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PLANBAR im Interview mit Karoline Herfurth

Leben

Schauspielerin Karoline Herfurth (30), bekannt aus „Fack ju Göhte“, „Das Parfum“ und „Mädchen, Mädchen“, sprach mit PLANBAR über ihre Schulzeit, die Schauspielerei und ihre Zukunft.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit? Waren Lehrerstreiche für Sie ein Muss oder haben Sie das lieber anderen überlassen?

Ich bin grundsätzlich ganz gerne zur Schule gegangen und hatte eine schöne Schulzeit. Wir waren schon eine laute und anstrengende Klasse, aber für Lehrerstreiche war ich zu brav und langweilig. Ich bin kein Mensch, der gerne gemein ist. Ich will lieber, dass alle integriert sind und es allen gut geht. Wenn man mir Streiche spielt, falle ich auch auf alles rein.

 

Also waren Sie eher der zurückhaltende Typ?

Zurückhaltend würde ich nicht sagen, ich war eher nervtötend für die Lehrer, eine kleine Besserwisserin. Ich dachte, ich weiß schon, wie die Welt funktioniert und habe dies auch lauthals kundgetan. Aber ich habe auch gerne gelernt, das hat sich dann sozusagen wieder ausgeglichen.

 

Nach dem Abitur haben Sie die Ernst-Busch-Schauspielschule besucht und 2008 Ihren Abschluss gemacht. War die Schauspielerei schon immer Ihr Traumberuf?

Nein, gar nicht. Ich habe mit 15 angefangen zu schauspielern, aber zu dieser Zeit war für mich noch nicht klar, was ich eigentlich werden wollte. Ich hätte mir auch vorstellen können, Ärztin zu werden.  Es kam auch erst mit meiner Ausbildung an der Schauspielschule, dass mir so richtig bewusst wurde, dass es mein Beruf wird.

 

Gibt es Charaktere die Sie nie spielen würden oder reizt Sie jede Herausforderung?

Ich habe ja schon in sehr verschiedenen Filmen sehr unterschiedliche Charaktere gespielt. Dabei spiele ich gern Rollen, die neu für mich sind und ich habe auch Lust, extreme Genre zu spielen, was hier in Deutschland nicht so einfach ist. Ich würde wahnsinnig gern in einem Fantasyfilm oder Thriller spielen, aber auch ein Tanzfilm wie zum Beispiel Burlesque oder Moulin Rouge würde mich sehr reizen.

 

Für einige Rollen muss man gewisse Veränderungen an sich vornehmen, zum Beispiel abnehmen oder zunehmen. Welche Nachteile bringt der Beruf des Schauspielers sonst noch mit sich?

Ich liebe ihn wirklich sehr, er ist ein bisschen unkontrollierbar und unplanbar. Es ist manchmal ein bisschen anstrengend, weil man nicht weiß, was man nächstes Jahr macht, in welcher Stadt man sich aufhält. Es gibt hohe Anforderungen an die Mobilität. Man muss fähig sein, in fremden Städten zu leben. Und es kann sein, dass man morgen erfährt, dass man in einem Monat eine Rolle spielt, die einen emotional oder auch körperlich sehr fordert und man plötzlich anfangen muss zu trainieren. Flexibilität ist wohl der höchste Anspruch in diesem Beruf. Dann gibt es auch noch den Verlust Privatsphäre. Natürlich ist es für mich als Schauspielerin wunderschön, überall erkannt zu werden. Aber für mich als Privatperson ist es oftmals sehr anstrengend.

 

Sie studieren neben Ihrem Beruf als Schauspielerin Soziologie und Politikwissenschaft. Sehen Sie dieses Teilzeitstudium als zweites Standbein?

Nein, ich habe einen unglaublichen Wissensdrang und wollte einfach noch ein wissenschaftliches Studium absolvieren. Es eröffnet mir Welten, die ich für mich als Mensch sehr wichtig finde. Ich glaube, dass diese Art von Bildung, gerade was Politik und Soziologie angeht, ganz wichtig ist, weil man Einsichten in Lebensperspektiven bekommt, die einem sonst nicht so klar sind. In Interviews wird man oft zu kritischen Themen befragt und da bin ich froh, wenn ich dann auf mein Studium zurückgreifen kann.

 

Welche Ziele haben Sie sich in Ihrem Leben noch gesteckt, außer den Abschluss Ihres Studiums?

Es ist eines meiner größten Ziele, mit spätestens 35 meinen Bachelor abgeschlossen zu haben. Oft bekomme ich ein Filmangebot, was ich unbedingt wahrnehmen will, und dafür mitten im Semester abbrechen muss. Ansonsten hoffe ich, dass ich weiterhin so viele tolle Filme machen kann, und ich würde auch wahnsinnig gern wieder Theater spielen. Ich hatte die Chance bei einem Kurzfilm Regie zu führen und hoffe, dass sich auch was in dieser Richtung weiterentwickelt.

 

Welche Tipps haben Sie für junge Leute, die noch nicht genau wissen, wohin ihr Weg sie führt?

Ich glaube, es ist sehr wichtig neugierig zu sein und Lust zu haben, etwas zu tun. Es ist aber auch wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und zu gucken, was mich wirklich interessiert – kurz: einfach nie den Mut verlieren. Selbst wenn man mal für zwei, drei Jahre in die falsche Richtung gelaufen ist, ist es nicht so schlimm. Es gibt immer die Möglichkeit sich neu zu orientieren. Das Leben ist meist klüger als man selbst. Man sollte dem Leben also ein bisschen vertrauen und sich leiten lassen, dann kommt man auch dahin, wo man hin gehört.

 

Foto: Mathias Bothor

 

PLANBAR interviewte ebenfalls die Schauspieler Jella Haase und Elyas M'Barek.