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Wenn ein paar Minerale den Lebensweg beeinflussen…

Reportagen

„Angefangen hat alles mit dem Tag der offenen Hochschultür in der Universität in Leipzig“, denkt Elvira Rauch zurück. Damals war sie noch Schülerin und hatte keine genaue Vorstellung, wo es im Leben einmal hingehen sollte.

Aus reiner Neugier entschied sie sich an diesem Tag, das Institut für Kristallographie zu besuchen. „Im Treppenhaus stach mir direkt die Mineralausstellung ins Auge. Ich muss zugeben, dass ich mich daraufhin recht spontan entschieden habe, es einfach zu probieren. Chemie und Physik haben mich in der Schule schon immer interessiert und so begann für mich das Experiment ‚Studiengang Kristallographie‘ “, erzählt sie schmunzelnd.

Neben diesen beiden Schwerpunkten ist die Studienrichtung, die auch heute noch in Leipzig unter dem Namen „Mineralogie“ existiert, sehr mathematiklastig. Wer es Elvira Rauch also nachmachen möchte, sollte nicht unbedingt eine naturwissenschaftliche Niete sein.

Aus dem ursprünglichen Versuch wurde dann recht schnell Ernst und Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten. Vier Jahre, viel Laborarbeit, unzählige Untersuchungen und Beschreibungen der verschiedenen Kristalle und eine Diplomarbeit später war es vollbracht – Elvira Rauch hatte sich den Titel „Diplom–Kristallographin“ erarbeitet. Tatsächlich ist aus einer spontanen Bauchentscheidung ein akademischer Grad und eine Leidenschaft fürs Leben geworden.

Von ihrem Abschluss 1976 bis heute haben sie die kleinen Glitzersteinchen und die aus ihnen entstandene Produkte nie so richtig losgelassen. „Die meisten der damaligen Absolventen hat es in die Glasindustrie verschlagen. Ich war zunächst bis 1982 im Labor des Wissenschaftlich-Technischen Werks in Bad Muskau beschäftigt, danach ein Jahr im Glaswerk in Tschernitz und anschließend bis 1992 im Chemielabor der Einheit in Weißwasser“, blickt die heute 54-jährige zurück. Nach einer 2-jährigen Weiterbildung zur staatlich geprüften Betriebswirtin und einem Kurzlehrgang zur Bibliotheksassistentin wagte Elvira Rauch einen Exkurs in die Weißwasseraner Bibliothek. „Auch das war ein interessanter Abschnitt meines Lebens, den ich heute nicht mehr missen möchte. Trotzdem freue ich mich riesig, dass ich seit 2008 das Glasmuseum leiten darf“, erklärt die gebürtige Leipzigerin, die wieder völlig in ihrem Element angekommen zu sein scheint. „Hier kann ich nun meine Kenntnisse aus dem Studium und 15 Jahren Glasindustrie mit dem betriebswirtschaftlichen Part vereinen.“ Als Leiterin eines Museums ist außerdem viel organisatorisches Talent von Nöten. Bürotätigkeiten, Organisation von Sonderausstellungen, Weitergabe von Ausstellungsstücken an andere Museen, die dazugehörigen Verträge, Kunsttransporte und Versicherungen – das liegt in Weißwasser derzeit alles in der Hand von Elvira Rauch und einer Mitarbeiterin. „Wir sind unglaublich dankbar für die Hilfe des Fördervereins Glasmuseum Weißwasser e.V., ohne den so manches nicht realisierbar wäre“, gibt die Leiterin zu bedenken.


Hardfacts rund um den Studiengang Mineralogie/Kristallographie:

  • heute nicht mehr separat, sondern als Teil des Studiengangs „Geowissenschaften“ angeboten
  • in der Schweiz existiert noch „Kristallographie“ als gesonderter Studiengang
  • geeignet für naturwissenschaftlich Interessierte (vor allem Chemie, Physik und Mathe)
  • Inhalte: Struktur, Entstehung, Eigenschaften, Herstellung und Anwendungsmöglichkeiten von Kristallen
  • Teilbereiche der Kristallographie: geometrische Kristallographie, physikalisch-chemische Kristallographie, technische Kristallographie
  • Einsatzfelder nach Beendigung des Studiums: vorwiegend rohstoffverarbeitende Industrie (Glas, Keramik, Elektronik, chemische Industrie, Steine, Erden etc.), Umweltschutz, Bergbau, Düngemittel-, Pharma- und Schmuckindustrie, Denkmalpflege, Solarbereich