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In die Chefetage geht’s nur mit Studium

Studenten ABC

„Wer Karriere machen will, der muss eine akademische Ausbildung machen", gibt sich Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus sicher. Mehr als 140 Ausbildungsberufe vermittelt die IHK in der Lausitz – doch längst nicht alle sind gleichermaßen beliebt oder eine Vielzahl von Ausbildungsrichtungen gerät einfach in Vergessenheit.

Demnach bieten sich dort immer noch freie Lehrstellenangebote, auf die unsere jungen Berufseinsteiger aufmerksam gemacht werden sollten.Erkennbare Schwierigkeiten sieht Krüger in der Besetzung der Ausbildungsrichtungen mit dem Schwerpunkt Informatik. Denn weiterhin geht der Trend zu denen des Mechatronikers, der Mediengestalter und der Tierpfleger. In erster Linie solltet ihr euch mit den verschiedenen Berufsmöglichkeiten auseinandersetzen. Infos gibt’s überall. In jeder Broschüre und jedem Flyer werden alle Unklarheiten geklärt. So kannst du zielgerecht deine Bewerbungen schreiben. Dir muss bewusst sein, dass du nun selbst deine Zukunft gestalten kannst und diese Chance solltest DU nutzen!

„Wer aus der Schule heraus geht und ins Berufsleben startet, der muss sich extrem wichtige Fragen für sein weiteres Leben stellen", erklärt der IHK-Chef. Sich zwischen einem Studium und einer Ausbildung zu entscheiden ist seiner Ansicht nach wirklich schwer. „Viele Schulabgänger wollen endlich unabhängig sein, ihr eigenes Geld verdienen und den Eltern nicht auf der Tasche liegen." Doch die Wahl zwischen Studium und Ausbildung ist viel bedeutender. „Beim Studium kommt es darauf an, sich in der Zeit an der Hochschule gewisse Fähigkeiten anzueignen. Es geht um Methoden, Selbstorganisation und allgemeine Informationen." Das Fachwissen, das ein ehemaliger Student in einer Firma braucht, kann er ziemlich schnell lernen. „Doch jemand der ein Studium absolviert hat, der wird immer Chancen auf einen Platz in der Chefetage haben." Bei der Ausbildung ist das schon anders. „Dabei lernt der Auszubildende vor allem eines: Fachwissen", weiß Krüger.

Also, was tun? Ausbildung oder Studium?

Ganz zu Beginn sollte sich jeder die wichtigsten Fragen stellen und daran denken, dass er bis zum Ende seines Berufslebens in diesem Job arbeiten wird. „Es geht also nicht um Geld, Macht oder andere Dinge. Viel wichtiger ist, dass sich ein zukünftiger Auszubildender fragt: Passe ich zum Job? Passt der Job zu mir? Kann ich mich selbst verwirklichen? Und befriedigt die Arbeit meine Bedürfnisse?", erklärt IHK-Chef Krüger. Deswegen empfiehlt er: „Jeder sollte Praktika machen. Dabei ist es egal, ob es am Ende fünf oder 50 Praktika waren. Wichtig ist, dass es Erkenntnis bringt und der Jugendliche Kontakte knüpfen kann. Somit ist der erste Schritt getan. Man hat das praktische Arbeiten einmal richtig kennen gelernt. Nicht von Erzählungen her, sondern man leistete etwas mit eigenen Händen und bekommt nun den Einblick darüber, ob die Richtung den Beruf beschreibt, den man ausüben möchte. Man soll die Mitarbeiter eines Unternehmens Löcher in den Bauch fragen und erfahren, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind. Nur dann bringt ein solches Praktikum etwas." Und ganz nebenbei ist das die erste Gelegenheit zu erfahren, ob du dich an die Grundregeln halten kannst. „Wer weiß schon vorher, ob er die Vorraussetzungen wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit erfüllen kann? Welcher Schüler weiß, wie es ist, acht Stunden konzentriert an einer Sache zu arbeiten?", fragt der Hauptgeschäftsführer und antwortet im gleichen Atemzug selbst: „Keiner! Und das kann ihnen nicht einmal jemand zum Vorwurf machen. Sie müssen sich erst noch ausprobieren und lernen, was Arbeit eigentlich heißt. Die Lehrer in der Schule können ihnen nicht viel über die heutige Berufswelt erklären. Immerhin sind sie selbst aus der Schule in die Hochschule und anschließend sofort wieder in die Schule gegangen. Beim letzten Mal zwar auf der anderen Seite als beim ersten Mal, aber sie haben nie viel von der wirklichen Berufswelt draußen gesehen", erklärt Krüger. Genau aus diesem Grund müsst ihr euch selbst über die Neuigkeiten auf dem Arbeitsmarkt informieren. Möglichkeiten dafür gibt es laut Wolfgang Krüger genügend. „Aller zwei Jahre gibt es an einem Samstag im Jahr den Tag des offenen Unternehmens. Das Problem dabei: Zu wenig Jugendliche gehen samstags freiwillig irgendwo hin." Er sieht nicht die Eltern in der Pflicht, sich an eurer Stelle zu informieren. Krüger: „Du musst selbst losgehen." Eltern müssen ihren Kindern nur „in den Hintern treten, damit sie sich bewegen und sich Infos holen." Das Leben sei schließlich keine Spaßzone, sondern purer Ernst. „Wir können nicht um alles eine schützende Werkstatt bauen." Denn Leben heißt hinfallen und wieder aufstehen - um wieder zu fallen.

„Doch am Ende ist nur eines wichtig: Vor sich selbst glücklich und mit sich selbst im Reinen sein", sagt Krüger und gibt mit auf den Weg: „Am Ende wird nur der Karriere machen, der sich lebenslange Neugier auf Unbekanntes erhält."

Benjamin Seidemann, Susanne Kanter