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Von nackter Haut, High Heels und blaue Flecken…

Ausbildungsfinder

„Pole Dance also?“ Ich schaute meine Freundin entgeistert an, als sie mir den Vorschlag unterbreitete zu einem Schnupperkurs nach Cottbus zu fahren. „Ist das nicht das, wo sich die Frauen lasziv an der Stange räkeln? Und das soll ich machen?“

Meine Freundin starrte mich immer noch erwartungsvoll an.  „Äääh ja ok, schauen wir mal.“, war dann schließlich meine Antwort und schon hatte ich mir die Suppe selbst eingebrockt.  Kurze Zeit später, saß ich mit vier anderen verrückten Mädels, gespannt im Auto Richtung Cottbus. Beim Pole Dance-Studio angekommen, kam uns eine zierliche, blonde Frau mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht entgegen. „Hallo, ich bin Mareike. Ihr habt euch für den Schnupperkurs angemeldet, richtig?“

Immer schön auf Zehenspitzen stehen, Hände an die Stange, linkes Bein lang machen, Hüfte rausziehen, steif machen und fallen lassen. Das war also mein erster „Knee Hook Back“. Dabei habe ich zunächst ausgesehen wie ein nasser Sack und habe vor lauter Anstrengung einen Krampf in der Hüfte bekommen. Alles andere als grazil und geschmeidig. Im Stangenklettern war ich ja immer ganz gut, aber sich an der Stange ohne Hände zu halten war anfangs ziemlich schmerzhaft. Eine Stunde und mindestens 10 Blaue Flecken und Blasen später war der Schnupperkurs vorbei. Die Zeit verging wie im Fluge.

Etwas müde und erschöpft fuhren wir nach Hause. Dennoch waren wir fünf total begeistert und fest entschlossen einen Kurs zu belegen. Das ist jetzt fast drei Jahre her. Mittlerweile steht eine eigene Stange in meinem Zimmer und ich trainiere noch wöchentlich eifrig weiter. Spätestens nach dem Schnupperkurs war völlig klar- Pole Dance ist keine Showeinlage von Table-Dancern und Gogo-Girls die dem Publikum einheizen sollen. Es ist eine Art des Tanzes, die viel Akrobatik, Flexibilität, Kraft und Ehrgeiz abverlangt und richtig viel Spaß machen kann!

Meine Trainerin Mareike Linzer verriet mir, wie sie dazu kam Pole Dance in die Lausitz zu bringen und mittlerweile schon 250 Frauen zwischen 14 und 56 Jahren in ihrem Studio vom Pole Dance-Fieber anstecken konnte.

PLANBAR: Was hast du gemacht bevor du dich mit deinem Pole Dance Studio in Cottbus selbstständig gemacht hast?

Mareike: Ich war im Elternjahr nach der Geburt meines Sohnes. Davor war ich als Event-Managerin tätig.

PLANBAR: Kannst du uns deine bisherige Tanzkarriere kurz beschreiben?

Mareike: Kurz? Nein das wird schwer. Aber ich will es versuchen: Ich habe mich schon immer von Musik angezogen gefühlt, hatte Hummeln im Hintern und war ein Energiebündel. Seit meinem  5. Lebensjahr habe ich meine tänzerische Laufbahn Stück für Stück ausgebaut. Über den sorbischen Folkloretanz, 10 Jahre Gesangsunterricht, Cheerleading bis hin zu Ballett und Gogo-Tanz habe ich dann den Weg zur Trainerin gefunden. Ich habe alles ausprobiert und bin beim Pole Dance hängengeblieben.

PLANBAR: Wie und wann hast du Pole Dance entdeckt?

Mareike: Wie weiß ich gar nicht mehr. Auf alle Fälle nicht als Tänzerin sondern gleich als Trainerin. Ich wollte nicht mehr in meinen Beruf zurück, weil ich sonst sehr wenig von meinen Kindern gehabt hätte. Also musste ich etwas Neues finden womit ich Geld verdienen kann. So führte das Eine zum Anderen. Die Idee kam dann durch Internetrecherche, welcher Tanz gerade am gefragtesten ist. Beim Gogo-Tanzen gab es hier und da natürlich auch Stangen, aber ehrlich gesagt bin ich damals nie auf die Idee gekommen, dass man da noch mehr mit machen könnte als sich fest zu halten. Dieser Gedanke kam erst in der Ausbildung.

