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Lausitzer Schüler werden ein Teil von PLANBAR

Reportagen

Anfang des Jahres 2012 starteten die PLANBAR-Macher einen Schreibwettbewerb unter dem Motto „Von der Schulbank rein ins Leben – Schreibe die Zukunft!“. Das Ziel: Jungen Lausitzern die Chance geben ein Teil des Projekts zu werden. Um euch als Leser an den tollen Texten teilhaben zu lassen, die wir bekommen haben, findet ihr hier die besten drei Einsendungen.

Platz 1: „Kleine Bausteine“
Nach der Schule legte ich mich auf die Couch im Wohnzimmer und fuhr mein Gehirn auf Standby herunter. Entspannung war angesagt. Dafür schaltete ich jedoch den Fernseher an und zappte von Sender zu Sender.

VIVA übertrug nur ein Heavy-Metal-Konzert und im Privaten Fernsehen schrien sich eine Mutter und ihre Tochter an.
Ich drückte weiter auf die Knöpfe der Fernbedienung und kam dann zum Ersten. Dort lief ein Film von 1955. James Dean lächelte mir in „Jenseits von Eden“ entgegen und ich konnte nicht mehr weiterschalten. Er spielte in dem Film den unverstandenen, ungeliebten Sohn eines Vaters, der Pleite war. Mit Intelligenz und Willenskraft besorgt er seinem Vater das Geld wieder, doch es ist alles komplizierter, als er sich es vorgestellt hat. Sein Bruder wird vom Vater bevorzugt. Dean, der Caleb spielt, zerfließt in Selbstmitleid. Der Blick den James Dean immer wieder in diesem Film zeigt, die Reaktionen und Bewegungen waren so, als würde er sich selbst spielen. So echt wie in seinem eigenen Leben. Auch die Dreiecksbeziehung zu der Freundin seines Bruders war verworren und gleichzeitig so klar. Ich war von dem Film fasziniert. Von der Geschichte, den Schauspielern, der Schlichtheit des alten Films. Mit einfachen Sachen, Worten, Bildern so eine neue Welt zu schaffen, war genial. In meinem Kopf blinkte nun kein roter Punkt mehr. Gebannt schaute ich den Film bis zum Abspann. Zum Ende, wo alles irgendwie ein wenig offen war, mein Kopf jedoch weiterarbeitete, schwangen Ideen, Vorstellungen, kleine Filmchen durch meine Gedanken. Der Film ließ mich nicht los.

Dies waren die entscheidenden 115 Minuten in meinem Leben – eine Art Wendepunkt - wo ich anfing zu träumen. Und das mit schon 15 Jahren. Träumen?

Oft werden die Wünsche mit diesem Alter realistischer, aber ich machte lieber einen Schritt in Richtung Unerreichbarkeit. Als ich zehn Jahre alt war, wollte ich zur Polizei gehen und Forensikerin werden. Heute will ich Regie studieren, obwohl ich weiß, dass dies schwerer zu erreichen ist, als ein Arzt- oder Lehramtsstudium. So viele Menschen träumen von dieser Unerreichbarkeit.

Doch seit diesem Tag wusste ich, was in mir stecken kann. Diese verborgene Kreativität in den Gassen meiner Vorstellung. Frag mich etwas über einen Film und ich nenne dir einen Schauspieler oder sage dir, worum es geht oder ich kann wenigstens sagen: „Von dem habe ich schon mal was gehört.“

Ich weiß, wer die A.C.S. ist oder wofür ein Gaffer wirklich zu gebrauchen ist. Das Kino ist mein drittes Zuhause.
An erster Stelle meine Familie, an zweiter die Schule, wo ich alles tue, um später mehr Chancen zu haben, um für immer in mein drittes Heim einziehen zu dürfen – in das Lichtspielhaus des 21. Jahrhunderts. Es ist der Ort, wo nicht nur Micky Mouse lebt oder Superman fliegt, sondern wo alles in mich hineinströmt und mich ergreift.

Bei der Schule ist es manchmal unvermeidlich auch mal etwas wegfließen zu lassen. Aber ein Film ist eine Welt, die kein Forensiker erforschen, kein Pathologe sezieren und auch kein Lehrer analysieren kann. Das ist eine Welt, die dich packt und ausfüllt. Mann muss sie leben, fühlen. Und ich bin bereit, in diese einzutauchen und vielleicht selbst eine eigene zu erschaffen. Eine Welt aus kleinen Bausteinen meines Lebens, in der auch andere Menschen ihr Leben verbringen wollen.

Lisa Koinzer (16 Jahre)

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Platz 2: „Mein Berufswunsch früher und heute“
„Früher“ ist eine komische Zeitangabe, wenn man bedenkt, dass es bei Großmutter bedeutet „Vor 60 Jahren- Das waren noch Zeiten!“ und bei uns ist das Kindergarten- und/oder Schulalter gemeint.

Das ist ja noch gar nicht so lange her.

