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Interview mit Peter Kloeppel

Reportagen

Wir kennen ihn wohl alle. Er ist der Anchorman der täglichen Nachrichten auf RTL - Peter Kloeppel. Natürlich ist er nicht als Nachrichtenchef und Chefredakteur der Sendergruppe auf die Welt gekommen.

Auch Peter Kloeppel war Schüler und stand 1977 nach bestandenem Abitur vor einer Entscheidung. Was tun? Welche interessante Entscheidung er gefällt hat und wie sich sein Leben von jetzt auf gleich noch einmal geändert hat, das habe ich den heute 51-Jährigen gefragt. Und ich gebe zu, es war wirklich ganz interessant mal mit jemandem persönlich zu reden, den ich vorher nur aus dem TV kannte.

„Eigentlich führt man ein ganz normales Leben“
Wir kennen ihn wohl alle. Er ist der Anchorman der täglichen Nachrichten auf RTL. Natürlich ist er nicht als Nachrichtenchef und Chefredakteur der Sendergruppe auf die Welt gekommen. Auch Peter Kloeppel war Schüler und stand 1977 nach bestandenem Abitur vor einer Entscheidung. Was tun? Welche interessante Entscheidung er gefällt hat und wie sich sein Leben von jetzt auf gleich noch einmal geändert hat, das habe ich den heute 51-Jährigen gefragt. Und ich gebe zu, es war wirklich ganz interessant mal mit jemandem persönlich zu reden, den ich vorher nur aus dem TV kannte.

Herr Kloeppel, Sie haben nach bestandenem Abitur von 1977 bis 1983 an der Universität Göttingen Agrarwissenschaften studiert. Was hat Schweinehüten mit Nachrichtenjournalismus zu tun und wie kommt man auf die Idee zum Journalist zu mutieren?

Ich habe mir die Frage gestellt, was mache ich jetzt eigentlich mit meiner Ausbildung nach dem Studium. Und da ich schon in der Schule gerne geschrieben habe, auch mündliche Prüfungen immer ganz gut meisterte und mir klar war, dass ich wahrscheinlich nicht so der typische Landwirt auf dem Bauernhof werden würde oder Forscher im Labor, da kam mir der Gedanke, dass ich eigentlich auch gern über Landwirtschaft schreiben würde, vielleicht für ein landwirtschaftliches Fachmagazin. Da war der Schluss ganz naheliegend, dass ich nach der klassischen akademischen Ausbildung zum Agrarwissenschaftler noch eine Zusatzausbildung zum Journalisten mache. Das habe ich getan, indem ich zur Hamburger Journalistenschule, der Henri-Nannen-Schule gegangen bin und dort ausgebildet wurde. Im Rahmen dieser Ausbildungszeit habe ich ein bei RTL ein Praktikum gemacht. Damals hieß der Sender noch RTL Plus – das war Anfang 1985, also vor über 25 Jahren. Das hat mir viel Spaß gemacht und die Mitarbeiter von RTL plus hatten offensichtlich auch Spaß mit mir, sodass sie mir einen Job in Bonn als politischer Korrespondent angeboten haben. Den Job habe ich angenommen . So bin ich beim Fernsehen gelandet und auch hängengeblieben.

 

Das klingt spannend. Ich habe gelesen, sie sind 1990 nach New York gegangen. War das der erste Trip nach Amerika für Sie?

Nein, ich war natürlich vorher schon ein paar Mal in Amerika. Das erste Mal 1984. Damals war ich 25 Jahre alt. In der Zeit dachte ich mir, dass Amerika als Arbeitsplatz mit Sicherheit für einen Journalisten eine hochspannende Angelegenheit ist. Man lernt A) die Sprache noch besser und B) andere Themen kennen. Gerade wenn man viel über eher trockene Politik aus Bonn berichtet hat. Ich dachte mir es wäre auch mal schön nicht nur über den Streit zwischen Union und SPD zu berichten. Zum Dritten dachte ich mir, dass das eine solche Lebenserfahrung ist und wenn ich die jetzt machen kann, dann möchte ich die auch gerne tatsächlich machen. Und so habe ich mich um die Stelle in New York beworben und bin angenommen worden. Es war für mich insofern nochmal ganz besonders spannend, weil wir in Amerika zu der Zeit kein Nachrichtenbüro hatten. Ich musste das also erst einmal planen und das Personal suchen, also dieses Standbein unserer Berichterstattung gänzlich neu aufbauen. Das habe ich knapp zwei Jahre lang gemacht und es hat mir großen Spaß bereitet.

 

Gibt es witzige Amerika-Momente, an die Sie heute noch zurückdenken?

