Navigation öffnen

Neue Deutschpoeten aus der Pfalz

Musik

Manchmal braucht es nicht viel, um Großes zu schaffen. Musikalisch beweisen uns das seit letztem Jahr Lena Simmler und Madeline Müller, die sich als „Kleinstadtpoeten“ in unser Herz singen.

Die beiden jungen Frauen aus der Nähe von Karlsruhe brachten erst Anfang 2012 ihre ersten Songzeilen zu Papier. Und dann ging es Schlag auf Schlag: Die erste Demo-CD war schnell produziert, die ersten Auftritte  in Frankfurt und Pforzheim – als Vorband von „The Love Bülow“! – folgten, aber auch eigenen Auftritte und schließlich die Einladung zum Bundeswettbewerb Treffen Junger Musik-Szene der Berliner Festspiele. Mit dem Sieg dieses Förderpreises  trat das Akustik-Duo in die Fußstapfen von Philipp Poisel und Eva Croissant, die den Wettbewerb in den Jahren davor gewannen. Derzeit sind sie – obwohl eigentlich noch Schülerin und Studentin – im Rahmen der Popstart Akademie in ganz Deutschlands unterwegs, nehmen an Workshops teil und geben Konzerte. Auch ins Studio wird es sie wieder ziehen, und wir sind schon mächtig gespannt.

Das sympathische Duo reiht sich ein zwischen die tollen deutschen Singer-Songwriter wie Boy, Alin Coen, Philipp Poisel und Wolfgang Müller, die durch Einfachheit überzeugen, nämlich einfach mit bezaubernden Stimmen zu puren Gitarrenklängen. Die Texte von „Kleinstadtpoeten“ sind mal tiefsinnig, mal mit viel Gefühl, mal lässig und mal verspielt, aber immer sehr eingängig. Der Ohrwurm ist quasi vorprogrammiert.

Schon der erste Song ihrer EP „Hör dir das an“ bezaubert. Es ist ein Lied über die Hoffnung und die vielen erfolglosen Versuche, doch noch etwas Glück zu haben. Dabei hat Lenas Stimme viel Tröstendes, Aufmunterndes und man kauft es ihr ab, wenn sie singt: „Schau mal genauer hin, guck mal ums Eck, das Glück muss irgendwie liegen dort zwischen Staub und Dreck“.  Einfach unheimlich schön ist auch das Liebesgeständnis, dass die beiden in „46ste Song“ machen. Wer kennt schließlich nicht das Gefühl, nicht die richtigen Worte zu finden für das, was man fühlt? Das Thema wird auch in „Hör dir das an“ wieder aufgegriffen, wenn es heißt: „denn das ist es was ich sagen wollte, als wir uns das letzte Mal sahen“. Für mich sind das die beiden stärken Lieder auf der Platte, weil sie viel Emotionen transportieren, textlich einfach treffend sind und toll umgesetzt von Lena an Gitarre und Madeline am Bass. Dabei klingt es nicht – wie bei sentimentalen Liedern oft der Fall – abgedroschen oder wie eine langweilige Schnulze. Ich könnte mir die Beiden jedenfalls in Dauerschleife anhören.

Neben ganz viel Emotionen findet man aber auch verspieltes auf dieser EP, wie zum Beispiel das „Spiel ohne Anleitung“. Für mich ist das ein ganz witziges Lied, denn ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, mitzuraten, um welches Spiel es geht. Dass das Spiel des Lebens aber nicht immer gut läuft und eigentlich niemand gewinnt, wird in „Stiller Killer“ besungen.

Ein Highlight ist auch „Gegensätze“. Der bezaubernden, sanften Stimme von Lena wird eine männliche Sprechgesangseinlage entgegengesetzt. Niemand geringeres als Falk-Arne Gossler, Frontmann der Berliner Band „The Love Bülow“, trägt dazu bei, gesanglich das zu untermalen, was der Text ausdrückt: egal, wie verschieden man ist, wenn man sich wirklich liebt, kann man über die Marotten des anderen hinwegsehen. Die Unterschiede sind es schließlich, die eine Beziehung erst spannend machen.

Fazit: Bei der EP ist der Name Programm: Hör dir das an! Es lohnt sich!