Meine Traumberufe waren früher Tierärztin, Rechtsanwältin, Kindergärtnerin und Tierpflegerin. Ich habe auch versucht, mich mit jedem Einzelnen dieser vier Berufe genauer zu beschäftigen, um herauszufinden, ob der Richtige eventuell schon dabei ist, aber Fehlanzeige! Also suchte ich weiter. In der Schule fand ich dann, was ich suchte. Nein, ich will nicht Lehrerin, Putzfrau oder Küchenfrau werden, sondern Parfumeurin!

Wie ich darauf kam? Ganz einfach: Als wir im Französischunterricht wieder einmal Landeskunde hatten, habe ich aufgepasst! Und zwar erzählte unsere Lehrerin über die „Parfumhauptstadt“ Grasse. Sie schwärmte so ungewöhnlich viel darüber, deshalb musste diese Stadt einfach etwas besonderes sein. Ja gut, sie ist die Hauptstadt des Parfums, aber was ist so besonders an Parfums, dass die Leute gleich eine arme Stadt als dessen Hauptstadt bezeichnen?

Dieser Frage bin ich einmal vor Ort nachgegangen und habe dabei interessante Entdeckungen gemacht. Die Parfums werden von sogenannten Parfumeuren hergestellt. Diese Parfumeure arbeiten für verschiedene Unternehmen oder große Parfümerien. Parfumeure haben eine Parfumeursausbildung in einer der seltenen Parfumeurschulen genossen. Aber da Parfumeur in Deutschland kein Ausbildungsberuf ist, wäre es ideal, wenn man vor der Parfumeursausbildung schon eine andere gemacht hat. Zum Beispiel Lebensmitteltechnolog(e,in), Chemielaborant(in), Drogist(in), etc.

Ein Parfumeur muss auch sehr gute Englisch- und/ oder Französischkenntnisse besitzen, außerdem einen sehr guten Geruchsinn, viel Kreativität, Aufgeschlossenheit für Natur, Schönheit, Gerüche, Klänge, etc. Er muss sie auch gut in seine Kunden hineinversetzen können. Wenn zum Beispiel ein eleganter Mann, der Single ist, im Laden steht und ein Parfum haben will, muss der Parfumeur bereits ein ungefähres Konzept darüber im Kopf haben, wie das Parfum später riechen soll. Es steckt echt eine Menge harter Arbeit hinter diesem Beruf. Ein erfahrener Parfumeur braucht manchmal ganze zwei Jahre um ein Parfum zu kreieren.

Mich interessiert dieser Beruf wirklich und ich wäre auch bereit die harte Arbeit auf mich zu nehmen, um mein Ziel zu erreichen und den wirklich schönen Titel „Parfumeur“ zu tragen.

Julia Lisk (14 Jahre)

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Platz 3: „Von der Schulbank rein ins Leben“
Die Zukunft…unbestimmbar, endlosweit und unser Leben. Keiner kann sie vorhersehen. Viele fragen sich schon vor ihrem Abitur, so mit 14-15, was später aus einem werden wird, ob man mal Arzt wird oder Pilot, ob man mal heiratet und  1 oder 2 Kinder bekommt oder ob man es gar nicht soweit schafft, man könnte ja durchs Abitur rasseln und dann weiterhin im Hotel Mama wohnen und sich von Hartz IV ernähren. Das alles gehört zum Erwachsenwerden und ist ein Bedürfnis. Aber wenn man es dann geschafft hat, merkt man, dass dieses erfüllte Bedürfnis gerne wieder rückgängig gemacht werden könnte. Man wünscht sich wieder die eigene Jugend zurück.

Die Zeit vergeht viel zu schnell: zuerst besteht man das Abi und zieht schon bald mit seinem Schatz in eine gemeinsame Wohnung. Dann gibt es da noch die Ausbildung und ehe man sich´s versieht hat man die Festanstellung.  Aus der einstigen Wohnung wird ein großes Haus und schnell ist auch schon der erste Nachwuchs da. Und irgendwann werden auch diese Kinder über ihre Zukunft nachdenken.

Das hört sich im ersten Moment alles ziemlich stressig an, aber es gibt auch die schönen Momente, die einem tagtäglich begegnen: der erste Kuss, das Abi geschafft, der erste Umzug, eine Gehaltserhöhung, ... Und diese Momente, die guten und die schlechten, sind die die unser Leben prägen. Aus Fehlern lernt man und macht´s beim nächsten Mal besser. Es ist egal ob man als erfolgreicher Anwalt Karriere macht oder nur Verkäufer  im Supermarkt ist, Hauptsache man ist mit seinem Leben und dem was man hat zufrieden. Und wenn man sich dann an die Jugend und die damaligen eigenen Fehler erinnert wird man sich bei einem fröhlichen Kaffeeklatsch mit den Freunden darüber unterhalten und feststellen dass es doch eigentlich ganz lustig ist. Und vielleicht wird man den nächsten Fehlern mit einem Lächeln entgegentreten und sich sagen: ,, Das ist gut für unsern nächsten Mädels Abend!“  Man sollte nicht verzagen und alles von der positiven Seite sehen auch wenn diese manchmal nicht allzu glaubhaft erscheint. Denn wer mit einem Lächeln und Humor durchs Leben geht, kann viele ernste Dinge zu einer entspannenden Angelegenheit machen.

Gina Koschmann (14 Jahre)