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Kahnfahren im Spreewald – ein Job wie kein anderer

Reportagen

Ein Spreewald-Urlaub ohne Kahnfahrt? Gibt’s nicht! Hunderte Kahnfährmänner und -frauen chauffieren die Touristen das ganze Jahr über durch die weit verzweigten Spreearme zwischen Alt Schadow und Burg.

Kahnfahren - was kann es schöneres geben

Kahnfährmann – das ist zwar kein offizieller Ausbildungsberuf, doch wer gewerblich Gäste über die Fließe befördert, der braucht dazu einen Führerschein. Genauer gesagt, einen Schiffsführerschein, erklärt Steffen Franke vom Großen Hafen in Lübbenau: „In einem theoretischen Lehrgang bekommt man zuerst Gesetzlichkeiten und Wissenswertes über den Spreewald vermittelt, anschließend muss man die theoretische Prüfung ablegen.“ Ist diese bestanden, heißt es praktische Erfahrung sammeln. „Um zur praktischen Prüfung zugelassen zu werden, muss der Prüfling 100 Fahrstunden nachweisen. Bei der Prüffahrt sitzt dann eine Kommission aus Vertretern des Landesamtes und Fachleuten aus der Region mit auf dem Kahn.“

Etwa 20 Personen pro Jahr erhalten in Lübbenau auf diese Weise den Schiffsführerschein, der inklusive Gewerbeanmeldung um die 600 Euro kostet. Wer dann am Wochenende hin und wieder einen Touristenkahn stakt, der hat die Kosten bald ausgeglichen und obendrein einen sportlichen Zuverdienst.

Sie bringt die Post …

Doch mit dem Kahn werden im Spreewald nicht nur Personen chauffiert: Seit 118 Jahren transportiert die Deutsche Post Briefe, Päckchen und Pakete auf dem Wasserweg in das Spreewalddorf Lehde. Andrea Bunar heißt die einzige Zustellerin Deutschlands, die in den Sommermonaten in einem gelben Kahn 65 Haushalte entlang der Spreewaldfließe mit Post versorgt. „Eine spezielle Qualifikation ist dazu nicht notwendig“, sagt Andrea Bunar. „Jedoch sollte man neben einer klassischen Ausbildung bei der Post natürlich das Kahnfahren beherrschen.“ Ins Wasser gefallen sei ihr eine Sendung dabei noch nie, verrät sie.

Postzustellerin Andrea Bunar stakt in die neue Saison
Deutsche Post

… er holt den Müll

Weil die Zufahrtswege zu einigen Grundstücken in Lehde für Autos zu eng sind, muss auch der Müll per Kahn abgeholt werden. Diesen Job übernimmt Dieter Adler. Er ist für das Entsorgungsunternehmen ALBA tätig und transportiert mehrmals im Monat die Restmüll-, Papier- und Gelbe Tonne zu einer zentralen Entladestelle. Dort werden sie an ein Müllfahrzeug auf vier Rädern übergeben. Anschließend bringt er die leeren Tonnen in seinem Aluminiumkahn wieder zurück auf die etwa 40 Wassergrundstücke.

Nach 10 Jahren im Dienste der Müllentsorgung geht Dieter Adler demnächst in den Ruhestand – ein Nachfolger wird noch gesucht…

Lübbenauer Ortsteil Lehde. Dieter Adler transportiert mit seinem speziellem Wasserfahrzeug die Mülltonnen und "gelben Säcke" im Lagunendorf ab.

Fotos: Deutsche Post, Bernd Marx