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JAV hilft Dir!

Ausbildungsfinder

Was ist eine JAV? JAV ist die Kurzform für Jugend- und Auszubildendenvertretung und ist kurz gesagt, der “Betriebsrat für Azubis und Dualstudenten“ in einem Unternehmen.

Vor dem Beginn meiner Ausbildung hatte ich keine Ahnung, dass es so etwas überhaupt gibt, geschweige denn welche Aufgaben eine solche Vertretung eigentlich übernimmt. Um diese Fragen zu klären, habe ich mit Leopold Schubert (23) und Tim Brinkmann (20) gesprochen. Beide sind Gesundheits- und Krankenpfleger im Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda. Aber nicht nur das, sie sind auch Vorsitzende der JAV der Klinik.

Kurz und knapp – Fakten zur JAV

  • JAV-Mitglieder vertreten jugendliche Arbeitnehmer u 18 und Azubis, Praktikanten, Dualstudenten u 25
  • eine JAV wird von den oben genannten Personen gewählt
  • jeder bis 25 kann sich zur Wahl stellen (darf jedoch kein Mitglied im Betriebsrates sein)
  • Amtszeit = 2 Jahre
  • danach finden neue Wahlen statt
  • Grundlage für die Gründung einer JAV ist das Vorhandensein eines Betriebsrates im Unternehmen
  • die Anzahl an JAV-Mitgliedern hängt von der Anzahl an Jugendlichen im Betrieb ab
JAV-Mitglieder Jugendliche im Betrieb
1 Mitglied 5 – 20
3 Mitglieder 21 – 50
5 Mitglieder 51 - 200

Zu ihren Aufgaben gehört vor allem ein offenes Ohr für die Probleme der Azubis zu haben. „Wenn diese irgendwelche Sorgen haben, versuchen wir immer gemeinsam mit den Führungskräften einen Kompromiss zu finden.“ erzählt mir Leopold. Probleme mit denen sie vor allem konfrontiert sind, betreffen laut den beiden vor allem die Schicht- und Wochenenddienste, sowie die Gestaltung der schulischen Inhalte. Aber im Allgemeinen kann die JAV auch Maßnahmen beim Betriebsrat oder der Personalvertretung beantragen, sie überwacht die Einhaltung diverser Vorschriften und Gesetze und gibt Vorschläge der Azubis an den Betriebsrat weiter. Generell müssen allen Angelegenheiten zum Schluss über den Betriebsrat geklärt werden, da die JAV kein eigenständiges Organ ist.

Neben den Aufgaben gibt es aber auch zahlreiche Rechte, wie z.B. die Teilnahme an Betriebsratssitzungen, an Besprechungen zwischen dem Betriebsrat und dem Arbeitgeber, die Durchführung von JAV-Versammlungen, das Abhalten von Sprechstunden und die Teilnahme an Einstellungsgesprächen. „An den Bewerbungsgesprächen für die Ausbildungsplätze nehmen wir nicht teil.“ erwähnt Leopold. „Das übernimmt der Betriebsrat. Dafür hätten wir auch selten Zeit.“ Sprechstunden für die Azubis wurden im Lausitzer Seenland Klinikum auch schon mal abgehalten. Diese waren aufgrund der Arbeitszeiten nicht sehr gut besucht. Aber Leopold, Tim und die anderen Mitglieder der JAV nehmen an den Betriebsratssitzungen teil. „Es kann schon sehr wichtig sein bei den Sitzungen anwesend zu sein aber wir haben da kein Mitbestimmungsrecht.“ erzählt er. Um als “JAVler“ immer auf den aktuellsten Stand zu sein, haben sie auch das Recht an Schulungen auf Kosten des Arbeitgebers teilzunehmen. „Unternehmen bieten dafür externe Möglichkeiten an.“ weiß Leopold zu berichten. „Das sind Rechtsseminare bei denen wir erfahren wie wir Wahlen zu managen haben, Sitzungen abhalten  und Problemgespräche führen.“

Da stellt sich natürlich auch die Frage, ob eine JAV das Betriebsklima verbessert, oder, ob dadurch Spannungen zwischen den Azubis und den Führungskräften entstehen? Fühlen diese sich durch eine JAV angegriffen? Ist das Vorhandensein einer JAV in einem Betrieb ein Zeichen dafür, dass etwas mit der Ausbildung dort nicht stimmt? Nein, das muss nicht sein! Im Falle des Lausitzer Seenland Klinikums hat sich das Betriebsklima nach Tims Meinung sogar verbessert. „Die JAV versteht die Probleme der Schüler besser. Wenn sich ein Schüler nicht an die JAV wendet, werden seine Probleme halt stationsintern gelöst und das muss nicht immer die beste Lösung sein. Manchmal vergessen die Kollegen, dass sie auch mal Schüler waren.“

Obwohl die JAV die Stimmung unter den Azubis im Klinikum verbessert hat, ist das Interesse unter ihnen diesen “Job“ selber zu übernehmen nicht sehr groß, wie mir Leopold mitteilt. „Der Grund dafür ist, dass es sich dabei um einen ehrenamtlichen Job handelt. Man muss vieles neben der eigentlichen Arbeit und auch noch danach machen. Es ist manchmal nicht leicht, das mit dem Privatleben und der Freizeit zu vereinbaren.“

Was motiviert einem dann solche verantwortungsvollen Aufgaben zu übernehmen? „Man kann schon einiges bewegen und stößt nicht auf taube Ohren. Es ist auch schön dann die Erfolge zu sehen. Feedback ist sehr wichtig.“ erklärt Leopold.