werden möchte, dem ist in den nächsten Jahren eine Festeinstellung im Landesdienst samt Verbeamtung nahezu garantiert.

Ein Lehramtsstudium gibt es unter anderem an der Universität Potsdam und an der Freien Universität Berlin. An der Berliner Humboldt-Universität werden verschiedene Sonderpädagogik-Studiengänge angeboten. Weitere spannende Berufe im sozialen Bereich findest du übrigens auch in unserem PLANBAR-Ausbildungsfinder!