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Körperschmuck am Arbeitsplatz

Reportagen

Tattoos und Piercings liegen zurzeit wieder voll im Trend. Wenn man sich die vielen Jugendlichen aber auch im Leben stehenden Erwachsenen etwas genauer betrachtet. Groß(flächig) und bunt muss es sein.

Doch der Körperschmuck kommt nicht bei jedem Arbeitgeber gut an. Als Kundin des Bienenstich Piercing- & Tattoostudios Senftenberg habe ich mich auf zu Susen und Vroni gemacht, um herauszufinden,
woran ein "Frischling" ein gutes Studio erkennt, welche Stellen und Motive zu welchem Typ passen und natürlich um mich auch selbst wieder unter die Nadel zu legen.

Seit 9 Jahren gibt es das Piercing- und Tattoostudio Bienenstich (ehemals Painless) schon. Der Laden ist klar gegliedert: Eine gemütliche Couch, diverses Merchandising, ein moderner Tresen und ein klar abgetrennter Arbeitsbereich zeichnen das Studio aus.
Susen verriet mir, dass ein (Neu-)Kunde ein gutes Studio an folgenden Kriterien erkennt:

01. In einem Tätowierstudio ist der Arbeitsplatz deutlich vom übrigen Teil des Raumes getrennt.

02. Im Arbeitsbereich sollten nur die Möbel und Geräte stehen, die für die Arbeit des Tätowierens/Piercens notwendig sind.

03. Im Arbeitsbereich stehende Alkoholflaschen, Aschenbecher und überlaufende Abfalleimer sind ein Zeichen dafür, dass es der Tätowierer/Piercer in Bezug auf
Hygiene nicht so genau nimmt.

04. Während des Tätowierens/Piercens sollte sich dort nur der Künstler und sein Kunde aufhalten.

05. Vor Arbeitsbeginn muss der Tätowierer neue Nadeln in die Maschine einsetzen, Nadeln und Führungen müssen in einem sterilen Behälter (oder auch in Tüten) aufbewahrt sein. 05. Vor Arbeitsbeginn muss der Piercer neue Nadeln und eine sterilisierte Piercingzange bereitlegen.

06. Die verwendete Vaseline sollte mit einem Spatel aufgetragen werden. Achtet besonders darauf, dass für jeden Kunden neue Vaseline und auch Farbtöpfe genommen werden, denn diese sind Einmalprodukte, die nach jedem Kunden entsorgt werden müssen. (Salben zur Versorgung der Haut können auch aus einem größeren Behälter entnommen werden, jedoch ausschließlich mit einem frischen Spatel.)

07. Andere fadenscheinige Methoden weisen darauf hin, dass hier ein Pfuscher am Werk ist.

08. Selbstverständlich muss der Tätowierer/Piercer selbst auch mit Einmalhandschuhen arbeiten.

09. In jedem professionellen Studio werden Kunden, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, nicht behandelt. Wer noch keine 18 Jahre alt ist, wird nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten behandelt.

10. Die Beratung ist auch ein entscheidender Faktor, denn Service wird heutzutage GROSS geschrieben.

Sie dient auch eurem Wohl. Ich würde z.B. nie jemandem, der noch kein Tattoo hat, ein Gesichtstattoo oder dergleichen stechen. Außerdem ist es auch wichtig, dass das Tattoo zu dem Kunden passt, bzw. ob es auch vom Motiv her tragbar ist oder nicht. Außerdem müsst ihr daran denken, dass ein Tattoo/Piercing bei einem Bewerbungsgespräch vielleicht nicht so gut ankommen könnte.

Ein Bewerbungsgespräch dient dazu, den Bewerber kennenzulernen, sich ein Bild von ihm und seiner Persönlichkeit zu machen, einen ersten Eindruck zu erhalten. Aus diesem Grunde ist es wichtig, als Bewerber authentisch zu bleiben und sich natürlich zu geben. Die Kleidung zu einem Bewerbungsgespräch sollte dementsprechend gewählt werden. Sie sollte der Berufsbranche angepasst sein, aber der Bewerber sollte sich darin nicht verkleidet vorkommen.
Doch was ist mit bereits vorhandenen Piercings und Tattoos? Herausnehmen und verdecken? Hier muss jeder, der sich um eine Stelle bewirbt, eine eigene Entscheidung treffen.

