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Nie mehr Kaffee kochen!

Ausbildungsfinder

Studenten gründen Internetportal zur Bewertung von Praktika

Das Los vieler Studenten ist meist ein trauriges, wie die Lausitzer Rundschau in ihrer Ausgabe vom heutigen Donnerstag berichtet. Zumindest, wenn sie ein Praktikum machen. In vielen Firmen machen sie nur Handlangerdienste wie Kaffee kochen. Zwei Studenten aus Witten wollen das mit Hilfe ihrer Internetseite ändern.
Es ist nur ein kurzer Satz, den Stefan Peukert gerne wiederholt und der alles sagt: „Nie mehr Kaffee kochen.“ Zu häufig hat der Wittener Wirtschaftsstudent in seinen Praktika tagtäglich die Kaffeemaschine bedient, Akten kopiert und Zeitung gelesen. So häufig, dass er mit seinem Kommilitonen Daniel Pütz beschloss, sinnlosen Praktikantenjobs in deutschen Unternehmen den Kampf anzusagen, und zwar mit einem Internetportal, in dem Studenten ihre Erfahrungen nicht nur schildern, sondern auch benoten können.

15 Monate später schmückt Peukerts Kaffee-Satz den ersten Werbespot des Internetportals meinpraktikum.de. Seit Januar 2011 ist es sind die beiden Studenten online. Aus dem Zwei-Mann-Projekt ist innerhalb kurzer Zeit eine kleine Firma entstanden.

„Viele Firmen suchen mittlerweile gute Nachwuchskräfte und bieten deshalb Praktika an“, beobachtet Daniel Pütz. Den meisten sei es keineswegs egal, wie sie von den Studenten bewertet würden. Sie wollten ein ehrliches Feedback, um ihre Angebote verbessern zu können. Beschwerden von Unternehmen habe es an dem Internetportal daher kaum gegeben.

Die Zahl der Studenten, die meinpraktikum.de nutzen, ist seit Gründung der Seite kontinuierlich gestiegen. Bereits zwei Wochen nach dem Start seien knapp 1000 Bewertungen online gewesen, berichtet Stefan Peukert stolz. Mittlerweile sind es fast 3000 Bewertungen für 2400 Firmen im In- und Ausland. Rund 100 000 Studenten nutzen die Seite, um sich über gute Praktikantenjobs zu informieren.

Eigentlich wollten Pütz und Peukert ihr Examen längst in der Tasche haben. Doch dazu sind sie bisher noch nicht gekommen. „Wir arbeiten täglich mindestens zehn Stunden für unser Portal“, sagt Daniel Pütz. Hinzu kommen noch die Werbetouren an deutschen Hochschulen. Zweimal war er mit seinem Team jeweils vier Wochen an 16 Universitäten unterwegs, um Praktikumsbewertungen zu sammeln und auf das Portal aufmerksam zu machen. „Das Interesse an unserer Seite ist sehr groß“, meint der 27-jährige Student. „Denn heute können es sich die meisten Studenten einfach nicht mehr leisten, ihre Zeit mit sinnlosen Praktika zu vergeuden.“

Mitarbeiter und Kommilitone Joschka Felten kann das nur bestätigen. Anders als seine beiden Chefs studiert er Wirtschaftswissenschaften. „Das Studium ist so stark durchstrukturiert, dass ich mir keine Fehlversuche erlauben will.“ Deshalb hat der 25-jährige Student für seine Praktika bewusst mehrere kleinere Unternehmen ausgewählt, in denen er direkt mehr Verantwortung übernehmen durfte. „Es hört sich zwar zunächst toll an, wenn man in den großen Konzernen arbeitet, doch oft kann man dort nicht viel lernen.“ Daniel Pütz hat andere Erfahrungen gemacht. Entscheidend ist für ihn nicht die Größe der Firma, sondern die Betreuungssituation. Entsprechend sind auch die Bewertungskategorien auf dem Internetportal gestaltet. Insgesamt gibt es 31 Unter- und sechs Oberkategorien. Sie reichen von „Lernerfolge“, „Aufgaben“ und „Wertschätzung“ bis hin zu „Karrierechancen“.

In einem freien Textfeld können die Studenten ihre persönlichen Eindrücke über das Unternehmen schildern. Sie dürfen dabei keine Namen nennen, Mitarbeiter nicht diffamieren oder Betriebsgeheimnisse verraten. Vom sinnlosen Praktikum, bei dem „man sein Gehirn an der Garderobe abgeben muss“ bis zum „absolut coolen Job“ reichten die Bewertungen, sagt Joschka Felten. „Der Großteil aber ist positiv.“

Der langweilige oder ausbeuterische Praktikantenjob scheint also, meint Pütz, auf dem Rückmarsch zu sein. Zu dieser positiven Entwicklung möchte der Wirtschaftsstudent mittlerweile auch als Unternehmer beitragen. Die Internetseite meinpraktikum.de bietet selbst einen Praktikantenjob an. „Aber natürlich zu fairen Bedingungen und mit coolen Aufgaben“, beteuert Daniel Pütz.

www.meinpraktikum.de
LR, vom 11.08.2011