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Politik fängt auf der Straße an

Reportagen

Jeremy studiert Politik und Philosophie an der Uni in Halle. Schon während der Schulzeit engagierte er sich politisch in seiner Heimatstadt Lübbenau. PLANBAR traf den Studenten und sprach mit ihm über Politik und Jugendbeteiligung.

Jeremy. Wie bist du zur Politik gekommen?
Die Geschichte ist ganz witzig. Das war über ein Browser Game – Power of Politics. Da konnte man sein Ego erstellen, seine Woche planen, Wahlen gewinnen und vieles mehr. Das fand ich interessant und ich wollte wissen, wie Politik wirklich funktioniert. Deswegen habe ich mich mit meinen Opa zusammen gesetzt, der politisch aktiv war. Dann haben wir nach einer Partei gesucht, die meinen Interessen entspricht.

Was machst du alles politisch?
Ich bin mit 15 Jahren in die SPD eingetreten. Seit dem beschäftige ich mich hauptsächlich mit Themen der Jugendbeteiligung. Das versuche ich auch in mein Studium zu integrieren. Ansonsten bin ich hauptberuflich Student. Ich finde, politisches Engagement fängt auf der Straße an, wenn ich zum Beispiel zu Demos oder Gesprächsrunden gehe. Reden ist ein wichtiger erster Schritt.

Du studierst Politikwissenschaften?
Ja, im Hauptfach und im Nebenfach Philosophie. Das klingt immer sehr trocken, war es am Anfang auch. Aber wenn man sich reinfuchst ist es sehr interessant. Es gibt natürlich auch Teile, die sehr das Klischee von Politik und Philosophie bestätigen.

Warum hast du dich für das Politikstudium entschieden?
Ich habe in der Schule festgestellt, dass es mich interessiert, mich über solche Sachen auszutauschen. Für mich stand bei der Berufswahl das Geld nicht an erster Stelle. Ich bin der Meinung, dass ich nur gute Leistungen erzielen kann, wenn mir die Dinge die ich mache auch Spaß machen. Und Politik macht mir Spaß und interessiert mich. Wenn ich das Studium erfolgreich beende ist es eine gute Basis für viele verschiedene Sachen.

Dann hast du dich für die SPD entschieden. Welche Gründe gab es dafür?
Das ist schwer zu sagen. Ich habe ein bisschen auf meinen Opa gehört. Er hat mir gewisse Dinge nahe gelegt, wofür die Partei steht. Es hätte auch passieren können, dass ich nach drei Jahren sage, passt mir nicht ich trete wieder aus. Aber das ist ja nicht so gekommen. Trotzdem würde ich nie sagen, dass ich  100 % mit den Entscheidungen der SPD übereinstimmen, die zum Beispiel auf Bundesebene getroffen werden.

Man merkt dass du dich schon lange intensiv mit Politik beschäftigst. Gab es ein Thema, bei dem du gesagt hast, dass muss sich ändern?
Schwierig zu sagen. Es sind immer wieder aktuelle Themen und Grundsatzdebatten, die man führen kann. Und damit man nicht beeinflusst wird, muss man die Hintergründe kennen. Das ist auch mein Ansatz um mich mit Politik zu beschäftigen. Ich möchte der Wahrheit näher sein und nicht davon abhängig, was mir Medien sagen oder wo bestimmte Medien versuchen Einfluss zu nehmen.

Was animiert dich politisch aktiv zu sein?
In meiner Heimatstadt Lübbenau, war es mir wichtig, mein Umfeld zu gestalten. Zum Beispiel eine neue Sportanlage bauen oder so. Das war der Hauptgrund.

Wie kam es dazu, dass du das Jugendparlament in Lübbenau mitbegründet hast?
Wir haben in unserem Freundeskreis oft lustig zusammen gesessen, einfach aus Spaß. Dann haben zum Beispiel darüber diskutiert, warum wir uns nicht in einer Bar treffen – ganz einfach, weil es in Lübbenau keine gibt.  Und aus dieser Idee heraus habe ich ein bisschen gegooglet und Thomas Kropp von der Jugendbeteiligung Brandenburg kennen gelernt. Er ist zu uns gekommen und hat uns Ideen vorgestellt, wie man eine Stimme bilden könnte. Meine Kumpels fanden die Idee ganz gut und so haben wir praktisch das Jugendparlament gegründet.

Was hattet ihr für Projekte?
Man könnte bei Städtischen Gremien mitwirken, sich zum Beispiel in Ausschusssitzungen setzen, aber damit lockt man keinen in die Politik. Einen Jugendlichen erst recht nicht. Deswegen haben wir das nicht gemacht.
Wir haben das Gespräch mit dem Bürgermeister oder städtischen Mitarbeitern gesucht und überlegt, was man in der Stadt Lübbenau verbessern könnte. In einem kleinen Dorf, 15 km weit weg von Lübbenau, ist eine Disko. Dort fahren viele Jugendliche mit dem Taxi hin. Wir wollten eine Alternative dafür finden und einen Disko-Bus organisieren, der die Jugendlichen von den  großen Städten Lübbenau, Calau, Vetschau und den umliegenden Dörfern, die auf dem Weg anfallen, einsammelt und dann wieder nach Hause bringt. Der Bus fuhr ein paar Mal und war auch sehr beliebt. Leider gabt es verschiedene Faktoren, die dann doch nicht zum Erfolg geführt haben.

In Brandenburg können Jugendliche jetzt bereits mit 16 Jahren wählen. Viele setzten sich allerdings nicht genug mit dem Thema Politik auseinander. Wie würdest du den Jugendlichen dieses Thema näher bringen?
Ich würde keinen Infostand irgendwo aufstellen, wo ich mein Parteiprogamm verteile. Ich würde eher eine Wahlparty geben indem ich es für Jugendliche aufbereite. Ich würde zum Beispiel eine Ecke einrichten, wo man über solche Dinge reden kann. Ich würde das auch nicht als eine Partei durchführen. Wenn jemand von der Partei da steht, dann hat das auch so einen Abschreckcharakter. Wichtiger ist über ein Gespräch, heraus zu finden, was Jugendliche interessiert. Auf keinen Fall sollte man das Parteiheft verteilen. Man muss die Sprache der Jugend verstehen man darf keine Fremdwörter  verwenden oder Demokratie predigen. Das erinnert viele an Schule. Man muss sich dann auch die Geschichten der Jugendlichen anhören. Es ist wichtig andere Meinungen zu sammeln und nicht andere Leute mit der eigenen Meinung voll zu tratschen.

Was hältst du von Social Media als Werbetrommel?
Man darf es nicht außer Acht lassen aber auch nicht überbewerten. Wichtig ist das Leben auf der Seite herrscht und das es nicht reine Selbstwerbung ist. Ich muss als User die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen und darauf eine Antwort zu bekommen.  Auf so einer Seite muss ich Moderatoren haben und so wird die Seite dann dauerhaft erfolgreich. Aber ich finde, Politiker gehören früher oder später an einen Tisch. Ich halte die Diskussion in echt noch angenehmer.

Du hast auch Lust dich für ein bestimmtes Thema zu engagieren? Dann fang doch in deiner Schule an. Die wenigsten wissen, dass man sich nicht nur als Klassen- oder Schülersprecher engagieren kann. Kandidiere doch einfach für den Kreisschülerrat. Dort sind Vertreter aller Schulen aus dem Schulbezirk vertreten. Aus diesem setzt sich dann der Landesschülerrat des jeweiligen Bundeslandes zusammen.

HIER findest du nähere Infos zum Kreisschülerrat und HIER zum Landesschülerrat.