Naja, man muss sich natürlich auch erst mal zurecht finden. Ich hatte ja nie in Amerika gelebt und war nur als Tourist dort gewesen. Klar tritt man da immer mal wieder in Fettnäpfchen rein, z.B. dass man irgendwelche Worte falsch ausspricht oder ähnliches. Ich dachte mir aber auch immer, das gehört zum Erfahrungsschatz dazu, den ich versuche zu sammeln. Aus Fehlern kann man nur lernen. So richtig peinliche Fehler sind mir da Gott sei Dank nicht passiert, aber man lernt jeden Tag neue Dinge. Man lernt neue Menschen kennen, man lernt sich mit Themen zu befassen, die bis dahin nie ein Thema gewesen sind. Ob das nun ein Bericht war über Bootsflüchtlinge, die von Kuba versucht haben nach Florida zu kommen, oder über ein Extremrennen in Alaska oder über den Präsidenten, der damals auch Bush hieß, aber der Vater und nicht der Sohn war. Oder ob es eine Sonnenfinsternis auf Hawaii war. Es gab ständig neue Themen, immer spannende Themen. Es hat einfach sehr viel Spaß gemacht, von dort zu berichten und journalistisch gesehen eine der interessantesten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.

 

In Amerika haben Sie dann auch Ihre heutige Frau kennengelernt.

Ja, das ist richtig. Sie hat mit mir gemeinsam in dem Büro gearbeitet, in dem wir unsere Berichterstattung gemacht haben. Als dann klar war, dass ich zurück nach Deutschland gehen würde, haben wir uns tief in die Augen geschaut und gesagt: „Eigentlich würden wir gerne weiter zusammenbleiben“, und so ist sie mit mir nach Deutschland gekommen.

 

Arbeitet sie heute auch noch als Journalistin?

Nein, kaum noch. Aber sie hat beispielsweise ein Buch geschrieben über ihre Erfahrungen in Deutschland. Es heißt „Dear Germany“. Das ist sehr lustig, weil es die Fettnäpfchen beschreibt, in die man treten kann, wenn man als Amerikaner hierher kommt. Es zeigt aber auch Deutschland mal aus einer ganz anderen Perspektive. zeigt. So ist sie also auch heute noch journalistisch tätig, aber eben nicht mehr im Nachrichtengeschäft.

 

Herr Kloeppel, Sie sind ja nun schon eine ganze Weile im Nachrichtengeschäft unterwegs. Gab es denn auch Momente, in denen Sie einfach keine Lust mehr auf den Job hatten?

Ganz ganz selten. Meistens dann, wenn ich das Gefühl hatte, ich brauche jetzt mal ein paar Tage Ruhe, die Nachrichtenlage aber einfach dagegenspricht, weil doch wieder etwas passiert und man einfach da sein muss. Da ist man dann schon ein bisschen müde an dem einen oder anderen Tag, aber von den vielen tausend Tagen, die ich inzwischen schon hier bei RTL arbeite, waren wirklich nur ganz wenige dabei, an denen ich mir gesagt habe: ich würde heute gerne mal was anderes machen.

 

Könnte man denn aus den vielen tausend Tagen, die Sie jetzt schon bei RTL sind eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen schneiden?

Also eine ganze Serie nicht. Aber ich habe mal moderiert und vorher vergessen, mir mein Mikrofon anzustecken. Das ist ja so ein kleines Steckerle, das man sich an den Kragen am Anzug steckt. Ich habe die Sendung begonnen und auf einmal stellte ich fest, dass man mich gar nicht hören kann. Dann merkte ich auch, ich sitze auf dem Mikrofon drauf und musste erst mal den Zuschauern klar machen, dass sie mich jetzt wahrscheinlich nicht hören können. Dann bin ich so halb aufgestanden und habe das Mikrofon unter meinem Allerwertesten vorgezogen und hab’s mir angesteckt. Die Zuschauer fanden das alle total lustig. Ich selbst fand es ganz schrecklich, weil ich Pannen gar nicht mag. Aber gut, sie gehören dazu und seit dem habe ich auch nie wieder vergessen, mir das Mikro anzustecken.

 

Aber das Sendestudio ist noch nie über Ihnen zusammengebrochen, so wie man es aus schlechten Serien kennt?

Nein, bisher ist das Studio stehengeblieben. Ich gehe auch davon aus, dass es so bleiben wird. Wir ziehen ja im Herbst in ein ganz neues Studio. Und man darf auch nicht vergessen, dass der Teil des Studios, den die Zuschauer hinter mir sehen, in Wahrheit nur eine grüne Wand ist. Die Bildschirme usw. sind alle nur virtuell. Wenn also was zusammenbricht, dann höchstens die Technik, aber nicht das Studio.

