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Comedian Luke Mockridge im Interview

Afterwork

Luke Mockridge stellte sich PLANBAR für ein Interview zur Verfügung.

Sie haben im Jahr 2007 Ihr Abitur gemacht, wie kommt es, dass sie jetzt noch einmal auf Ihre Schulzeit zurückblicken?
Für mich ist die Schulzeit noch sehr präsent und ich habe das Gefühl immer wenn ich über meine Schulzeit rede, dann passiert emotional bei allen irgendwas im Publikum. Sowohl bei älteren Leuten, die schon seit 30 oder 40 Jahren nicht mehr zur Schule gegangen sind, als auch bei Schülern. Und ich glaube wir haben alle immer noch diesen einen Albtraum, wenn wir schweißgebadet aufwachen und denken „Mist, ich muss eine Klassenarbeit schreiben“ oder „Verdammt, ich habe Mathe noch nicht gemacht“, auch wenn wir schon seit Jahren aus der Schule raus sind. Ich denke bei dem Thema ‚Schule’ ist ein absolut hoher Identifikationsfaktor und eine Emotionalität.

Das Buch in dem Sie auf Ihre Schulzeit zurückblicken heißt „Mathe ist ein Arschloch -Wie (m)ich die Schule fertigmachte“. Wie sind Sie auf diesen Titel gekommen?
Der Titel hätte auch „Physik ist ein Pisser“ oder „Chemie ist ein Spako“ heißen können. In der Schule waren eigentlich alle Fächer meine Hassfächer, aber Mathe ist einfach der Klassiker, denn viele hatten Probleme mit diesem Fach. Mathe ist halt ein Arschloch, das ist einfach wahr.

War denn Mathe das Unterrichtsfach, das sie fertig gemacht hat?
Ich glaube Mathe hat alle fertig gemacht und ist das Hassfach von vielen Leuten. Aber noch mehr Probleme hatte ich tatsächlich mit Chemie und Physik. Die Kombination aus all dem war für mich Chinesisch. Das waren Hieroglyphen, die ich überhaupt nicht gerafft habe. Es war einfach nicht greifbar. In Fächern wie  Biologie sieht man ja was passiert. Wenn man zum Beispiel die Fotosynthese erklärt bekommt sieht man ja die Resultate. Bei Mathe, Physik und Chemie sieht man gar nichts, nur Zahlen und Klammern, Buchstaben, Geteilt-durch-Zeichen oder Sinus und Cosinus.

Gleich darauf haben Sie Ihr Studium in Deutschland, Kanada und England absolviert – das war bestimmt eine aufregende Zeit. Würden Sie unseren Lesern zu solch einem übergreifenden Studium raten?
Wenn man die Möglichkeit hat ins Ausland zu gehen, sollte man diese auf jeden Fall wahrnehmen. Das ist eine großartige Erfahrung und es ist immer wieder wichtig seinen Horizont zu erweitern und auch Auslandsjahre mitzunehmen. Gerade als junger Typ hat man noch die Zeit und nicht die Verantwortung. Irgendwann kommt der Job, die Familie und es gibt nichts Schlimmeres als später   mit 40 Jahren einen Haufen Verantwortung zu haben und zu sagen „Wäre ich doch mal ein Jahr nach Italien, Indien oder Australien  gegangen“. Also ja, alles machen, das muss sein.

Ihr Vater ist der Schauspieler Bill Mockridge, der vielen aus der Serie „Lindenstraße“ bekannt ist – war er Ihnen ein Vorbild, auch auf die Bühne zu gehen?
Meine komplette Familie ist im Künstlersektor tätigt, daher war klar, dass auch ich da lande. Ich hätte eigentlich machen können was ich will, meine Eltern haben immer zu mir gesagt „Tu was du liebst und du musst nie einen Tag in deinem Leben arbeiten“ und genau das ist passiert. Ich habe einen Job gefunden, den ich liebe und der natürlich auch durch die Eltern kommt. Ich bin ja mit Schauspiel und der Theaterwelt um mich herum aufgewachsen: Meine Mutter, die auf die Bühne gegangen ist und Brüder, die hier und da auch kleine Rollen gespielt haben. Beruflich möchte ich zwar nicht in der Lindenstraße enden, aber so wie mein Vater Familie und Beruf unter einen Hut bekommen hat, das ist schon sehr vorbildlich. Auch für mich ist er ein Vorbild.

