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PLANBAR im Interview mit Boxer Matthias Pelk aus Weißwasser

Leben

„Wenn ich einen schlechten Tag hab, wechselt mich niemand aus"

Wie und wann sind Sie auf die Idee gekommen zu boxen?

Mein Vater war zu DDR-Zeiten ein sehr erfolgreicher Boxer und da lag es nahe, dass ich es auch ausprobiere. Anfangs in Cottbus als Amateur-/Kickboxer und ab 2004 bei den Profis.

Was ist das Besondere an der Sportart Boxen?

Boxen ist eine Ganzkörpersportart. Der Körper muss komplett fit sein. Man braucht eine gute Reaktion und Selbstbewusstsein, ebenso wird das Auge trainiert. Boxen ist eine sehr intensive Sportart. Es ist schon sehr hart, wenn man 12 Runden, knapp 50 Minuten, im Ring steht, da muss man sehr gut vorbereitet und topfit sein.

Muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt boxen zu können?

Es gibt viele Voraussetzungen. Zum einen muss man eine gewisse Art Talent haben. Zum anderen muss man vonsich überzeugt sein und man darf keine Angst mitbringen. Es muss vieles stimmen. Die Psyche ist auch sehr wichtig. Es ist halt kein Mannschaftssport. Wenn ich einen schlechten Tag hab, wechselt mich niemand aus. Ich muss topfit sein.

Haben Sie Ihr Hobby damit zum Beruf gemacht? Oder wie bringen Sie Beruf und Sport unter einen Hut?

Ich habe 3 Jahre eine Ausbildung zum Industriegerüstbauer in Schwarze Pumpe absolviert. So konnte ich in meiner Heimat bleiben und meinen Fokus
weiterhin auf den Sport legen. Jetzt bin ich selbstständig, leite eine eigene Kampfsportschule und arbeite noch als Sportlehrer. Da sich mein ganzer Tag um
Sport dreht, findet sich immer Zeit für die eigenen Trainingseinheiten.

Das klingt alles nach eiserner Disziplin und hartem Training.

Disziplin ist das A und O. In der Vorbereitungsphase, ca. 3 Monate, muss man auf sein Gewicht achten und beispielsweise auf Parties oder Grillabende verzichten. Ich sag immer so: Bei uns tut’s weh, wenn wir nicht vorbereitet sind. Man muss den Fokus auf den Kampf setzen, ansonsten braucht man gar nicht erst kämpfen.

Es gibt einige große Boxställe in Deutschland. Trotz Ihres Erfolges haben Sie sich entschieden in Weißwasser zu bleiben.

Meine Familie und Freunde sind hier, außerdem geht es mir hier gut. Ich hatte Angebote von Ställen aus Großstädten, aber warum soll ich wechseln, wenn ich hier das gleiche Angebot bekomme?

„Boxen ist eine Männerdomäne“. Stimmen Sie zu?

Das muss ganz klar jeder für sich entscheiden. Bei uns trainieren Mädchen und Frauen (die älteste Frau ist 70), auch meine Tochter macht Kampfsport. Da ich aber weiß, wie hart es ist, würde ich meiner Tochter abraten aktiv zu boxen. Und auch meinem Sohn, wenn ich einen hätte. Aber ich begrüße es, wenn Kinder und Frauen Kampfsport betreiben, zur Verteidigung und Fitness.