 

Ist das nicht ein komisches Gefühl, wenn man selbst vor einer grünen Wand sitzt und die Leute im Fernsehen sehen das völlig anders?

Nö, überhaupt nicht. Ich freue mich, dass es funktioniert. Sonst wäre es ja wirklich sehr kompliziert, wenn man ständig neue Dekorationsteile einbauen muss, oder sonst irgendetwas umbauen muss. Ich finde die virtuelle Technik wirklich sehr angenehm, weil wir mit dem Studio auch Freiheiten haben, Bilder zu erzeugen. Auch neue Elemente aufzunehmen, die wir sonst mit einem aus Spanplatten und Glasscheiben gebauten Studio gar nicht hätten.

 

Bei Wahlberichterstattungen sieht man Sie immer vor einer Grafik stehen. Die existiert ja aber in Wirklichkeit gar nicht. Woher wissen Sie als Moderator, wo Sie hinzeigen müssen?

Ich habe noch einen Bildschirm, der so ein bisschen von den Zuschauern versteckt vor mir steht. Wenn ich auf den Bildschirm schaue und gleichzeitig meine Hand bewege, dann kann ich das einigermaßen erkennen, wo meine Hand ist. Wenn man das ein paar Mal geübt hat, dann kommt man mit der Technik eigentlich ganz gut hin.

 

Herr Kloeppel, Sie haben ja schon den einen oder anderen Medienpreis gewonnen, unter anderem 1996 den „Goldenen Löwen“ und 2002 den „Spezial-Grimme-Preis“ als Anerkennung für die Berichterstattung über den Terroranschlag auf das World-Trade-Center in New York am 11. September. Ist es ein besonderes Gefühl, als Journalist so ausgezeichnet zu werden?

Es ist immer eine Bestätigung für die Leistung eines Teams. Selbst wenn ich allein den Preis bekommen, weiß ich, dass ich nichts wäre ohne die Leistung der Mannschaft, die mit mir zusammenarbeitet und mit denen ich auch gerne zusammenarbeite. Auch wenn es Preise sind für Sendungen, die sich mit Ereignissen beschäftigen, die ja nun alles andere als schöne Ereignisse waren, wenn wir mal den 11. September als Beispiel heranziehen.

 

Der 11. September war ein Paradebeispiel für eine unterschiedliche Nachrichtenlage und jeder Menge Hektik. Kann man die Professionalität, die Sie an diesem Tag ausgestrahlt haben lernen, oder ist die einem in die Wiege gelegt worden?

Nein, das kann und muss man auch lernen. Das kann niemand aus dem Stegreif, weil man ja auch eine Menge an Wissen haben muss, über das, was dort passiert. Auch wenn man es noch nicht hundertprozentig weiß, was dort gerade geschieht. Man muss Hintergrundwissen haben, muss in der Lage sein, das wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Man muss in der Lage sein, Spekulationen von Fakten zu trennen oder Spekulationen auch als solche zu kennzeichnen. Dafür braucht man einfach ein paar Jahre. Das würde ich keinem Anfänger zumuten, den in so eine Sendung reinzusetzen und zu sagen: „So nun guck mal, dass du schwimmst.“ Der wird garantiert untergehen. Deswegen war es für mich gut zu wissen, dass ich mich da auf einen gewissen Erfahrungsschatz berufen und ihn dann auch im entscheidenden Moment abrufen konnte.

 

Es gibt immer wieder Nachrichten, die einen sehr erschüttern und mitnehmen. Was gibt Ihnen in solchen Momenten Kraft weiterzumachen und ganz Profi zu bleiben?

Wir definieren als Journalisten ja eine Aufgabe. Unsere Aufgabe ist es die Menschen darüber zu informieren, was auf der Welt so alles passiert. Wenn man sich dieser Aufgabe stellen möchte, dann gehört es einfach dazu, dass man auch schwierige Situationen, schwierige Nachrichten professionell aufbereitet und weitergibt. Die Zuschauer wollen informiert werden und unsere Aufgabe ist es, sie so gut wie möglich zu informieren. Das hilft einem, denn man weiß, da draußen sind Hunderttausende oder Millionen, die auch gerade deswegen jetzt einschalten, weil sie erwarten, dass wir sie informieren.

 

Wie kann ich mir denn einen Tag im Leben des Peter Kloeppel vorstellen? Sie kommen ja sicherlich nicht erst 10 Minuten vor der Sendung ins Studio.

