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Mit Marteria Zum Glück in die Zukunft II

Musik

Marteria dürfte in der letzten Zeit nicht viel Schlaf bekommen haben.  Nach seinen Reisen durch die Schweiz, das Himalaya bis hin nach Brasilien und Mexiko, erscheint am 31. Januar sein Album-Release zu "Zum Glück in die Zukunft II" . Wir haben mit ihm über seine Anfänge, seine ...

...Ansicht zu Ausbildung und Studium, seine Musik und natürlich über seine neue Platte gesprochen.

PLANBAR: Dich hat ja ein Modelscout entdeckt. Du hast ja auch für bekannte Marken gearbeitet. Warum hast du dich dagegen und für die Musik entschieden?

Marteria: Da muss man ja viel weiter ausholen, um das zu erklären. Also Modeln war noch nie eine Sache, die ich krass und toll fand und die mein Leben unfassbar beeinflusst hat. Ich war in erster Linie Fußballer und bin dann als Model entdeckt worden. Es war einfach eine Möglichkeit, dass ich mit 18 Jahren von Rostock nach New York ziehen konnte und das war das Coole daran. Mittlerweile ist das Jahre her. Hab‘s ein Jahr lang mal gemacht, aber der Job an sich war kein Beruf.

PLANBAR: Wusstest du schon immer, dass du die in die Rap-Szene möchtest? Wie fing das an mit der Musik? Im Zimmer, im Kleiderschrank mit so einem kleinen Mikro?

Marteria: Auf jeden Fall. Das war dann so mit der Fernbedienung als Mikrofon vor dem Spiegel. Genauso kann man sich das vorstellen. Ansonsten geht es nicht um die Rap-Szene, sondern darum Musik zu machen. Musik allgemein hat mich immer interessiert. Ob das Rock oder Rap oder irgendwie The Prodigy war. Ich mag nur keine Musik, die gehirnverblödet ist.

PLANBAR: Was hörst du generell für Musik ?

Marteria: Bin ein großer Soul- und Elektrofan. Vor allem gefällt mir englische Musik, weil sie immer sehr viele Sachen verbindet.
Ich bin niemand, der stets eine klare Richtung haben muss. Für mich gibt es bei Musik eben nur gute und schlechte Musik. Da ist mir die Richtung total unwichtig. Entweder erzeugt Musik in dir etwas oder eben nicht. Ich kann auch genauso Nirvana-Fan sein, wie Jay-Z -oder Rihanna-Fan. Das ist alles egal.

PLANBAR: Als du gemerkt hast, dass es mit Marteria und Marsimoto ernster wird, und dass es auf die großen Bühnen geht, wie hat dein Umfeld darauf reagiert?

Marteria: Sehr positiv hoffentlich. Du machst Musik oder etwas, was du machst, weil du dafür lebst. Du machst es aus Überzeugung.
Musik entsteht aus Liebe und Leidenschaft und wenn du Glück hast, kommt jemand, der zu dir sagt, „OK du kannst was, du kannst ne Platte rausbringen“. Ob das passiert oder nicht ist in erster Linie scheißegal. Du machst Musik für‘s Herz und für dich selber, weil du damit am besten reflektieren und Sachen in deinem Kopf ordnen kannst. Andere spielen Schach oder gehen Angeln. Bei mir ist es Musik. Ich hatte eben das Glück, dass jemand mit diesem Vertrag kam und gesagt hat, “Willst du nicht Musik machen und ne Platte rausbringen?“. Dann war die anscheinend auch ganz gut, dass ich mir eine Karriere aufbauen konnte. Früher 5 Leute vor der Bühne - heute 5000.
Es gibt eben nicht diesen Tag, wo du denkst „Jetzt ist es so!“. Das geht bei Musik nicht.
Es müssen viele Wege zusammen laufen, es gehört viel Glück dazu, dass die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt bei einem Konzert vor dir stehen und sagen “Das ist ein interessanter Künstler. Den baue ich auf!“.
Wenn man Musik nur aus Geldgründen machen möchte, wird das meist eh nichts. Du musst es auch aus Liebe machen.

PLANBAR: Du scheinst ziemlich bodenständig zu sein. Zumindest geht es in einigen deiner Lieder um Außenseiter. Oft vermittelst du auch den Eindruck, dass dir Geld und Luxus egal sind.