Einige Fragen, die sich jeder stellen sollte, können bei der Entscheidung helfen:

* Wie wichtig ist mir das Piercing in Bezug auf die Stelle oder den Ausbildungsplatz?
* Bin ich bereit, für den Beruf auf den Körperschmuck gänzlich zu verzichten, ihn für die Arbeitszeit abzulegen oder zu verstecken?
* Wirke ich bei einem Bewerbungsgespräch authentisch, wenn ich mein Piercing lediglich zu diesem Termin entferne und es nach der Einstellung am Arbeitsplatz öffentlich tragen möchte?
* Wie wichtig ist es mir, meine Persönlichkeit mit einem Piercing oder einem Tattoo zu unterstreichen und dies öffentlich zur Schau zu stellen?

Niemand kann vorhersagen, ob ein Bewerbungsgespräch aufgrund eines Piercings oder eines sichtbaren Tattoos negativ verlaufen wird oder nicht. Dies ist abhängig von der Einstellung des Personalleiters oder Firmenchef. Allerdings sollte jeder, der auch im Berufsleben nicht auf diese Art von Körperschmuck verzichten möchte, auch im Bewerbungsgespräch dazu stehen.

Gibt es Berufe, in denen Piercings oder Tattoos verboten sind?

Grundsätzlich sind Piercings und Tattoos Privatsache und unterliegen ebenso wie die Bekleidung dem Persönlichkeitsrecht. Allerdings gibt es Berufsbranchen, in denen es aufgrund traditionell konservativer Vorstellungen und Einstellungen oder auch aufgrund hygienischer Vorschriften zu Einschränkungen diesbezüglich kommen kann. Dies betrifft Berufe mit Kundenverkehr wie Angestellte im Einzelhandel, Angestellte im Bankenwesen, medizinisches Personal und ähnliche Berufsgruppen. Wer beispielsweise in einer Bank eine beratende Tätigkeit mit Kundenkontakt innehat, wird entsprechende Bekleidungsvorgaben
vom Vorgesetzten erhalten. Diese Vorgaben sind zulässig, wenn sie dem Branchen- oder Verkaufskonzept des Unternehmens entsprechen und können das Entfernen von Piercings zumindest während der Arbeitszeit und das Verdecken von Tattoos mit einschließen. Allerdings muss letzteres vom Arbeitgeber plausibel begründet werden.

Anders verhält es sich in medizinischen und pflegerischen Berufen. Hier gelten bestimmte Hygienevorschriften, die beispielsweise das Tragen von Ringen an den Händen untersagen. Für das Tragen von Ohrringen oder Piercings gibt es allerdings noch keine einheitlichen Regelungen. Hier entscheidet die Toleranz des Arbeitgebers. Bei Tätigkeiten im erzieherischen Bereich, insbesondere bei der Arbeit mit Kleinstkindern oder im sportpädagogischen Bereich kann ein Gesichtspiercing an Nase oder Lippe ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellen, da Kleinstkinder noch unkontrolliert greifen oder es beim Sport zu Verletzungen kommen kann. Hier sollte der Betreffende über ein Entfernen des Piercings nachdenken.

Also versucht hier bitte nicht euren Kopf durchzusetzen, sondern einzusetzen. Das fängt bei der Überlegung, ob Tattoo/Piercing ja oder nein an und hört beim fertigen Motiv auf. Denn leider ist diese Szene noch nicht angesehen, da sie in den Köpfen vieler noch als unseriös gilt. Offiziell wird dann eher die Kompetenz angezweifelt. Wobei Körperschmuck natürlich nichts über die Intelligenz einer Person aussagt. Doch in den Köpfen unserer Mitbürger schickt sich dieses Thema (noch) nicht und ist daher auch leider noch nicht als Kunst angesehen.

Zusammenfassung No-go-Berufe (Beispiele)

* Dienstleistungsbereich, Gastronomie
* Finanz-/Bankwesen
* Schulwesen
* Polizei
* Papst, Priester
* Medizin, Pflege