Meine Tage laufen relativ gleichmäßig ab, wenn ich hier in Köln bin. Ich brauche ungefähr 45 Minuten von Zuhause hier ins Studio. Das heißt ich fahre morgens so gegen 8 Uhr los, bin dann viertel vor neun im Büro und habe dann etwa eineinhalb Stunden Zeit, mich auf unsere erste Konferenz vorzubereiten, die um 10.30 Uhr stattfindet. In der schauen wir uns die Nachrichtenlage an und sprechen über Themen, die uns an diesem Tag wichtig erscheinen, oder die uns angeboten werden als Beiträge unserer Außenbüros. So gegen 11.30 Uhr wissen wir einigermaßen, wie unsere Sendung aussehen wird, aber das heißt: erstmal steht sie nur auf dem Papier. Es müssen dann die Reporter losfahren, recherchieren, drehen, Interviews machen – alles eben, was nötig ist, um einen Fernsehbeitrag zu erstellen. Ich arbeite dann in der Zeit im Hintergrund. Ich bin ja nicht nur Moderator sondern auch Chefredakteur und habe noch andere Aufgaben, als nur die Sendung am Abend zu moderieren. Ich muss mich mit Themen wie Budget, Personalplanung und mit neuen Projekten beschäftigen. Es gibt viele Gespräche, die ich führen muss. Manchmal muss ich auch mal ein Interview geben, so wie wir das jetzt gerade machen. Dann kommen immer wieder Konferenzen im Laufe des Nachmittages dazu, in denen wir dann genauer festlegen, wie die Sendung aussehen soll, was reinkommt und was nicht. Um 20 vor sieben ist dann hoffentlich alles soweit fertig, dass ich ins Studio gehen kann. Die Sendung ist um etwa zehn nach sieben spätestens zu Ende. Ich gehe dann nochmal in die Redaktion, treffe mich mit allen Redakteuren und wir reden über die Sendung, was gut und was nicht so gut gelaufen ist. So gegen 19.30 Uhr fahre ich dann wieder nach Hause und bin gegen 20.15 Uhr wieder daheim. Das heißt also, mein Tag hat im Normalfall immer so um die 12 Stunden, wovon ich dann ungefähr zehneinhalb Stunden im Büro verbringe.

 

Das ist ja eine ziemlich lange Zeit.

Ja, aber das gehört dazu. Wenn man’s ordentlich machen will, muss man auch ordentlich arbeiten.

 

Sie sind 12 Stunden am Tag unterwegs. Wo trifft man Sie in der wenigen Freizeit, die Ihnen noch bleibt? Gibt es da eine bestimmte Lieblings-Bar oder einen Lieblingsplatz?

Also in die Kneipe gehe ich eigentlich nie. Ich gehe gerne auf den Tennisplatz, wenn ich Zeit habe. Das funktioniert aber eigentlich nur am Wochenende. Ich gehe aber auch gerne laufen. Da kann man mich dann auch schon mal unter der Woche auf einer Laufstrecke durch den Wald oder am Rhein treffen. Ich versuche mir schon ein wenig Bewegung zu verschaffen. Aber ich bin auch viel mit der Familie zusammen. Wir unternehmen viel zusammen und haben gemeinsam Spaß. Ich bin jetzt nicht der Typ, der ständig unterwegs sein muss am Wochenende, sondern ich genieße es dann auch, einfach mal Zuhause zu sein.

 

Sie laufen ja ganz normal durch den Wald, so wie viele andere Jogger auch. Ist es da schon so, dass Sie oft gegrüßt werden, weil die Leute Sie kennen? Und wie reagieren Sie in solchen Momenten?

Ja, man grüßt eben zurück. Das heißt ich bleibe nicht stehen und unterhalte mich mit den Leuten – das erwartet auch keiner von mir. Nö, wenn mich jemand erkennt und mich grüßt, grüße ich zurück. Wenn mich keiner erkennt, habe ich damit aber genauso wenig ein Problem. Ich verhalte mich wie ein ganz normaler Mensch, wenn ich draußen bin und die Sachen mache, die mir Spaß machen. Man führt also eigentlich auch ein ziemlich normales Leben.

 

Eine abschließende Frage: Wenn Sie nur einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Ein einziger Wunsch?

Ja.

Dann möchte ich einfach nur gesund bleiben. Das ist alles was ich will. Ich möchte nicht krank werden. Sonst hat man immer viele Wünsche, aber wenn man krank ist, dann hat man auch nur einen Wunsch, nämlich der, dass man wieder gesund wird. Deswegen wünsche ich mir einfach mal, dass ich gesund bleibe.

 

Das ist ein sehr bescheidener Wunsch. Vielen Dank für das nette Interview und bis heute Abend bei RTL aktuell.

Mit Peter Kloeppel sprach
Benjamin Seidemann