Marteria: Mittlerweile verdiene ich damit ganz gut, und auch viele Leute verdienen durch mich ganz gut.
Um gutes Leben zu haben, musst du erst mal versuchen, dass du deine Leidenschaft unterbringst. Wenn du einfach einen Job hast, der dir eigentlich keinen Spaß macht, du es aber des Geldes wegen machst, bringt das nichts. Früher oder Später bricht es dann einfach zusammen.
Das ist ein großes Problem bei vielen Menschen, dass man einfach etwas macht, um gutes Geld zu bekommen.
Ich empfehle jedem, das zu überdenken. Dass man einfach was machen sollte, was einem Spaß macht und wo man Leidenschaft hat. Ich glaube in allen Facetten des Lebens ist das Wichtigste die Leidenschaft und dass man morgens überzeugt zur Arbeit geht.

PLANBAR: Das wäre auch eine Frage von mir gewesen. Ob du einen Tipp hast, der unseren Lesern bei ihrer Entscheidungsfindung für ihre Zukunft weiterhilft.

Marteria: Man muss auch mal falsche Entscheidungen treffen. Das Schlimme ist auch: Viele Menschen machen etwas für ihre Eltern. Die Eltern sollen stolz sein, deswegen machst du eine Ausbildung und hast vom ersten Tag eigentlich null Bock drauf. Am Ende hast du dann irgendeinen Wisch in der Hand, der dir für dein Leben überhaupt nichts bringt, weil du eigentlich ganz andere Interessen hast. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man die Eier hat, Sachen einfach zu beenden, wenn man merkt, das ist nichts für mich. Woher soll ich von vornherein wissen, was der richtige Weg ist.
„So ich mach jetzt ne Ausbildung oder geh irgendwo studieren, merke dann, dass es scheiße ist. Dann muss ich das einfach beenden. Dass die Eltern dann traurig sind, das muss dir in der Hinsicht egal sein, weil du selbst entscheiden musst, was für dich wichtig ist.
Lieber ein oder zwei Mal richtig falsch liegen und dann glücklich werden, als von Anfang an auf etwas falsches zu setzen und dann für immer unglücklich zu sein.

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PLANBAR: Du warst im Himalaya, zuvor in der Schweiz. Wieso gerade diese Länder, um deine Songs in der Serie „Trek by Track“ vorzustellen?

Marteria: Genau. Ich wollte einen Song pro Land machen, um ein Bild von dem Song herzustellen und natürlich auch den Vibe und die Kultur aufzufangen.
Himalaya ist ein so krasser, unfassbarer Ort.
Im letzten Jahr war ich viel in der Welt unterwegs. Die ganze Platte ist auch sehr viel auf Reisen entstanden. Deswegen mache ich gerade diese Blogs und jeden Sonntag kommt dann eben ein neuer Ort und ein neuer Song dazu.
Ich will die Leute auf die Reise mitnehmen und will den Leuten die Platte näher bringen -warum sie so klingt, wie sie klingt und warum sie das ist, was sie ist.

PLANBAR: Möchtest du mit deinem neuen Album an „Zgidz 1“ anknüpfen? Wird es so ähnlich sein bzw. planst du eine Serie?

Marteria: Ja, das war mir von Anfang an klar, dass es zweites Album gibt. Ist ja auch ein bisschen auf den Film „Zurück in die Zukunft“ bezogen. Da war der zweite Teil auch der Beste (lacht). Einen dritten Teil wird es auf jeden Fall nicht geben, weil der dritte Teil scheiße war.
Das Thema „Zum Glück in die Zukunft“ ist super interessant. Was bedeutet glücklich sein in der Zukunft?
Ich meine, das Thema ist mit dem ersten Album noch nicht zu Ende gesprochen. Ich hatte einfach noch so viele Themen, die gesagt werden mussten. Deswegen gibt es den ersten und den zweiten Teil, und dann hab ich eigentlich alles, was dieses Thema betrifft: Was für mich wichtig war, für ein gutes Leben. Gab es Momente, die scheiße oder gut gelaufen sind.
Daraus zieht man Kraft raus und das sind Themen der Songs und dafür brauch ich einfach zwei Alben.

PLANBAR: Wenn du Songs/ Alben produzierst, holst du dir manchmal Feedback von anderen Rappern ein? Oder hörst du eher auf dein/e Familie/Umfeld ?

Marteria: Das Feedback hole ich mir schon von meinem Umfeld und nicht von anderen Rappern. Also ich habe da mein Umfeld bzw. meine Musikfamilie. Das sind zum Beispiel Peter Fox, Miss Platnum, Yasha und Seeed. Deswegen ist der Sound, der von uns kommt auch ein bisschen anders - fresh und besonders und hat vielleicht ein bisschen andere Attitude als andere Musik in Deutschland. Das ist mein Umfeld, wo ich mein Feedback kriege.

