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Kickboxen gegen Drogen: Suchtprävention bei „Update your life“

Leben

Der richtige Umgang mit Suchtmitteln will gelernt sein. Sport und gute Freunde sind die besten Mittel gegen Drogen.

Auf die Frage „Welche Drogen fallen euch ein?“ antwortet ein Junge aus der letzten Reihe „LSD“. Seine Kumpels und er lachen. Irgendwie ist es peinlich in einem Raum mit 250 Schülern etwas zu sagen, oder? „Sehr gutes Beispiel“, antwortet Carsten Bölke, „denn erst vor Kurzem hatte ich einen Patienten, der auf LSD war. Er glaubte, von einer Hexe verfolgt zu werden. Der Patient konnte Wirklichkeit nicht von Halluzination unterscheiden und verletzte sich auf der Flucht vor der Hexe schwer“, sagt er. Und plötzlich ist es still im großen Hörsaal an der BTU Senftenberg.

„Update your life“

Carsten Bölke ist Stationsarzt auf der Suchtambulanz am Zentrum für psychosoziale Gesundheit. Für ihn sind Drogen nichts Witziges, sondern etwas ganz Normales. „Drogen müssen raus aus der Schmuddelecke. Wir müssen darüber ernsthaft reden, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Vorurteile“, sagt er. Denn wer hat schon Lust auf Moralpredigten? Für Carsten Bölke ist das Prinzip ganz einfach: Wer Drogen nimmt, muss die Folgen kennen. Und die sind immer gleich: Straftaten, Schulden, gesundheitliche Schäden, Einsamkeit.

„Wir wollen den Jugendlichen zeigen, wie sie später verantwortungsvoll mit Suchtmitteln umgehen können“, erklärt die Organisatorin des Suchtpräventionstages in Senftenberg, Anne Dick. Suchtmittel gehören eh zu unserem Alltag: der Kaffee am Morgen, die Zigarettenpause, das Wochenend-Bier. „Es kommt eben nur darauf an, wie viel wir von allem konsumieren“, sagt sie. Auf Workshops und Vorträgen sollen Schüler an einem Tag alles rund um Suchtmittel erfahren.

WhatsApp im Straßenverkehr

Dabei kann man nicht nur von Drogen süchtig werden, sondern auch von Online-Games und Social Networks. Hand auf’s Herz: Hast du schon mal beim Fahrradfahren eine WhatsApp-Nachricht getippt? Der 16-jährige Max jedenfalls schon. Im Blindfahr-Simulator der Deutschen Verkehrswacht testet er, wie viele Meter er auf dem Rad beim Tippen von „Bock auf Kino?“ zurücklegt. Nach ein paar Sekunden ist er fertig. Dann kommt das Ergebnis: „Du bist gerade 30 Meter blind gefahren. Auf der Strecke hättest du Fußgänger, Autos und Lkws gar nicht wahrgenommen“, erklärt Heiko Wiese von der Verkehrswacht Oranienburg. „Handys sind aus dem Straßenverkehr nicht mehr wegzudenken. Jeder Zweite benutzt das Smartphone beim Fahren. Wie gefährlich das ist, wird ihnen hier gezeigt“, sagt er und zeigt den Schülern schockierende Videos über brutale Verkehrsunfälle. Zu sehen sind verrenkte Gliedmaßen, schreiende Angehörige und tote Unfallopfer.

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Sport und Musik statt Drogen

Für Daniel Komorek und Stefan Cepa vom Fightclub 193 aus Schwarzheide ist klar: Sport ist die beste Ablenkung von Drogen. „Wer Sport treibt, achtet auf seine Gesundheit. Der kommt gar nicht auf die Idee, Drogen zu nehmen. Er hat auch kaum Zeit, Mist zu bauen, weil er ja viermal die Woche trainieren kommt“, erklärt Daniel Komorek. Sport stärkt die Persönlichkeit. Du lernst auch mal Nein zu sagen und für dich selbst einzustehen. Doch nebenan wird deutlich, dass Sport lange nicht das einzige Ablenkungsmittel ist. Im Musik-Workshop von Lew Noack verausgaben sich die Schüler beim Schlagzeug-spielen  und Musik machen. Auch hier gilt das Motto: Musik stärkt die Persönlichkeit.

Wie wichtig das ist, weiß auch Carsten Bölke. „Jugendliche wollen cool sein und sich und anderen etwas beweisen. Wenn alle aus der Gruppe etwas machen, machst du halt mit“, erklärt er. Viele probieren Drogen obwohl sie es eigentlich nicht wollen, werden dann abhängig und verlieren ihre wahren Freunde. „Die Sache ist nur die: Sucht ist einsam. Jugendliche lassen ihre echten Freunde zurück, weil sie glauben, endlich Teil einer coolen Gruppe zu sein. Doch durch die Abhängigkeit wird ihnen keiner der neuen ‚Freunde‘ durchhelfen. Jeder ist dann auf sich allein gestellt.“

Anzeichen erkennen und Verständnis haben

Aber soweit muss es nicht kommen. Es gibt einige Anzeichen, auf die Freunde und Familie achten können: „Rückzug, Heimlichtuerei, schlechte Noten und Fehltage in der Schule,  plötzliche Gewohnheitsveränderungen, wie einen neuen Freundeskreis oder wenn das jahrelange Taschengeld nicht mehr ausreicht und das lebenswichtige Handy ständig verloren geht“, zählt Carsten Bölke einige der Dinge auf.

Sobald du diese erkannt hast, rät der Fachmann zu einem ehrlichen Gespräch. Aber nur  unter einer Bedingung: „Mach demjenigen keine Vorwürfe, sondern versuche Verständnis aufzubringen, egal, wie schwer das fällt. Biete immer wieder deine Hilfe an und lass nicht locker. Das ist über Jahre zwar sehr frustrierend. Aber für den Menschen hinter den Drogen lohnt es sich.“