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YouTube, Fernsehen, Radio … MrWissen2Go im INTERVIEW

Multimedia

Wenn es um Medien geht macht ihm keiner etwas vor. Mirko Drotschmann arbeitet beim Fernsehen, hat seinen eigenen erfolgreichen YouTube-Channel und hat auch schon Radioerfahrungen gesammelt. Im Interview erzählt er von seinem Erfolg im Netz, seiner Laufbahn als freier Journalist und gibt Tipps für die Berufswahl.

Deine Wünsche, deine Geschichte, deine Zukunft

Im Interview: YouTube-Star MrWissen2Go

Der Media-Man

Mirko Drotschmann arbeitet da, wo viele arbeiten wollen: beim Fernsehen. Das ist aber nicht sein einziger Arbeitsplatz. Er dreht Videos für Schulbuchverlage sowie für seinen YouTube-Kanal mit über 250.000  Abonnenten und steht im Fernsehen ebenfalls vor der Kamera. Radioerfahrung hat er auch gesammelt und schreiben liegt ihm auch. Ein Mann der Medien. In meinem Interview mit ihm habe ich einen Eindruck von dem bekommen, was es heißt, heutzutage als freier Journalist zu arbeiten.

Geschichte statt Mathe

Mirko zeigt, wie man es ins Fernsehen schaffen kann. Nach seinem Abitur arbeitete der nachrichtenaffine Mirko, neben dem Zivildienst, beim SWR. Nach einem weiteren Jahr beim SWR studierte Mirko Geschichte und Kulturwissenschaften. Das kann er gut, viel besser als alles Naturwissenschaftliche und Mathematik, wie er mir erzählt. Nebenbei blieb er beim SWR und absolvierte eine Hospitanz beim ZDF. Nach dem Studium arbeitete  Mirko weiter bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

Mirkos Arbeitsalltag klingt für Außenstehende wahrscheinlich chaotisch. Er erstellt Texte und Videos für Schulbuchverlage, arbeitet für LOGO! im KiKA und für den MDR.  „Geschichte Mitteldeutschlands – Das Magazin“ ist seine Sendung, die seit Januar 2015 im Fernsehen und online verfügbar ist. Online läuft die Reihe natürlich über den MDR YouTube- Channel. Klar, Mirko ist ja auf YouTube bekannt und erfolgreich. Wie man im Internet erfolgreich und berühmt wird, das wollen natürlich viele Unternehmen wissen. Deswegen macht Mirko, so ganz nebenbei, noch Sender- und YouTubeberatung. Man sieht, dass man als freier Journalist keinen festen täglichen Ablauf hat. Viele Projekte, unterschiedliche Arbeitgeber und unterschiedliche Themen sorgen für große Abwechslung im Tagesgeschehen. Natürlich birgt sich hinter dem ganzen auch ein Risiko. Was passiert, wenn die Formate nicht angenommen werden und plötzlich einige Projekte wegfallen? Mirko hat natürlich auch feste Arbeitgeber. Beim MDR und im KIKA hat Mirko ein festes Arbeitsverhältnis. Aber wozu eigentlich arbeiten? YouTube regelt doch alles? Über 250.000 Abonnenten, das ist mehr, als viele Tageszeitungen heute an Lesern haben.

 

Geschichte statt Beauty-Tipps

2009 gründete er seinen eigenen YouTube-Kanal. Seine Frau hat ihn dann inspiriert, Videos zu machen, weil sie bereits einen eigenen Kanal besaß. „Ich habe mir überlegt, was ich gut kann und was mich interessiert. Da ich Geschichte studiert habe und mich noch gut an meine Schulzeit erinnere, habe ich begonnen, zu diesen Themen Videos zu drehen. Die Videos orientieren sich auch an den Lehrplänen der Oberstufe.“, erzählt Mirko. Auf die Frage, was er geworden wäre, wenn es beim Fernsehen und als Journalist nicht geklappt hätte, antwortet Mirko; „Die Frage stelle ich mir heute noch. Ich hätte wahrscheinlich Geschichte auf Lehramt studiert und wäre Lehrer geworden“. Einen, nicht ganz ernst gemeinten, Traum hat Mirko auch. „Ich würde gerne in das Gastronomiegewerbe. Eine deutsche Bäckerei in den USA zu eröffnen, ist ein kleiner Traum von mir. Damit wäre aber meine Frau nicht einverstanden“. Wirklich eine Option ist der Weg ins Ausland aber nicht. Seine Brötchen verdient er eher woanders, zum Beispiel im Internet. „YouTube ist eher ein Hobby und eine Leidenschaft. Hier kann ich experimentieren und neue Formate ausprobieren. Davon leben könnte ich allerdings nicht. Dazu müsste ich noch viel mehr Videos pro Woche produzieren. Die meisten YouTuber, die davon leben, finanzieren sich über Kooperationen mit Unternehmen und der Werbeindustrie. Ich habe mit YouTube angefangen, weil ich Ideen und Interesse hatte und dabei soll es auch bleiben.“ Bei seinen politischen und oft auch kritischen Videos ist es auch wichtig, unabhängig und neutral zu bleiben. Daher könnten Videos mit übermäßig viel Werbung unglaubwürdig wirken.

Stefan Raab nimmt bei TV Total gerne mal YouTuber auf den Arm. Wirft ihnen vor, sie würden nur einen Tag in der Woche arbeiten. Auch wenn Mirko kein hauptberuflicher YouTuber ist, lässt sich doch erkennen, dass viel Arbeit in den Videos steckt. Ganze zehn bis 15 Stunden Arbeit stecken in einem Video. Dazu kommt noch die Arbeit mit der Community, die die Videos kommentiert. Bei politischen Themen ist eine gründliche Recherche umso wichtiger. Mit seinem Erfolg auf YouTube hat Mirko aber nicht gerechnet. „Ich habe mir gedacht: Vielleicht erreichst du irgendwann mal 10.000 Abonnenten. Mit so einer großen Zahl habe ich allerdings nicht gerechnet, aber ich finde das toll. Das zeigt mir, dass ich weitermachen soll und es ist schön, wenn man anderen helfen kann mit den Videos.“ Viele wünschen sich den schnellen Erfolg im Internet. „Mit guten Ideen“, meint Mirko, „ist es sicher auch heute noch möglich, hauptberuflich als YouTuber durchzustarten. Wichtig sind vor allem Innovationen. Jeder, der eine gute Idee und ein gutes Konzept hat, kann es auf YouTube schaffen.“

Abitur oder Ausbildung?

Als Gast bei der Sendung „Hart aber Fair: Problemfall Schule“ sprach Mirko im Mai 2015 über seine Ansichten zum Thema Schule und Abitur. Das Thema Schule und Ausbildung ist auch Bestandteil meines Gesprächs mit ihm. „Viele machen sich Gedanken, was sie später werden wollen und entwickeln eigene Vorstellungen und Pläne. Sie verwerfen dann aber ihre eigenen Ideen und hören auf die Agentur für Arbeit, die Schule und die Eltern. Dort werden oft realitätsferne Dinge und Anforderungen vermittelt, da diese sich in Minuten ein Urteil über die Zukunft des Schülers machen müssen. Das soll keine Kritik an diesen Institutionen sein, denn diese sind auf jeden Fall sinnvoll und hilfreich. Wichtig ist es aber, dass man auf seine eigenen Wünsche und Vorstellungen hört.“

Zum Thema „Abitur oder Ausbildung?“ hat Mirko eine klare Meinung. „Ganz klar Abitur! Das ist die beste Grundlage für eine Ausbildung oder Studium. Aber auch hier kommt es natürlich darauf an, was man für Ziele hat.“

Er wünscht sich außerdem, dass er eine Auslandsreise in ein englischsprachiges Land gemacht hätte. „Ein Auslandsjahr hätte ich gerne gemacht. Allerdings stand damals der Zivildienst an. Ich kann aber nur dazu raten.“ Generell rät Mirko aber, gelassen an die Berufswahl ranzugehen: „Macht einfach mal. Man kann später immer noch umdrehen und die Richtung wechseln. Flexibilität ist wichtig im Leben. Studiert zum Beispiel nur das, was euch auch interessiert. Naturwissenschaft, Jura, Medizin oder etwas Sozialwissenschaftliches, es gibt so viele Studiengänge, da ist für jeden etwas dabei. Wie bei der Berufswahl gilt auch beim Studium: Es muss euch Spaß machen und interessant sein. Gut ist vor allem, wenn man viel praktische Erfahrungen in den Semesterferien sammelt, zum Beispiel durch ein Praktikum.“ Für diejenigen, die beim Fernsehen oder mit Medien arbeiten wollen, empfehle sich vor allem Volontariat. Der klassische Weg eines Journalisten sei die Journalistenschule. Dort gäbe es auch ziemlich gute Chancen später eine gute Anstellung zu finden.

Politik … langweilig?

Zum Ende unseres Gesprächs komme ich noch auf ein anderes Thema zu sprechen. Politikverdrossenheit. Die Jugend von heute interessiere sich nicht für Politik, hört man immer wieder in Talkshows. Viele Erwachsene übernehmen diese Ansicht und werfen sie der Jugend vor. Mirko, der viel für die öffentlich-rechtlichen Sender unterwegs ist und berichtet, sieht das ganze etwas  anders: „Ich denke, die meisten interessieren sich für Politik. Aber junge Leute, ich erinnere mich da auch noch an meine Schulzeit, interessieren sich nur für etwas, das sie auch verstehen. Für Naturwissenschaften habe ich mich nicht interessiert, weil ich die Themen nicht wirklich alle verstanden habe.“ Es sei unter anderem das Konzept von Logo! und seinem YouTube-Kanal, wichtige politische und geschichtliche Geschehnisse auf das Wesentliche zu reduzieren und anschaulich zu erklären. „Die Reizüberflutung in den Medien ist viel zu groß. Es gibt oft widersprüchliche News im Fernsehen, Internet und Radio. Außerdem existiert eine große Themenvielfalt. Man kann sich heutzutage gar nicht mehr über alles informieren. Ich denke, da vergeht dann den meisten einfach die Lust.“ Wenn man Mirkos Videos anschaut, werden viele komplizierte politische Konflikte einfach erklärt. Diese Grundlageninformationen werden aber von der Tagesschau und anderen Nachrichtenmedien vorausgesetzt und sind nicht bei jedem vorhanden.