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Im wahrsten Sinne des Wortes „eine Berufung“

Reportagen

Wie wird man eigentlich katholischer Priester?

Ein Leben lang Abstinenz, das heißt keine Beziehung, keine Ehe, keine Kinder. Sich nach außen hin moralisch und ethisch möglichst immer korrekt verhalten und sich mit begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten zufrieden geben. Mal ehrlich, könntet ihr euch das wirklich vorstellen? Tatsächlich gibt es in Deutschland nicht viele junge Leute, die sich für den Werdegang zum Priesteramt entscheiden.

Ein langer Weg

Priester zu werden erfordert nicht nur ein Abitur für die Zulassung zum Theologiestudium und einen strengen katholischen Glauben, sondern auch eine Menge Ausdauer. Das Vorbereitungsjahr, das sogenannte Propädeutikum, ist nur der Anfang eines intensiven Werdegangs. Es findet für die gesamten neuen Bundesländer in Bamberg statt. „Wir lernen Latein und Griechisch, verrichten soziale Arbeit und werden in grundlegende Sachen, wie Bibel, Spiritualität und Liturgie (Messe) eingeführt. Außerdem ist ein sechswöchiger Aufenthalt in Israel dabei“, erklärt Phillip Fuhrmann, der sich dafür entschieden hat, für das Bistum Görlitz Priesterkandidat zu werden.

Danach folgt sozusagen das Kernstück der insgesamt achtjährigen Ausbildung: das Theologiestudium in Erfurt. Mit zehn Semestern ist er derzeit einer der längsten Studiengänge in Deutschland. Dabei müssen die angehenden Diplom-Theologen für ein Jahr auch eine andere Uni besuchen und haben neben der Theorie auch weiterhin pastorale, also praktische Bildung. „Wir wohnen dort in einem Seminar, das kann man sich ähnlich wie ein Internat vorstellen. Dort werden dann zum Beispiel gemeinsame Gebete oder Ähnliches abgehalten. So befassen wir uns also auch in unserer Freizeit intensiv mit unserem Glauben und der Gemeinschaft“, sagt der 18-jährige FSJler.

Zum Abschluss folgt noch einmal ein zweijähriger Praxisteil, bei dem der zukünftige Priester Praktika in kirchlichen Gemeinden macht und viel mit Kindern und Jugendlichen zusammen arbeitet. In diesen zwei Jahren fällt auch die Entscheidung, ob der Kandidat immer noch Priester werden möchte. Denn nach dem ersten Praxisjahr erfolgt die Diakonweihe, sozusagen eine Vorstufe zum Priesteramt und von da an gibt es kein Zurück mehr. Noch ein Jahr später ist das Ziel erreicht - die Priesterweihe erfolgt.

Entscheidung für‘s Leben

Für den, der die langjährige Ausbildung gemeistert hat, ist Priester-Sein kein Job, der nach acht Stunden täglicher Arbeit endet, es ist vielmehr eine Lebensaufgabe. Auch außerhalb der Messe stellen Kirchenämter eine ständige Vorbildfunktion dar und der Würdenträger präsentiert mit seinem persönlichen Auftreten nicht nur sich selbst, sondern auch die katholische Kirche.

Neben dem Umstand, dass der Priester sein Leben lang weder Frau noch Kinder haben wird, erfordert dieses kirchliche Amt auch den ständigen Gehorsam dem zuständigen Bischof gegenüber. „Ich kann später zwar einen Antrag stellen, in welcher Gemeinde ich arbeiten möchte, aussuchen kann ich es mir aber eigentlich nicht. Der Bischof bestimmt, wo ich gebraucht und eingesetzt werde“, ist sich der zukünftige Priesteranwerter Phillip Fuhrmann durchaus bewusst. Obwohl die katholische Kirche als großes Unternehmen betrachten kann, sind die Aufstiegschancen eines Priesters begrenzt. Auch hier können zwar noch höhere Ämter erreicht werden, aber die Chance an die Spitze der katholischen Kirche, an das Papstamt, zu kommen, ist verschwindend gering.

Ein ungewöhnliches Ziel

Da Phillip mit mir zusammen Abitur gemacht hat, kenne ich ihn schon etwas länger. Ich muss zugeben, dass ich, gerade weil der katholische Glaube bei uns nicht so verbreitet ist und ich mir das abstinente Leben nicht gerade einfach vorstelle, etwas überrascht war, als er mir erzählt hat, dass er anstrebt Priester zu werden. „Ich werde nicht selten schief angeschaut, wenn ich von meinem Vorhaben erzähle und selbst meine Familie ist noch etwas skeptisch. Das liegt aber zum großen Teil daran, dass sie Angst haben, ich könnte unglücklich werden, beziehungsweise, dass meine Eltern traurig sind, dass es wahrscheinlich keine Enkelkinder geben wird“, sagt er. Wenn man sich für diesen Lebensweg entscheidet sollte man also mit allen Konsequenzen dahinter stehen. „Ich muss zugeben, dass ich jetzt auch noch nicht ganz sicher sagen kann, dass ich es bis zur Priesterweihe durchziehe, denn man kann nie wissen, was oder wer dazwischen kommt“, gibt Phillip offen zu. „Priester zu werden ist eine Karriere, für die man sich jeden Tag neu entscheiden muss.“