PLANBAR: Wie ist die Idee entstanden, dich als Trainerin ausbilden zu lassen?

Mareike: Ich habe mich als Trainerin ausbilden lassen, weil ich wissen wollte wie ich am Besten Stangentanz unterrichte. Ich sehe es nicht als Idee, sondern als Pflicht eines jeden Lehrers sich spezifisch ausbilden zu lassen. Die Trainerrolle wird bei dem Trendsport leider sehr unterschätzt. Sie artet meist in Selbstdarstellung des Trainers und Überforderung des Schülers aus, statt in einen gut strukturierten Unterricht, wie ich jetzt nach einiger Zeit feststellen musste.

PLANBAR: Wie wird der Sport in Cottbus aufgenommen? Sind die Leute eher verklemmt oder offen für Neues?

Mareike: Sowohl als auch. Zum Glück treffe ich meistens auf positive Reaktionen. Die negativen halten sich eher zurück. Ich unterrichte jetzt schon 4 Jahre und ich denke alle Vorurteile sollten beseitigt sein. Funk und TV haben zudem genug darüber berichtet und aufgeklärt- Wer das noch immer nicht trennen kann, dem ist halt nicht mehr zu helfen. 😉

PLANBAR: Wie kann sich eine Leihe so eine typische Ausbildung zur Pole Dance Trainerin vorstellen?

Mareike: MEGA ANSTRENGEND! 8 Stunden am Tag Pole Dance. Meine Hautfarbe hatte nach 2 Tagen die Farbe Lila-Blau angenommen. Es ist wirklich sehr anstrengend, für  Körper und Geist. Ich habe es damals völlig unterschätzt, würde es aber immer wieder machen.

PLANBAR: War die Zeit, in der du dich mit deinem Pole Dance Studio selbstständig gemacht hast eine eher harte und anstrengende Zeit oder blickst du auf etwas Schönes zurück, mit dem du dich selbst ein Stück weit verwirklichen konntest?

Mareike: Ich blicke nur auf Schönes zurück. Auf Rückschläge konzentriere ich mich nicht. Man lernt aus Fehlern und macht es beim nächsten Mal besser. Ich habe so viele tolle Leute kennengelernt, habe so viele vom Pole Dance Fieber anstecken können und bin stolz auf jede Einzelne meiner Schülerinnen.

PLANBAR: Pole Dance ist ein sehr anstrengender Sport der mit viel Ehrgeiz verbunden ist. Wie motivierst du deine „Schülerinnen“?

Mareike: Keine Ahnung, dass sollte ich mal meine Schüler fragen. Es hat noch keine unmotiviert ausgesehen.

PLANBAR: Welche Eigenschaften muss jemand besitzen, der sich zum Trainer ausbilden lassen will?

Mareike: Grundlegend persönliche Eigenschaften wie Geduld und Verantwortungsbewusstsein. Der Blick aufs Wesentliche, Führungsqualitäten und Menschenkenntnis kommen hinzu. Ein Lehrer hat viel Verantwortung, das sollte man nie unterschätzen.

PLANBAR: Brauch man gewisse Grundkenntnisse um sich ausbilden zu lassen um Pole Dance zu unterrichten?

Mareike: Ich bin überzeugt davon, dass es jeder Quereinsteiger lernen kann, wenn er WILL. Allerdings ist es wie bei jedem Tanz- allen Ursprungs steht Ballett. Es hilft sehr wenn man tänzerische Vorkenntnisse hat, die Elemente aus dem Ballett beherrscht und zumindest schon mal weiß wie man eine Stunde gestalten kann. Die Ausbildung zum Pole Dance-Trainer ist ja ein Modul, keine klassische Grundausbildung die man in einem Studium lernt.

PLANBAR: Du bietest in deinem Tanzstudio nicht nur Pole Dance an. Hast du schon neue Ideen für die du dich ausbilden und in Cottbus anbieten möchtest?

Mareike: Ich habe mich dieses Jahr bereits für Hip Hop und Kreativen Kindertanz weiterbilden lassen. Mehr habe ich in Zukunft nicht vor, da mich das völlig er- und ausfüllt.