Auch ihre 5 Brüder arbeiten auf der Bühne, als Regisseur oder als Musiker, holen Sie sich auch Inspirationen aus deren Arbeitsleben?
Ja, gerade wenn wir Weihnachten zusammenhocken und alle 6 Brüder mal wieder zusammenkommen. Dann befruchten wir uns gegenseitig was unsere Jobs und die Kreativität angeht. Jeder arbeitet für den Anderen ein bisschen mit. Ich habe ja auch Musicalausbildungen hinter mir, spiele Gitarre und Klavier und helfe dann auch dem Musiker-Bruder, der ein eigenes Studio in London hat und gebe ihm Song-Ideen oder spiele ihm Riffs vor, die ich ihm Kopf habe. Und er sagt mir dann aber auch „Oh ich habe diesen einen Joke in England gehört, der dir vielleicht helfen könnte“. Es ist schon ein buntes Karussell an Kreativität, was da so in Gang gesetzt wird, wenn 6 Jungs aufeinander treffen. Und das tut echt sehr gut. Das ist wie einmal Biodiesel an Kreativität tanken Zuhause.

2013 erhielten Sie den deutschen Comedy Preis als bester Newcomer, seit wann war Ihnen klar, dass Sie Comedian werden wollten?
Mir war das immer klar. Schon als kleiner Luke war ich immer darauf bedacht Witze zu machen und die Leute zu entertainen und kleine Sketche aufzuführen. Um das dann aber wirklich als Beruf zu machen, hat mir dann ein bisschen das Selbstbewusstsein gefehlt und vielleicht war auch ein bisschen der Schatten meiner Familie zu groß. Aber dann, durch die zwei Jahre im Ausland, habe ich mich von meiner Familie emanzipiert und rausgefunden, wer der Luke jenseits dieser Familie ist. Das war ein ganz gutes Ding, durch das ich gemerkt habe, was ich wirklich will und brauche. Ich habe mir gesagt ‚Das ist der Plan, das ist der Mensch, der ich sein möchte’ und dann habe ich es einfach gemacht. Wer den Plan hat Comedian zu werden muss einmal ins kalte Wasser springen und ist das Wasser noch so kalt: einfach nochmal reinspringen.

Haben Sie in Zukunft vor, einen Beruf zu ergreifen, der auf Ihrem Studium aufbaut, oder bleiben Sie uns als Kabarettist treu?
Kabarettist bin ich schon einmal gar nicht. Politik und Pseudowissen über soziologische Zusammenhänge der Gesellschaft interessieren mich nicht. Aber ich bleibe wahrscheinlich dem Comedysektor treu. Mein Studium ‚Medienrecht und Kommunikationswissenschaften’ kommt mir jetzt ja auch zu Gute, denn Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Arbeit eines Comedians. Ich schreibe auch viele Sketche für den YouTube-Channel und entwickle Einspielerideen für NightWash oder für Sendungen, bei denen ich zu Gast bin. Und ein bisschen im Kopf zu haben, wie die Medien funktionieren, was ankommen muss und wie kommuniziert wird von Bildschirm zu Publikum, da ist das Studium schon wichtig gewesen und hilft mir auch in der jetzigen Situation.

Welche Pläne haben Sie für Ihre berufliche Zukunft? Dürfen wir uns auf ein neues Bühnenprogramm oder Buch freuen?
Ja klar, man kann sich auf jeden Fall auf ein neues Bühnenprogramm freuen. In 1 ½ Jahren ist es ungefähr soweit, dass ich Premiere mit dem neuen Programm feiere. Jetzt toure ich erst einmal mit  „I’m lucky, I’m Luke“ durch das ganze Land. Ein paar Sendungen wird es im Fernsehen noch geben und es gibt viele spannende Projekte, mit denen ich in Verbindung stehe. Es finden immer wieder neue kleine Überraschungen statt und ein neues Buch gibt es bestimmt auch.

Welche Tipps können Sie unseren Lesern geben, die noch auf der Suche nach dem richtigen Ausbildungs- oder Studienplatz sind, oder noch keine Ahnung haben, in welche Richtung es gehen soll?
Diese Frage habe ich mir auch lange gestellt. Was will ich überhaupt machen? In welche Richtung geht es? Mein Vater und ich haben uns lange darüber unterhalten. Ich habe Leute gehasst, die gesagt haben „Keine Ahnung, was ich machen will“, aber mir ging es tatsächlich auch so. Mein Vater hat mir immer gesagt, dass man einfach mal durch die eine Tür durchgehen muss, die einem offen steht, wenn man nicht weiter weiß. Irgendwas geht ja immer, auch wenn es nicht zum Endziel führt. Man sollte immer durch diese eine Tür gehen, um durch die Nächste gehen zu können, um dann Schritt für Schritt das zu finden, was man will. Und wenn man keine Ahnung hat, was man will, dann ist die Suche dahin auch ganz interessant. Es gibt ja viele Angebote wie Work and Travel, zum Bund gehen, ein Jahr Australien oder ein freiwilliges soziales Jahr machen. Zivildienst soll auch ganz lustig sein habe ich mir sagen lassen. Die Reise zu sich selbst ist ja die Spannendste von allen. Irgendeine Tür steht schon auf, einfach durchgehen und vielleicht ist ja auch ein Fenster auf Kipp, durch das man schauen kann.

 Foto: Guido Schröder