PLANBAR: Hast du ein Lieblingslied auf deinem neuen Album?

Marteria: Ja, diese Platte mag ich allgemein sehr. Schwierig…. Es gibt einen Song mit Campino – “Die Nacht ist mit mir“. Das ist gerade mein Lieblingslied.

Marteria

PLANBAR: Wie schaffst du es, bei Marsimotos Liedern so viele Wortwitze reinzubringen?

Marteria: Marsimotos großkotzige Kleinkunst sozusagen, dass soll ein bisschen Kunst sein -Man kann bei dieser Musik nach einem Jahr noch Sachen entdecken, die andersrum gedreht eine ganz andere Bedeutung bekommen. Es soll anders sein, als die Musik von Marteria.
Die Vorstellung, wenn ein kleines grünes Männchen mit seinem Raumschiff  in Berlin landet, den ganzen Tag kifft und sich die Welt anguckt, ist etwas besonderes und einzigartiges. Das ist es, was an der Musik so viel Spaß macht. Da muss man diese ganzen Sachen, die „normal“ sind in der Musik als Marsi nicht machen. Da gibt es kein „Ich muss `ne Maske auf haben“, „Ich muss mich schminken“ oder „ich muss Fernsehauftritte machen“. Einfach nur ein Konzert mit 1000 Leuten, die sich grün anmalen, Indianerschmuck tragen, Masken auf haben und es einfach wie ein kleiner Karneval ist. Es ist wunderschön.

PLANBAR: Du hast ja auch mit beiden Erfolg richtig?

Marteria: Auf jeden Fall! Es war erst so gedacht, dass es eine Tour wird, wo ca. 300 Leute kommen. Auf einmal standen in manchen Städten 2000 Leute in Anzügen vor dem Laden und wir haben ca. 50‘000 Platten von Marsi verkauft. Es gibt auch eine große Fanbase. Fans, die das absolut gegen alles andere verteidigen.

PLANBAR: Hättest du erwartet, dass es so schnell funktioniert mit Marsimoto? Dass er so gut bei den Fans ankommt?

Marteria: Nein! Ich hätte eher gedacht, das bleibt auf dem kleinen Level, weil ja viele immer sagen, dass mit dieser hochgepitschten Stimme ist nervig. Es gibt viele, die einfach nur eine Micky-Mouse Stimme hören mit einem schrägen Beat und gar nicht wissen, was da eigentlich da hinter steckt und was für eine Message da entsteht. Aber die Leute, die das verstehen sind auch Fans. Es gibt nur love-it or hate-it. So eine Musik finde ich eh ganz gut.

PLANBAR: Du hast Recht! Man entdeckt immer wieder etwas Neues in den Liedern, auch nach ein oder zwei Jahren. Können wir auf ein neues Marsimoto Album hoffen?

Marteria: Auf jeden Fall! Ich bin jetzt natürlich erst mal beschäftigt mit meinem Album, das muss erst mal rauskommen. Dann muss ich live spielen. Aber ich hab natürlich richtig Bock auf das nächste Jahr! Viel mit Marteria live zu spielen, auf viele Festivals zu gehen und wenn ich dann damit durch bin, setze ich mich auf jeden Fall an ein neues Marsi-Album.

PLANBAR: Eine Frage, die mich noch in eine andere Richtung interessiert: Du musst ja auf sämtlichen Kanälen präsent sein, also Facebook, Twitter, Instagram, Google+.Machst du das hauptsächlich alleine oder übernehmen das andere?

Marteria: Das mache ich schon zu 90 Prozent allein. Die meisten Sachen, die ich mache, poste ich selber. Nur informative Posts, in denen es darum geht, dass man etwas vorbestellen kann oder ähnliches, muss ich nicht selber machen. Aber alles, was mit Fotos zu tun hat oder wo ich irgendwas dazu erzähle, das mache ich eigentlich auf allen Kanälen selber.

PLANBAR: Das finde ich aber auch gut, denn das hält die Fangemeinde immer zusammen.

Marteria: Ja, man muss es ja nicht machen, aber man kann als Künstler dabei auch ein bisschen ausschweifen. Ich finde es wichtig, dass man den Leuten mal außerhalb der Musik etwas von sich zeigt. Ich habe vor zwei Monaten z.B. Instagram für mich neu entdeckt und finde das super. Da ich eher ein Foto-Poster-Typ bin, mag ich, wenn man seine Fotos postet und etwas dazu schreibt. Dafür ist Instagram eine gute Plattform.

marteria

PS: Marteria findet ihr bei Instagram unter http://instagram.com/marteriiiyeaaah

 

Das Interview wurde geführt von Cindy (: